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Bringt Europa Astronauten künftig selbst ins All?

Europäische Raumfahrtagentur ESA Bringt Europa Astronauten künftig selbst ins All?

ESA-Astronaut Alexander Gerst sieht dringenden Handlungsbedarf, "sonst sind wir aus dem Spiel".

"Der Weltraum wird die nächste wirtschaftliche und politische Zone werden", sagte ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher am Dienstag auf der ILA in Berlin. Europa müsse hier eine wichtige Rolle spielen. Dieser Meinung sind auch die deutschen ESA-Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer. "Wir wollen beide, dass Europa einen unabhängigen Zugang zum All hat", so Gerst. Das bezieht sich auch auf Startmöglichkeiten für Astronauten.

Bisher flogen europäische Astronauten mit der russischen Sojus-Kapsel und seit vergangenem Jahr mit den Dragon-Crew-Raumkapseln des US-Unternehmens SpaceX zur Internationalen Raumstation ISS. Gerst sieht die staatliche Kooperation und das bisherige Barter-System, bei dem die Europäer vor allem Hardware für Raumfahrt-Missionen beisteuern und im Gegenzug Mitflugmöglichkeiten für Astronauten erhalten, zumindest teilweise durch private Unternehmen wie SpaceX ausgehebelt. "Wenn wir unsere Forschung weiter betreiben wollen, müssen wir ein eigenes System aufbauen. Entweder wir zeigen Autonomie, oder wir sind raus", sagte Gerst. Das heiße nicht, dass Europa alles selbst machen müsse. Aber gerade eigene astronautische Transportmöglichkeiten würden Europa als internationalen Partner attraktiv machen.

Das Thema eigener astronautischer Startkapazitäten ist nicht ganz neu auf der Agenda des ESA-Generaldirektors. "Durch den Krieg in der Ukraine ist das Bewusstsein für Autonomie aber noch mehr in den Vordergrund gerückt", sagte Aschbacher gegenüber der FLUG REVUE. Politisch sieht er in Europa durchaus Unterstützung für die Idee, eigene Raketen und Kapseln zu bauen sowie den Startplatz in Kourou dafür anzupassen. Beim Space Summit in Toulouse im Februar erhielt er den Auftrag, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die sich des Themas annimmt. Beim nächsten Space Summit im November 2023 sollen die Ergebnisse präsentiert werden.

Ariane 6 fliegt später

Derweil bestätigte Aschbacher, dass sich die neue europäische Trägerrakete Ariane 6 weiter verzögert und erst im nächsten Jahr zum Erstflug abheben wird. "Grund dafür ist nicht ein großes Problem, vielmehr eine Reihe von kleineren Themen", sagte Aschbacher. Man sei vorsichtig damit, ein konkretes Datum für den Erstflug zu nennen.

Aktuell stehen zwei große und wichtige Tests an: der Hot Firing Test der Oberstufe auf dem ESA-Prüfstand P5.2 in Lampoldshausen sowie der kombinierte Test von Haupt- und Oberstufe auf dem neuen Startplatz ELA-4 in Kourou. Der Oberstufentest in Lampoldshausen soll Mitte Juli beginnen, erst nach dessen Abschluss soll es mit dem Test in Französisch-Guayana weitergehen. "Bis Ende September werden wir mehr wissen", so Aschbacher.

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