ArianeGroup will Militärgeschäft ausbauen

Deutsch-französischer Raketenhersteller
ArianeGroup will Militärgeschäft ausbauen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.01.2026
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ArianeGroup will Militärgeschäft ausbauen
Foto: ESA

2025 war ein gutes Jahr für den deutsch-französischen Raumfahrtkonzern ArianeGroup: "Ariane is back", sagt Pierre Godart, CEO von ArianeGroup Deutschland bei einem Medienevent am Standort Ottobrunn am 16. Januar. Die neue europäische Schwerlastrakete Ariane 6 ist im vergangenen Jahr vier Mal erfolgreich gestartet, dabei seien die jeweils beförderten Satelliten extrem präzise in ihrem Orbit ausgesetzt worden, betont Godart. "Wir haben das Niveau der Ariane 5 bereits erreicht." Die hohe Präzision sei ein Wettbewerbsvorteil, denn die Kunden bzw. ihre Satelliten würden dadurch Treibstoff sparen, den sie für eine längere Mission nutzen können.

Ebenfalls als sehr erfolgreich bewertet Godart die ESA-Ministerratskonferenz im November 2025. Der Betrieb der Ariane 6 sei gesichert und auch Deutschland habe als größter Beitragszahler ein wichtiges Signal gesendet.

Ramp-up im Fokus

Dieses Jahr steht für ArianeGroup ganz im Zeichen des Produktionshochlaufs der Ariane 6. 2026 sind sieben bis acht Starts geplant, also etwa eine Verdopplung der Frequenz des vergangenen Jahres. Ab 2027 sollen dann neun bis zehn Ariane 6 jährlich starten.

Bei ArianeGroup und der Tochterfirma Arianespace, die für die Vermarktung und Durchführung der Ariane-6-Starts zuständig ist, gibt es bereits Überlegungen, die Startkadenz weiter zu erhöhen. Das sei jedoch mit Investitionen bei ArianeGroup und den Zulieferern verbunden. "Es ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit", sagt Godart. Man müsse zunächst eine Antwort darauf finden, ob die Entwicklung bei der Nachfrage nachhaltig sei. Wann eine Entscheidung über eine höhere Startfrequenz fällt, ist noch nicht festgelegt.

Einer der großen Meilensteine in diesem Jahr ist der Erstflug der Ariane 64 mit vier Feststoffboostern am 12. Februar vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana aus. Dabei werden 32 Satelliten der Amazon-Leo-Konstellation gestartet (ehemals Project Kuiper). Der Start von Satelliten einer Konstellation ist ein Novum für ArianeGroup. "Das haben wir mit der Ariane 5 nicht gemacht", sagt Godart.

Kickstufe für Dual-Use

Mit der veränderten geopolitischen Lage rückt für ArianeGroup Deutschland auch das Thema Verteidigung in den Fokus. Im Konzern sei der Bereich deutlich größer als Ariane. Das liegt auch daran, dass ArianeGroup die ballistischen M51-Raketen für die französischen Nuklearstreitkräfte herstellt. Bezogen auf Deutschland sieht es allerdings anders aus, da sei der Militärbereich "viel, viel kleiner als Ariane", sagt Godart. "Wir wollen das ausbauen." Man habe bereits Aufträge von der Bundeswehr erhalten.

Neben Raketenstarts mit der Ariane 6 nennt Godart zwei Lösungen aus dem ArianeGroup-Portfolio, die auch für die militärische Raumfahrt interessant sind: der Weltraumüberwachungsdienst Helix, mit dem ArianeGroup Objekte im Weltraum kartografiert sowie Warnungen über ungewöhliche Bewegungen ausgeben kann, sowie die in der Entwicklung befindliche Kickstufe ASTRIS (Ariane Smart Transfer and Release In-orbit Ship) für die Ariane 6. Diese zusätzliche kleine Oberstufe kann für Missionen zum Mond und in den tieferen Weltraum genutzt werden, bietet aber auch Möglichkeiten für das Militär, beispielsweise um mit ihr verbundene Satelliten über Monate flexibel im erdnahen Weltraum zu manövrieren, um andere Satelliten zu inspizieren.

"ASTRIS eröffnet das Feld der 'Space Logistics'", ergänzt Godart. Beispielsweise könnten künftig mithilfe von ASTRIS dafür vorgesehene Satelliten im Weltraum wiederbetankt werden. ASTRIS wird seit 2021 im Auftrag der ESA entwickelt und war ursprünglich für die zivile Nutzung vorgesehen. Seit der Ministerratskonferenz in Bremen hat die ESA auch das Mandat, sich um Sicherheit und Verteidigung zu kümmern.