Starliner-Testflug: "Beunruhigendster Fehler betrifft nicht die Hardware"

Isaacman zu Starliner-Testflug
„Beunruhigendster Fehler betrifft nicht die Hardware“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.02.2026
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„Beunruhigendster Fehler betrifft nicht die Hardware“
Foto: NASA

Der bemannte Flugtest (Crew Flight Test, CFT) der neuen Boeing-Raumkapsel Starliner im Jahr 2024 sollte eigentlich nur acht bis 14 Tage dauern – wegen Problemen mit dem Antrieb wurden daraus 93. Die Kapsel kehrte nicht wie geplant mit den Astronauten Suni Williams und Butch Wilmore an Bord zurück zur Erde, sondern unbemannt, die Raumfahrer flogen nach acht Monaten auf der Internationalen Raumstation ISS mit einer Crew Dragon von SpaceX zurück. Der Vorfall wurde anschließend von einem unabhängigen Programmuntersuchungsteam aufgearbeitet. Den Bericht dieser Gruppe hat die NASA am Donnerstagabend veröffentlicht und den missglückten Flug als "Type A Mishap" eingeordnet, die Kategorie der schwerwiegendsten Zwischenfälle. Beispiele für "Type A Mishaps" sind die Challenger-Katastrophe vor 40 Jahren und das Columbia-Unglück 2003.

"Starliner weist Konstruktions- und Technikmängel auf, die behoben werden müssen, aber der beunruhigendste Fehler, der bei dieser Untersuchung zutage getreten ist, betrifft nicht die Hardware", sagte der NASA-Administrator Jared Isaacman bei einer Pressekonferenz. "Es sind die Entscheidungsfindung und die Führung, die, wenn sie nicht kontrolliert werden, eine Kultur schaffen könnten, die mit der bemannten Raumfahrt unvereinbar ist."

Probleme bei früheren Testflügen

Boeing habe den Starliner zwar gebaut, aber die NASA habe die Kapsel akzeptiert und damit zwei Astronauten in den Weltraum gebracht. Antriebsprobleme waren bereits bei vorherigen unbemannten Tests aufgetreten, darunter der zweite unbemannte Testflug OFT-2 im Jahr 2022.

Isaacman kritisiert, dass die Untersuchungen der aufgetretenen Probleme bei OFT-2 zum Teil nicht die eigentliche Ursache ermittelt hätten. Zudem sei die Entscheidungsfindung im Anschluss an die Triebwerksprobleme bei der bemannten Mission schlecht gewesen. Während die Kapsel an der ISS angedockt war, seien Meinungsverschiedenheiten über die Rückkehroptionen der Besatzung in unprofessionelles Verhalten unter den Programmverantwortlichen umgeschlagen. Isaacman beschreibt ein Umfeld, in dem einerseits an der Durchführung des Starliner-Programms festgehalten wurde und es andererseits an Führungsengagement mangelte, um die Teams wieder auf Sicherheit und Missionsergebnisse zu fokussieren.

Ursache wird noch gesucht

Zuletzt hatten NASA und Boeing daran gearbeitet, den Starliner frühestens im April zu einer unbemannten Frachtmission zur ISS zu starten. Nach Angaben von Isaacman gibt es nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts keine unmittelbaren Änderungen an diesen Plänen. Allerdings müssen die Ingenieure zuerst die Ursache für die Probleme mit den Schubdüsen finden. "Wenn das nun im April klappt, dann ist es so. Und wenn wir danach bemannte Missionen durchführen können, ist das ebenfalls fantastisch", sagte Isaacman. "Aber wir werden nicht wieder fliegen, weder bemannt noch unbemannt, bis alles bereit ist."

Boeing steht nach eigenen Angaben weiter hinter dem Starliner. "In den 18 Monaten seit unserem Testflug hat Boeing erhebliche Fortschritte bei den Korrekturmaßnahmen für die aufgetretenen technischen Probleme erzielt und bedeutende kulturelle Veränderungen im gesamten Team vorangetrieben, die direkt mit den Ergebnissen des Berichts übereinstimmen", so der Konzern. "Wir arbeiten eng mit der NASA zusammen, um die Bereitschaft für zukünftige Starliner-Missionen sicherzustellen, und bekennen uns weiterhin zur Vision der NASA für zwei kommerzielle Crew-Anbieter."