Isar Aerospace: Schafft es die Spectrum-Rakete in den Orbit?

Zweiter Startversuch der deutschen Trägerrakete
Schafft es die Spectrum diesmal in den Orbit?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.03.2026
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Schafft es die Spectrum diesmal in den Orbit?
Foto: Isar Aerospace

Am Abend des 25. März ist es soweit: Die Spectrum-Trägerrakete des bayerischen Raumfahrt-Startups Isar Aerospace soll von Andøya in Norwegen zu ihrer "Onward and Upward"-Mission starten. Das Startfenster öffnet sich um 21 Uhr MEZ, das Unternehmen überträgt die Vorbereitungen und den Start ab etwa 20 Uhr im Livestream.

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Für die leichte, zweistufige Trägerrakete ist es der zweite Start. Der erste fand vor gut einem Jahr, am 30. März 2025, statt und endete als Fehlschlag. Rund 30 Sekunden nach dem Abheben stürzte die Spectrum ab und explodierte im Meer. Ursache für den Absturz war nach Angaben von Isar Aerospace ein Verlust der Lageregelung. Dieser sei wiederum auf Biegebewegungen der Rakete beim Start zurückzuführen, die zuvor nicht korrekt modelliert worden waren. Zudem war vor dem Start ein Entlüftungsventil nicht geschlossen worden. Dadurch sank der Druck im Treibstofftank, was im weiteren Flugverlauf zum Problem geworden wäre.

CubeSats und Experiment an Bord

Der zweite Start ist als Qualifikationsflug vorgesehen und wird von der europäischen Raumfahrtagentur ESA gefördert. Dabei soll die Spectrum erstmals Nutzlasten in den Orbit bringen – fünf CubeSats und ein Experiment. Die Nutzlasten stammen unter anderem von der TU Berlin, der Universität Maribor und der TU Wien. Eigentlich wollte Isar Aerospace bereits am 21. Januar starten, doch ein Problem mit einem Druckventil durchkreuzte die Pläne.

Die Spectrum ist 28 Meter hoch, hat einen Durchmesser von zwei Metern und soll bis zu 1000 Kilogramm Nutzlasten in erdnahe Umlaufbahnen befördern (700 Kilogramm in sonnensynchrone Orbits). Die Struktur besteht aus Kohlefaserverbundwerkstoffen. Die Hauptstufe wird von neun Aquila-Flüssigkeitsraketenriebwerken à 75 kN angetrieben, die Oberstufe von einem fürs Vakuum optimierten, mehrfach wiederzündbaren Aquila (95 kN). Als Treibstoff wird Flüssigsauerstoff und Propan genutzt. Das Aquila-Triebwerk funktioniert nach dem Nebenstromverfahren. Dabei wird ein Teil der Treibstoffe in einem Gasgenerator verbrannt, das heiße Gas treibt die Treibstoffpumpen an.

Teil der European Launcher Challenge

Im vergangenen Jahr hat die ESA Isar Aerospace zusammen mit vier weiteren europäischen Raumtransportunternehmen (Maiaspace, Orbital Express Launch, PLD Space, Rocket Factory Augsburg) für die European Launcher Challenge ausgewählt. Damit soll unter anderem der Wettbewerb unter europäischen Startdienstleistern gefördert und ein vielfältigeres Ökosystem für den Zugang zum All gefördert werden. Im Rahmen dieses Wettbewerbs müssen die Unternehmen bis spätestens 2027 einen erfolgreichen Orbitalstart durchführen. Anschließend gibt es von der ESA für jeden weiteren Start bis mindestens 2030 Fördergelder.

Isar Aerospace wurde 2018 von den Raumfahrtingenieuren Daniel Metzler, Josef Fleischmann und Markus Brandl gegründet. Metzler ist heute Geschäftsführer, Fleischmann Chief Technical Officer. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Ottobrunn bei München und hat nach eigenen Angaben mehr als 400 Mitarbeiter an fünf Standorten.