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Boeing 747 als fliegende Startplattform

Virgin Orbit klinkt Testrakete im Flug aus

Wenn es nach Richard Branson und seiner Raumfahrtfirma Virgin Orbit geht, werden kleine Satelliten bald nicht mehr nur vom Boden, sondern von einem Flugzeug aus gestartet. Zum ersten Mal wurde die Rakete LauncherOne nun probehalber im Flug abgeworfen.

Am Morgen des 10. Juli hob die umgebaute Boeing 747 „Cosmic Girl“ in Mojave, Kalifornien zu ihrem Testflug ab. Knapp eine halbe Stunde später, um 9.13 Uhr Ortszeit, war es dann soweit: In 10.668 Kilometer (35.000 Fuß) klinkte die voll beladene, aber inaktive Rakete „LauncherOne“ über der Edwards Air Force Base aus. Besonders die kritischen Sekunden nach dem Abwurf waren für das Team von Virgin Orbit von Interesse: Klappt die Trennung zwischen Rakete und Flugzeug sauber? Wie wird sich die Rakete im freien Fall verhalten?

Testpilot zeigt sich mit dem Flugverlauf zufrieden

„Der ganze Flug verlief unglaublich gut. Der Abwurf was sehr sanft und die Rakete fiel gut ab“, freute sich Virgin-Cheftestpilotin Kelly Latimer, pensionierter Lieutenant Colonel der US Air Force, nach der Landung über den gelungenen Test. „Das Flugzeug verhielt sich genau wie wir erwartet hatten. Alles passt gut zu dem, was in den Simulationen passierte – tatsächlich waren die Abwurfdynamik und die Bedienung des Flugzeugs sogar besser als gedacht.“

Bereit für den Abwurf: LauncherOne unter der linken Tragfläche der modifizierten Boeing 747 "Cosmic Girl".
Virgin Orbit
Bereit für den Abwurf: LauncherOne unter der linken Tragfläche der modifizierten Boeing 747 "Cosmic Girl".

Erster Orbitalflug der Rakete noch in diesem Jahr?

Mit dem erfolgreichen ersten Abwurf im Flug ist das US-Unternehmen nach eigenen Angaben kurz vor dem Abschluss des Testprogramms. Seit 2015 wurde die „LauncherOne“ bei Virgin Orbit entwickelt. Zur Überprüfung von Triebwerken, Pumpen, Tanks und Software absolvierte Virgin diverse Bodentests. Im Anschluss folgten Tests der Haupt- und Oberstufe der Rakete, bei denen die Triebwerke gezündet wurden. Parallel dazu musste das Flugzeug, früher als Airliner bei Virgin Atlantic tätig, ein eigenes Testprogramm für seinen Einsatz als fliegende Startplattform durchlaufen.

So sieht sie aus, die erste Orbitalrakete. Sie soll noch dieses Jahr fliegen.
Virgin Orbit
So sieht sie aus, die erste Orbitalrakete. Sie soll noch dieses Jahr fliegen.

Die erste Testrakete für einen Orbitalflug soll laut Virgin Orbit noch in diesem Monat fertig montiert sein und ist dann ebenfalls bereit für ihre Testreihe. Zum ersten Mal starten soll sie gegen Ende diesen Jahres.

Starts auf verschiedenen Kontinenten geplant

Das Startkonzept von Virgin Orbit beruht auf seiner Flexibilität: Mit „Cosmic Girl“ soll die Startplattform relativ einfach an den unterschiedlichsten Orten einsetzbar sein, an denen der Satellit auf seine „Mitfluggelegenheit“ wartet . Neben dem Mojave Air und Space Port hat auch das Kennedy Space Center in Florida Interesse bekundet, ebenso der Spaceport Cornwall in Großbritannien sowie der Flughafen Taranto-Grottaglie in Südost-Italien. In Japan plant das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit ANA Holdings, der Muttergesellschaft der größten japanischen Fluggesellschaft ANA (All Nippon Airways).

Im Verlauf einer Startmission soll die 16 Meter lange LauncherOne auf 15 Kilometern Höhe ausgeklinkt werden. Anschließend zündet sie ihre Triebwerke, um Satelliten bis 500 Kilogramm Masse in einen niedrigen Erdorbit zu transportieren. Leichtere Nutzlasten können in einem höher liegenden sonnensynchronen Orbit ausgesetzt werden.

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