Für Schwerlastrakete Angara: Russland baut Kosmodrom weiter aus

Für Schwerlastraketen
Russland baut heimisches Kosmodrom weiter aus

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.04.2026
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Am Kosmodrom Wostotschny  ist ein neuer Startplatz für Raketen der Angara-Familie eröffnet worden.
Foto: Roskosmos

Am russischen Kosmodrom Wostotschny ist ein neuer Startplatz für die Angara-Raketenfamilie fertiggestellt worden. Die Betreiber nahmen nun die restlichen 16 Bauwerke in Betrieb. Bereits vorher fanden von dem Weltraumbahnhof Starts von Angara-Raketen statt, allerdings war der Bau bis jetzt nicht abgeschlossen.

Universelles Trägersystem für Russlands Raumfahrt

Der Startplatz nimmt eine Fläche von 89 Hektar ein. Die Plattform selbst erstreckt sich über eine Fläche von knapp 45.000 Quadratmetern.

Der gesamte Prozess vom Transport der Rakete aus der Montage- und Testhalle bis zum Abheben läuft weitgehend automatisch ab und alles funktioniert ferngesteuert. Das soll die Fehlerquote bei zukünftigen Einsätzen möglichst gering halten.

Alle Varianten des Angara-Raketensystems sollen von der neuen Anlage aus abheben können und damit Russland ein Stück unabhängiger machen. Angara ist ein modulares Trägersystem mit drei Stufen, das Nutzlasten zwischen 3,5 und 38 Tonnen in den erdnahen Orbit befördern kann. Bis zu acht Tonnen Nutzlast können damit in den geostationären Orbit gebracht werden. Entwickelt und hergestellt wird das System vom Raumfahrtzentrum Chrunitschew.

Das modulare Design ermöglicht eine Reihe von Raketentypen von leichten bis zu schweren Varianten. Die leichteste Angara, Angara 1.2, ist etwa 43 Meter lang. Die schwerste Variante, Angara-A5, bringt es durch das modulare Design auf über 55 Meter.

Weniger Starts von Baikonur

Das Projekt verfolgt mehrere strategische Ziele. Seit der Auflösung der Sowjetunion befindet sich das Kosmodrom Baikonur, von dem früher schwere Träger aufstiegen, außerhalb der Russischen Föderation.

Mit Angara verfügt Russland nun über ein vollständig aus heimischen Komponenten gefertigtes Raketensystem, das auf einem Kosmodrom auf russischem Territorium eingesetzt werden kann. Langfristig könnten so auch bemannte Missionen von Russland aus durchgeführt werden. Die älteren Proton-Raketen sind dagegen weiterhin auf Baikonur angewiesen.

Der Kosmodrom Wostotschny ist Russlands erster ziviler Raumfahrtkomplex und befindet sich im Fernen Osten in der Amurregion nahe der chinesischen Grenze auf einer Fläche von etwa 700 Quadratkilometern. Die Startbahn verläuft über dünn besiedelte Regionen Russlands. Zudem gibt es eine gute Anbindung an das Transsibirische Eisenbahnnetz.

Start einer Angara-A5.
Russisches Verteidigungsministerium

Die Arbeiten am Kosmodrom begannen 2012. 2016 folgte der erste Raketenflug mit einer Sojuz-2.1a, die drei Erdbeobachtungssatelliten ins All brachte. 2024 gelang schließlich die Premiere einer Angara-A5-Trägerrakete von Wostotschny.

Das Kosmodrom verfügt damit über zwei Startanlagen. Die zweite ist für leichte bis mittlere Sojus-Raketen vorgesehen.