Russisches Zivilflugzeug wird militärisch: Verteidigungsministerium übernimmt TWRS-44

TWRS-44 Ladoga
Russisches Zivilflugzeug wird militärisch

ArtikeldatumVeröffentlicht am 21.05.2026
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Uraler Zivilflugzeugwerk TWRS-44.
Foto: USGA

Aus einem der drei Regionalflugzeuge, die derzeit in Russland entwickelt werden, wird ein militärisches Flugzeug. Das gesamte Projekt "TWRS-44 Ladoga" wird laut Sergei Merenkow, Chefkonstrukteur für Transportflugzeuge beim Uraler Zivilflugzeugwerk (USGA), an das russische Verteidigungsministerium übertragen.

Merenkow erklärte auf einer Fachkonferenz zur Luftfahrtversorgung der Arktis, Sibiriens und des Fernen Ostens, das Projekt sei pausiert worden. Das Verteidigungsministerium wolle auf Basis der TWRS-44 entweder eine Frachtversion mit Laderampe, eine Variante mit seitlicher Ladeluke oder eine militärische Passagierversion entwickeln. Ein Prototyp des Turboprops befand sich im vergangenen Jahr bereits im Bau, ist allerdings noch nicht fertiggestellt.

Projekt soll nicht verzögert werden

"Wir haben die Erlaubnis, den Erstflug durchzuführen, und planen, das Flugzeug fertigzustellen und 2026 in die Luft zu bringen", zitiert die russische Nachrichtenagentur TASS Merenkow. Er sprach davon, dass das Projekt pausiert worden sei. Das Unternehmen selbst widersprach kurz darauf und bezeichnete die Meldung über eine Aussetzung des Projekts als unzutreffend.

Was ist jetzt der Stand?

Klarheit über die Projektsituation liefert das allerdings nicht. Ob eine zivile Entwicklung nach dem Erstflug weiterverfolgt wird, ist unklar. Im zivilen Bereich wird die Maschine aber dringend gebraucht.

Denn die TWRS-44 ist als Nachfolger der sowjetischen Antonow An-24 (und An-26) konzipiert, die bis heute auf entlegenen Regionalrouten vor allem in Sibirien und dem russischen Fernen Osten im Einsatz ist. Langsam erreichen die An-24 das Ende ihres Lebens. Die meisten der Kurzstrecken-Passagiermaschinen sind zwischen 55 und 60 Jahre alt.

Mit Platz für 30 bis 50 Passagiere (44 Sitze) und einer Reichweite von 2.100 Kilometern sollte der Turboprop genau jene Lücke schließen, die nach dem Wegfall westlicher Muster wie der ATR 42/72 infolge der Sanktionen noch größer geworden ist. Die anderen russischen Regionalflugzeugprojekte, Baikal und Oswei, sind mit Platz für zwölf bis 19 Passagiere deutlich kleiner als die Ladoga, die Iljuschin Il-1114-300 dagegen mit bis zu 64 Sitzen merklich größer.

Ursprünglich war die Auslieferung der TWRS-44 ab 2025 geplant. Die Luftfahrtbehörde Rosawiazija hatte zuletzt den Start der Erprobungsphase für das vierte Quartal 2026 und die Zulassung für 2029 in Aussicht gestellt. An dem Zeitplan hat sich mit der Projektübergabe nichts geändert: Der Erstflug soll auch weiterhin 2026 stattfinden, so Merenkow.

An-26-Ersatz für russisches Militär

Als Antrieb für die Ladoga ist eine gedrosselte Variante des Klimow-Turboprops TW7-117ST-02 vorgesehen, dessen Basisversion beim einzigen Prototyp des Militärtransporters Il-112W in der Luft Feuer fing und zum Absturz der Maschine führte. Konstruktive Mängel sollen inzwischen behoben sein. Auch die Il-114-300 fliegt mit TW7-117ST-Triebwerken.

Die Il-112W sollte die alten Antonow An-26 des russischen Militärs ersetzen. Seit dem Absturz liegt das Programm auf Eis und die Nutzungsdauer der An-26 wurde von 50 auf 60 Jahre verlängert. Eine militärische Variante der Ladoga würde dann das gescheiterte Il-112W ersetzen und die Ausmusterung der alten An-26 ermöglichen.