Im texanischen Rio Grande Valley formiert sich juristischer Widerstand gegen ein Tauschgeschäft zwischen der US-Bundesbehörde für Wild- und Naturschutz (U.S. Fish and Wildlife Service) und SpaceX. Die Behörde hatte in diesem Monat grünes Licht für einen Flächentausch gegeben. Der Tausch steht allerdings schon seit über einem Jahr in der Kritik.
SpaceX soll rund 290 Hektar aus dem Lower Rio Grande Valley National Wildlife Refuge erhalten, im Gegenzug übergibt das Unternehmen der Behörde etwa 275 Hektar privaten Landes, das an das Laguna Atascosa National Wildlife Refuge angrenzt.
Das an SpaceX zu übertragende Gelände liegt in der Nähe von Starbase, dem Startzentrum für die Starship-Megarakete und bringt für das Unternehmen in erster Linie massives Expansionspotential.
Kläger sehen Biodiversität in Gefahr
Gegen diesen Tausch ziehen nun mehrere Organisationen vor Gericht, darunter das Center for Biological Diversity, die Gruppe Save RGV sowie das South Texas Environmental Justice Network. Unterstützt werden sie von der Carrizo/Comecrudo Nation of Texas, einer indigenen Gemeinschaft, die das betroffene Land als heilig betrachtet.
Die Kläger befürchten, dass mit dem Landtausch der Lebensraum bedrohter Arten verloren geht, und machen geltend, dass Testflüge der SpaceX-Raketen bereits jetzt wiederholt Trümmermaterial auf Flächen des Schutzgebiets hinterlassen. Das Center for Biological Diversity kritisiert, öffentliches, mit Steuergeldern über Jahrzehnte aufgebautes Land werde faktisch an den reichsten Mann der Welt verschenkt.
Die Organisationen werfen der Behörde außerdem vor, gegen den National Wildlife Refuge System Improvement Act und den National Historic Preservation Act verstoßen zu haben. Zudem bemängeln sie die Umweltprüfung nach dem National Environmental Policy Act.
Es seien keine ernsthaften Alternativen geprüft worden, und die sogenannten "Biological Importance Scores", nach denen die SpaceX-Fläche schlechter abschnitt als die Tauschfläche, seien in Abstimmung mit SpaceX entstanden und daher nicht belastbar.
Flächen ohnehin schon beeinträchtigt
Die Fish-and-Wildlife-Behörde selbst war im Juni zu dem Schluss gekommen, der Tausch beeinträchtige weder öffentliche Sicherheit noch historische, kulturelle oder ökologisch bedeutsame Flächen erheblich. Gespräche darüber laufen bereits seit 2023, mit dem Ziel, die zersplitterten Eigentumsverhältnisse in der Region zu bereinigen.
Der Großteil der abzugebenden Flächen war in den 1990er-Jahren per Enteignung erworben worden, um Lebensräume gefährdeter Arten und Küstenfeuchtgebiete zu sichern. Seither habe sich die Umgebung jedoch stark gewandelt. Zunehmende Industrialisierung sowie Lärm- und Lichtbelastung durch SpaceX hätten laut Behörde den ökologischen Wert der Flächen bereits gemindert.
Besonders sensibel ist aus Sicht der Kläger, dass zu den Flächen für SpaceX auch Teile des Palmito Ranch Battlefield National Historic Landmark zählen, Schauplatz der letzten Schlacht des amerikanischen Bürgerkriegs. Die Behörde verweist dazu auf eine im Mai unterzeichnete Vereinbarung mit SpaceX, der texanischen Denkmalschutzbehörde und dem National Park Service.
Es ist nicht das erste Mal, dass ein Flächentausch mit SpaceX in der Region scheitert. Bereits 2024 zog sich das Unternehmen nach Klagen von Naturschutzgruppen aus einem ähnlichen Geschäft zurück.





