Vier Astronauten, ein Ziel: Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch (alle NASA) sowie Jeremy Hansen (Canadian Space Agency) sollen in der Nacht auf den 2. April mit der Orion-Kapsel zum Mond aufbrechen. Die NASA-Mission Artemis II soll zehn Tage dauern und die Raumfahrer in ihrer Kapsel einmal um den Mond herumführen, bevor sie zur Erde zurückkehren und im Pazifik wassern. Orion soll bei ihrem Flug eine maximale Distanz von mehr als 400.000 Kilometer zur Erde erreichen – noch nie waren Menschen weiter von der Erde entfernt.
Die NASA überträgt die Startvorbereitungen auf der Startrampe LC-39B des Kennedy Space Centers in Florida am 1. April ab etwa 13.45 Uhr (MESZ) im Livestream, wenn die Betankung der mächtigen Mondrakete Space Launch System (SLS) mit flüssigem Wasserstoff und flüssigem Sauerstoff beginnt. Kurz vor 20 Uhr (MESZ) werden die Astronauten zur Startrampe aufbrechen. Das zweistündige Startfenster öffnet sich am 2. April um 0.24 Uhr (MESZ).
Viele Unsicherheitsfaktoren
Artemis II ist die erste bemannte Mondmission seit Apollo 17 im Dezember 1972. Auch wenn sich die Raumfahrttechnik in den vergangenen 50 Jahren weiterentwickelt hat, birgt die Mission zahlreiche Risiken und Unsicherheiten. Da ist zunächst das Wetter, das einem Startversuch einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Bei einer Pressekonferenz am Abend des 31. März ging Mark Burger, Startwetter-Offizier der 45th Weather Squadron der Cape Canaveral Space Force Station, von einer 80-prozentigen Chance für einen Start aus. Problematisch könnten sich jedoch Cumulus-Wolken und der Bodenwind entwickeln. Auch das Weltraumwetter müsse man beobachten. Am Montag habe es eine Sonneneruption gegeben, deren Energie jedoch hauptsächlich von der Erde weg gerichtet sei.
Auch die SLS-Rakete ist ein Unsicherheitsfaktor. Sie ist bisher nur einmal geflogen, beim Start der unbemannten Artemis-I-Mission im November 2022. Bei den Vorbereitungen auf Artemis II hatte es – wie auch schon bei Artemis II – einige technische Probleme mit der Rakete gegeben: Beim Wet Dress Rehearsal, einer Generalprobe vor dem Start, Anfang Februar trat ein Wasserstoffleck an einer Schnittstelle zur Hauptstufe auf, zudem gab es Probleme mit einem Ventil, das im Zusammenhang mit der Bedrückung des Orion-Crewmoduls steht. Auch die Bodenkommunikation fiel mehrmals während des wichtigen Tests aus. Ein zweiter Wet Dress Rehearsal am 19./20. Februar verlief erfolgreich – doch im Anschluss wurde ein Problem mit dem Heliumzufluss zur ICPS-Oberstufe festgestellt. Daraufhin musste die Trägerrakete wieder ins Montagegebäude zurückgerollt und dort repariert werden.
Wie wahrscheinlich ist ein Fehlstart der SLS-Rakete?
Der NASA-Administrator Jared Isaacmann hat Ende Februar Änderungen des Artemis-Programms angekündigt, um eine höhere Startfrequenz des SLS zu etablieren und damit mehr Routine bei Mondflügen zu erreichen. "Alle drei Jahre zu starten, ist nicht der richtige Weg", sagte Isaacman damals in einer Pressekonferenz. Er verwies auf das erfolgreiche Apollo-Programm in den 1960er-Jahren, das 1969 in der ersten Landung von Menschen auf dem Mond gipfelte. "Wir sind nicht direkt zu Apollo 11 übergegangen", sagte Isaacman. "Wir hatten das gesamte Mercury-Programm, Gemini – viele Apollo-Missionen, bevor wir schließlich erfolgreich gelandet sind. Jetzt ist unser Programm im Wesentlichen so aufgebaut, dass wir mit Apollo 8 starten und dann direkt zum Mond fliegen. Das ist wiederum kein Weg zum Erfolg." Isaacman will hin zu Starts der SLS-Trägerrakete alle zehn Monate.
John Honeycutt, der Vorsitzendes des Artemis-II-Missionsmanagement-Teams, hatte bei einer Pressekonferenz am 12. März gesagt, dass man eine Wahrscheinlichkeit eines Fehlstarts der Rakete von unter zwei Prozent anstrebe. Er gab aber zu, dass das beim zweiten Flug wohl nicht erreicht werde. "Beim zweiten oder dritten Mal ist es, bei der Lücke, die wir haben, wahrscheinlich nicht 1 zu 50", sagte er. "Es ist wahrscheinlich nicht 1 zu 2. Aber es liegt wahrscheinlich näher bei 1 zu 2."
Hält Orions Hitzeschild?
Risikofaktor Nummer drei ist das Raumschiff. Vor allem das Hitzeschild von Orion gibt Anlass zur Sorge. Es muss die Kapsel beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre vor Temperaturen bis 2760 Grad Celsius schützen. Bei der unbemannten Artemis-I-Mission hatten sich beim Wiedereintritt Teile des Hitzeschilds, das aus 186 Kacheln aus dem ablativen Material namens Avcoat besteht, abgelöst. Ein unabhängiges Prüfungsteam hat den Vorfall untersucht und umfangreiche Bodentests durchgeführt. Man verstehe die Ursachen des Phänomens und könne Vorhersagen zum Verhalten des Hitzeschildes treffen, hieß es im Dezember 2024.
Trotz der beunruhigenden Hitzeschildverluste beim Wiedereintritt entschied die NASA damals, dass man die Artemis-II-Mission mit demselben Hitzeschild wie bei Artemis I durchführen würde. Allerdings hat man das Flugprofil beim Wiedereintritt angepasst: Orion soll nun steiler in die Erdatmosphäre eintreten, damit sich die Zeitspanne, in der sich das Raumschiff im kritischen Temperaturbereich aufhält, verkürzt.
Sollte der Start wegen des Wetters oder wegen Problemen mit der Rakete oder der Startrampe nicht in der Nacht auf den 2. April durchgeführt werden können, gibt es im April weitere Möglichkeiten mit je zweistündigen Startfenstern: am 3. April um 1.22 Uhr, am 4. April um 2 Uhr, am 5. April um 2.53 Uhr, am 6. April um 3.40 Uhr, am 7. April um 4.36 Uhr und am 1. Mai um 0.06 Uhr (alle Zeiten MESZ). Auch wenn Artemis II nicht auf die Mondoberfläche führt, bleibt es also spannend.





