Orion-Raumschiff
Europa fliegt zum Mond

Wenn im Sommer die erste Artemis-Mondmission der NASA startet, ist auch Europa mit dabei. In Form des Europäischen Servicemoduls. Doch die Ambitionen gehen noch weiter.

Europa fliegt zum Mond
Foto: NASA/Cory Huston

Die NASA will im Rahmen des Artemis-Programms bis 2025 die erste Frau und den nächsten Mann auf der Mondoberfläche landen. Europa ist wesentlich an Artemis beteiligt und liefert das Europäische Servicemodul (ESM) für die Orion-Raumkapsel zu. "Das ESM ist das Arbeitspferd und das Herz von Orion", sagte Marc Steckling, Airbus Exploration Manager, am Mittwoch auf der ILA. Airbus ist Hauptauftragnehmer für Entwicklung und Bau von bisher sechs ESMs.

ILA 2022

Das ESM beinhaltet das Haupttriebwerk und liefert über vier Solarpaneele den Strom für das Raumschiff. Zudem ist es für die Temperaturregulierung in der Kapsel zuständig und versorgt die Crew mit Sauerstoff und Wasser, auch Treibstoff lagert im ESM. Voll beladen wiegt es beim Start rund 15 Tonnen. Ein ESM ist nur einmal verwendbar. Am Ende der Mission trennt es sich von der Orion-Kapsel und verglüht in der Erdatmosphäre.

Derzeit wird der Start der ersten, noch unbemannten Artemis-Mondumrundung für Ende August, Anfang September vorbereitet. Am Montag hat die NASA den Wet Dress Rehearsal der Mondrakete SLS (Space Launch System), eine Art Generalprobe vor dem Start, abgeschlossen. Auch beim vierten Versuch (die ersten drei fanden im April statt) lief nicht alles glatt. Das Team musste den Countdown wegen eines Lecks in einer Wasserstoffentlüftungsleitung etwas früher als geplant abbrechen.

ESM-4-Struktur nach Bremen geliefert

Während ESM-1 und Orion bereits an der Spitze der SLS-Rakete sitzen und auf den Start warten, arbeitet Airbus bereits am nächsten Schritt: Astronauten das Leben und Arbeiten im Orbit um den Mond zu ermöglichen. Die Struktur des vierten Europäischen Servicemoduls (ESM-4), das im Rahmen der Artemis-4-Mission zum Einsatz kommen soll, ist Anfang Juni in Bremen eingetroffen. Dort ist die Endmontage angesiedelt. Mit Artemis 4 soll der Aufbau der Gateway-Raumstation in einer Mondumlaufbahn beginnen, die ebenfalls Teil des Artemis-Programms ist.

ESM-3, das bei der ersten bemannten Mondlandung seit Apollo 17, dabei sein wird, ist nach Angaben von Steckling zu rund 50 Prozent integriert. Es soll im Juli 2023 an die NASA ausgeliefert werden. ESM-2 wurde bereits im Oktober 2021 zum Kennedy Space Center nach Florida gebracht, wo es im Sommer mit der Crew-Kapsel verbunden werden soll. ESM-2 wird bei der bemannten Mondumrundung im Rahmen von Artemis 2 zum Einsatz kommen, die für 2024 geplant ist.

"Wir fliegen wieder zum Mond. Aber dieses Mal nicht nur um zu erkunden und zu entdecken, sondern um zu bleiben", sagte Steckling. Airbus erstellt derzeit ein Angebot für drei weitere ESMs. Der europäische Konzern will eine Art Serienproduktion aufbauen, Ziel ist der Bau eines ESM pro Jahr. Steckling ist sich sicher, dass in Zukunft eine Mondökonomie entstehen wird mit regelmäßigen Astronauten- und Frachttransporten. Airbus will auch hier eine Rolle spielen und schlägt der ESA Konzepte für das Logistik-Landemodul EL3 sowie einen autononmes Fahrzeug namens "Moon Cruiser" vor. Über die Umsetzung und Finanzierung der beiden Konzepte soll auf dem Ministerrat im November entschieden werden.

Europa könnte auch eigene Raumschiffe für bemannte Mondflüge bauen. "Es ist mehr eine politische Entscheidung als eine Frage der technologischen Fähigkeiten", sagte Bernardo Patti, European Exploration Manager der ESA. Der ESA-Generaldirektor habe eine klare Diskussion über das Thema begonnen. "Wollen wir relevant sein oder wollen wir es wie in den 1960er Jahren im Fernsehen anschauen? Es ist unsere Chance", so Patti.

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