Artemis I
Orions Herz ist europäisch

Das Europäische Servicemodul (ESM) spielt eine wichtige Rolle beim Flug zum Mond.

Orions Herz ist europäisch
Foto: NASA

Sechs Tage nach dem Start mit dem Space Launch System (SLS) vom Kennedy Space Center hat die Orion-Kapsel am Montag ein entscheidendes Manöver durchgeführt, um in einen Mondorbit zu gelangen. Der sogenannte "Outbound Powered Flyby Burn" begann um 13:44 Uhr (MEZ), um 13:57 näherte sich Orion der Mondoberfläche auf bis zu 130 Kilometer an.

Beim "Outbound Powered Flyby Burn" wird die Anziehungskraft des Mondes zur Beschleunigung von Orion genutzt. Als das Raumschiff rund 528 Kilometer vom Mond entfernt war, feuerte das AJ10-Haupttriebwerk (vom Orbital Maneuvering System des Space Shuttle) des Europäischen Servicemoduls (ESM) zwei Minuten und 30 Sekunden lang. Vor der Zündung betrug Orions Geschwindigkeit etwa 8084 km/h, kurz danach, am Punkt der geringsten Entfernung zur Mondoberfläche, waren es 8211 km/h. Am Freitag wird das ESM-Hauptriebwerk erneut zünden, um Orion in einen entfernten retrograden Mondorbit zu bringen. Dort wird die Kapsel etwa eine Woche lang bleiben, bevor es wieder den Rückflug Richtung Erde antritt. Die Wasserung von Orion ist für den 11. Dezember vor der Küste von San Diego geplant.

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Das ESM ist so etwas wie das "Kraftwerk" von Orion. Es beinhaltet neben dem Haupttriebwerk acht Hilfstriebwerke sowie 24 Lageregelungstriebwerke und liefert über vier Solarpanels (19 Meter Durchmesser im ausgeklappten Zustand) den Strom für das Raumschiff. Zudem ist es für die Temperaturregulierung in der Kapsel zuständig und versorgt die Crew mit Sauerstoff und Wasser, auch 8,6 Tonnen Treibstoff lagern im ESM. Es hat eine zylindrische Form und einen Durchmesser und eine Höhe von etwa vier Metern. Voll beladen wiegt es beim Start rund 15 Tonnen. Ein ESM ist nur einmal verwendbar. Am Ende der Mission trennt es sich von der Orion-Kapsel und verglüht in der Erdatmosphäre.

An ESM-4 wird bereits gearbeitet

Gebaut wird das ESM in Bremen, Hauptauftragnehmer ist Airbus Defence & Space. In Bremen stehen zwei Docks für die ESM-Montage zur Verfügung, rund 130 Fachleute arbeiten hier im Zwei-Schichtbetrieb. Im ersten Dock werden Primär- und Sekundärstruktur integriert. Dann wird das noch unfertige Modul per Deckenkran zum zweiten Dock gebracht, wo Kabelbäume, Leitungen, Elektronikboxen, Tanks und Antriebe eingebaut werden. In der Nachbarhalle, wo bislang die Ariane-5-Oberstufenproduktion beherbergt war, werden zwei weitere Docks aufgebaut, damit man künftig an vier ESM gleichzeitig arbeiten kann. Denn Airbus wurde von der europäischen Weltraumorganisation ESA bisher mit dem Bau von sechs ESM beauftragt, weitere könnten hinzukommen.

Während ESM-1 gerade auf dem Weg zum Mond ist, wurde ESM-2 bereits im Oktober 2021 zum Kennedy Space Center nach Florida gebracht. Dort wurde es im Sommer mit der Crew-Kapsel verbunden und durchläuft nun Tests. ESM-2 wird bei der bemannten Mondumrundung im Rahmen von Artemis II zum Einsatz kommen, die für 2024 geplant ist. ESM-3, das bei der ersten bemannten Mondlandung seit Apollo 17 dabei sein wird, wird derzeit in Bremen fertiggestellt. Airbus will es im Juli 2023 an die NASA ausliefern. Mit der Integration von ESM-4 wurde in Bremen bereits begonnen.

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