Die Internationale Raumstation ISS soll noch bis 2030 betrieben werden, darauf haben sich die beiden großen Betreibernationen USA und Russland Mitte Juli geeinigt. Was anschließend kommt, ist unklar. Mehrere Unternehmen arbeiten an kommerziellen Stationen, die NASA hat Pläne für ein eigenes Kernmodul im niedrigen Erdorbit, das mit kommerziellen Habitaten kombiniert werden kann und Russland will seine eigene Station ROS aufbauen. Und wo bleibt Europa? Könnten wir eine eigene Raumstation im erdnahen Weltraum entwickeln?
Um diese Frage zu klären, hat die europäische Weltraumorganisation ESA Ende September bei zwei Industriekonsortien Studien in Auftrag gegeben. Eine europäisch geführte Station ist neben potenziellen Kooperationen mit künftigen kommerziellen Stationen und internationalen Institutionen eine Option, die das ESA-Direktorat für astronautische und robotische Exploration untersucht.
Studien unter Führung deutscher Unternehmen
"Europa hat durch jahrzehntelange internationale Zusammenarbeit Kompetenzen von Weltklasse im Bereich der bemannten Raumfahrt aufgebaut. Wir stehen nun vor der Chance, unsere gemeinsame Zukunft zu gestalten und gleichzeitig die Spitzenleistungen unserer Ingenieure und unserer Industrie zu sichern", sagt Daniel Neuenschwander, Direktor für astronautische und robotische Exploration bei der ESA. "In diesem Zusammenhang prüfen wir verschiedene Optionen, um die fortgesetzte Präsenz und Rolle Europas in der erdnahen Umlaufbahn sicherzustellen. Diese Studien werden uns dabei helfen, einzuschätzen, wie die europäische Industrie eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der nächsten Generation der Orbitalinfrastruktur übernehmen könnte, indem sie auf unseren industriellen Stärken aufbaut und neue Möglichkeiten für die internationale Zusammenarbeit eröffnet."
Die Studien werden von zwei deutschen Unternehmen geleitet: Airbus Defence and Space und OHB. Zusammen mit sechs Partnern aus Industrie und Institutionen untersuchen sie, ob die Entwicklung und der Betrieb einer Raumstation im erdnahen Weltraum für bemannte Missionen, wissenschaftliche Forschung und Technologieentwicklung technisch und programmatisch machbar ist.
Basis für künftige Rolle Europas
Die beiden sogenannten Vor-Phase-A-Untersuchungen bauen auf den europäischen Kompetenzen im Bereich bemannter Raumfahrt-Infrastruktur auf, dazu gehören ISS-Beiträge wie das Columbus-Labor und das Europäische Service-Modul (ESM) für die Orion-Raumkapsel. Die Studien sollen mögliche Architekturen für eine europäisch-geführte Raumstation in den Blick nehmen, einschließlich ihrer Infrastruktur, unterstützender Transporte, Dienste für den Betrieb, sowie Technologien, industrielle Fähigkeiten und Partnerschaften identifizieren, die für Entwicklung und Betrieb nötig wären.
Initiiert wurden die Studien bereits im Juni im Rahmen des Europäischen Programms zur Erforschung des Weltraums. Die beiden Konsortien haben rund neun Monate Zeit, um ihre Untersuchungen abzuschließen. Durch diese vorbereitenden Arbeiten will die ESA die Grundlagen für die künftige Rolle Europas in der bemannten Raumfahrt und mögliche Porgrammentscheidungen durch die ESA-Mitgliedsstaaten legen.





