Warum New Glenn einen Satelliten im falschen Orbit aussetzte

Dritter Flug von Bezos's Schwerlastrakete
Warum New Glenn einen Satelliten im falschen Orbit aussetzte

ArtikeldatumVeröffentlicht am 21.04.2026
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Beim dritten Start der Schwerlastrakete New Glenn (NG-3) am 19. April von Launch Complex 36 der Cape Canaveral Space Force Station in Florida um 7.25 Uhr Ortszeit (13.25 Uhr MESZ) erreichte Blue Origin mehrere Meilensteine: Erstmals wurde eine bereits geflogene Erststufe wiederverwendet und zum zweiten Mal in Folge klappte die Landung dieser Erststufe auf einer schwimmenden Plattform im Atlantik. Ihre eigentliche Mission hat die New Glenn aber nicht erfüllt, nämlich ihre Nutzlast in den richtigen Orbit zu transportieren.

"Die Nutzlast wurde in einem nicht-nominalen Orbit platziert", teilte das Raumfahrtunternehmen von Amazon-Gründer Jeff Bezos knapp zweieinhalb Stunden nach dem Start auf dem Kurznachrichtendienst X mit. Weitere Informationen gab es seitens Blue Origin zunächst nicht.

BlueBird 7 ist ein vollständiger Verlust

An Bord der New Glenn befand sich der Satellit BlueBird 7 von AST SpaceMobile. Das US-Unternehmen baut ein Direct-to-Smartphone-Satellitennetzwerk auf. BlueBird 7 wäre der achte Satellit von AST SpaceMobile in einem niedrigen Erdorbit gewesen. Doch die Oberstufe der New Glenn setzte den Satelliten in zu geringer Höhe, mit einem erdnächsten Punkt in nur rund 150 Kilometern, aus. Geplant war ein kreisförmiger Orbit in Höhe von 460 Kilometern.

BlueBird 7 trennte sich zwar noch von der Oberstufe und konnte eingeschaltet werden. Doch die Höhe sei zu gering, um eine Orbitanhebung mit den an Bord befindlichen elektrischen Triebwerken zu schaffen. Der Satellit wird in nächster Zeit in der Erdumlaufbahn verglühen. "Es wird erwartet, dass die Kosten für den Satelliten durch die Versicherungspolice des Unternehmens gedeckt werden", teilte AST SpaceMobile in einer Pressemitteilung am Abend des 19. April mit.

Zu wenig Schub

Einen Tag nach dem Fehlschlag meldete sich der Blue-Origin-CEO Dave Limp auf X und gab ein Update zur möglichen Ursache: "Erste Daten deuten darauf hin, dass bei unserer zweiten GS2-Zündung eines der BE-3U-Triebwerke nicht genügend Schub erzeugt hat, um unseren Zielorbit zu erreichen." GS2 bezeichnet die Oberstufe der New Glenn. Die zweite Zündung der Oberstufentriebwerke fand gut eine Stunde und 40 Minuten nach dem Start statt. Man führe zusammen mit der US-Luftfahrtbehörde eine Untersuchung der Anomalie durch, um die New Glenn so schnell wie möglich wieder fliegen lassen zu können.

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Der Countdown von NG-3 war zunächst 3 Minuten und 57 Sekunden vor dem Start wegen eines nicht näher spezifizierten Problems angehalten worden. Nachdem die Uhr noch einmal zurückgesetzt worden war, gab es wieder etwa vier Minuten vor dem Start eine kryptische Durchsage aus der Missionskontrolle: "Wir können die vollständigen Auswirkungen nicht abschätzen. Ob es sich nun um einen vollständigen Funktionsausfall oder um den Ausfall einer Redundanz handelt." Was es damit auf sich hatte und ob ein Zusammenhang zur späteren Fehlfunktion der Oberstufe gibt, ist unklar.

Neue Triebwerke für Erststufe

Die Erststufe, die bei der Mission NG-3 zum Einsatz kam, war im November 2025 erstmals geflogen. Man habe jedoch alle sieben Triebwerke ausgetauscht und einige Upgrades integriert, darunter einen Hitzeschutz an einer der Triebwerksdüsen, so Dave Limp in einem früheren Social-Media-Post. Die Triebwerke, die bei der Mission NG-2 im November 2025 geflogen waren, sollen bei einem späteren Start genutzt werden.

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Die New Glenn ist eine zweistufige, 98 Meter hohe Trägerrakete, die von Blue Origin entwickelt wurde. Die Erststufe wird von sieben BE-4-Triebwerken mit je 2846 kN Schub angetrieben, als Treibstoff kommen Flüssigmethan und Flüssigsauerstoff zum Einsatz. Die Erststufe ist laut Blue Origin für mindestens 25 Flüge ausgelegt.

Die Oberstufe nutzt zwei wiederzündbare BE-3U-Triebwerke mit je 890 kN zum Einsatz. Sie werden mit Flüssigwasserstoff und Flüssigsauerstoff betrieben. Die Nutzlastverkleidung hat einen Durchmesser von sieben Metern, die Nutzlastkapazität beträgt mehr als 13 Tonnen in den geostationären Transferorbit (GTO) und 45 Tonnen in den niedrigen Erdorbit (LEO).