Russische Ka-32: Warum Spaniens beste Löschhubschrauber nicht fliegen

Russische Ka-32
Warum Spaniens beste Löschhubschrauber nicht fliegen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.07.2026
Als Favorit speichern

Weite Teile der Nordhalbkugel leiden unter extremen Waldbränden. In Nordafrika sind die Temperaturen noch heißer als in Europa, und auch in den algerischen und tunesischen Küstenregionen, die sonst weniger heiß sind als das Landesinnere, kratzt das Thermometer an den 50 Grad Celsius.

Gegen die Brände in Wäldern, Palmenhainen und Ackerflächen nutzt die algerische Luftwaffe superschwere Mil Mi-26 aus Russland. Die Riesenhubschrauber können bis zu 15.000 Liter Wasser auf einmal tragen und sind derzeit essenziell, um in den bergigen Regionen im Norden des Landes die Flammen einzudämmen.

Auch in Spanien brennt es. Und auch dort wurden in der Vergangenheit russische Hubschrauber zur Brandbekämpfung eingesetzt. Doch die Möglichkeit bleibt in diesem Jahr aus, denn für die acht Kamow Ka-32A11BC Firefighting, die Spanien früher genutzt hat, fehlen seit der Invasion in der Ukraine Ersatzteile aus Russland.

Schon vor zwei Jahren kamen Vorschläge aus der linken Sumar-Gruppe im spanischen Parlament, die Sanktionen gegen Russland in diesem Punkt zu lockern, damit die Ka-32 einsatzbereit gehalten werden können.

Die kleine Hubschrauberflotte wurde von privaten Unternehmen im Auftrag des spanischen Umweltministeriums betrieben, Pegasus Aero Group und Avincis. 2023 flogen nur noch drei der acht Hubschrauber – ein Jahr später war kein einziger mehr einsatzbereit.

Unterstützung von EU und Türkei

Hilfe kommt derweil von europäischen Nachbarn und vor allem aus der Türkei. Die Europäische Union hat Löschflugzeuge, Hubschrauber und Einsatzkräfte nach Frankreich und Spanien entsandt.

Für Spanien hat die EU sechs Löschflugzeuge aus Griechenland, Italien und der Türkei mobilisiert. Die Kommission erklärte, dass bereits vor Beginn der Waldbrandsaison Löschteams aus mehreren europäischen Ländern in Frankreich und Spanien vorpositioniert worden seien.

Russische Staatsmedien verbreiten Geschichte

Dass die EU-Sanktionen die Ka-32 am Boden halten, geht gerade durch die russischen Medien. In Europa findet die Geschichte Anklang, vor allem im rechten und EU-kritischen Parteienspektrum.

So schrieb beispielsweise der französische Abgeordnete und ehemalige Vizepräsident des Rassemblement National, Florian Philippot, auf X: "Die Anti-Russland-Sanktionen der EU hindern Spanien daran, seine besten Hubschrauber gegen die gewaltigen Waldbrände rund um Madrid einzusetzen!"

Spanische Luftwaffe, Spanien, Canadair CL-215 / CL-215T
Spanische Luftwaffe

Wichtig ist es deshalb, sich anzuschauen, wie die Situation in Spanien tatsächlich aussieht. Im Nachbarland Portugal waren Ka-32 auch zur Katastrophenbekämpfung im Einsatz. Inzwischen sind die Helikopter jedoch an die Ukraine gespendet worden, und Portugal hat Ersatz aus den USA beschafft. Sechs gebrauchte Sikorsky UH-60A Blackhawk wurden schon 2022 bestellt, um zusätzliche Löschkapazitäten zu schaffen. Anfang dieses Monats kamen noch drei weitere hinzu.

K(l)eine Alternativen auf dem Markt

Spanien ist allerdings nicht untätig geblieben, denn die Ka-32 sind nicht die einzigen Feuerlösch-Helikopter, die das Land einsetzt. 14 Amphibienflugzeuge Canadair CL-215T und CL-415 besitzt die Luftwaffe selbst. Die reichen allerdings nicht aus, um der Flammen Herr zu werden, die jedes Jahr im Land wüten.

Das spanische Umweltministerium und die autonomen Regionen des Landes haben inzwischen neue Verträge mit privaten Anbietern geschlossen. Beispielsweise auch mit Avincis selbst. Zehn Helikopter sollen in Spanien eingesetzt werden, neun Bell 412 und eine Super Puma. In der Region Castilla-La Mancha stehen zwei zusätzliche Bell 412 zur Verfügung.

Die Ka-32A11BC kann 4500 Liter Wasser tragen. Die größte derzeit noch verfügbare Maschine in der Flotte von Pegasus Aero, die Sokol W3A, kann nur 1600 Liter transportieren. Die Bell 412 schafft nur 1400 Liter. Das ist also deutlich weniger.

2024 sprach das spanische Umweltministerium davon, dass es keinen Helikopter gäbe, der mit einer so großen Kapazität so kosteneffizient wäre wie die Ka-32.

Im Januar 2024 schrieb das Ministerium einen Vertrag über 26 Hubschrauber und 18 Flugzeuge für die Kampagnen 2024, 2025 und 2026 aus – Gesamtvolumen 134 Millionen Euro, davon 92,3 Millionen allein für Hubschrauber. Die Vergabe erfolgte verspätet, erst nach Beginn der jeweiligen Saison.

In der staatlichen Löschausrüstung 2025 stand nur noch ein schwerer Löschhubschrauber zur Verfügung – gegenüber acht Kamow-Maschinen vor Kriegsbeginn in der Ukraine.

Alternativen für die Ka-32 gibt es grundsätzlich also, auch wenn sie weniger effizient sind, und die spanische Regierung ist bemüht, guten Ersatz zu beschaffen. Das – im wahrsten Wortsinn – große Problem in diesem Jahr ist aber, dass Spaniens Löschkapazitäten für die aktuell wütenden Brände selbst dann nicht ausgereicht hätten, wenn die acht russischen Ka-32 zur Verfügung stünden.

Denn immerhin brennt in Spanien derzeit etwa sechsmal so viel Fläche wie noch in der letzten vollen Kamow-Einsatzsaison 2022. So verheerende Waldbrände wie 2025 und 2026 sind auch für Spanien, das jedes Jahr mit Bränden kämpft, eine Ausnahme.