Die An-124 mit dem russischen Kennzeichen RA-82078 darf Kanada vorerst nicht verlassen – jedenfalls nicht in Richtung Russland. Ein kanadisches Bundesgericht wies am 18. August den Antrag der Eigentümer-Fluggesellschaft Volga-Dnepr ab, Sanktionen dafür zu lockern.
Volga-Dnepr begründete den Antrag damit, das Flugzeug sei Ende Februar 2022 aus humanitären Gründen nach Kanada geflogen. Nach Darstellung der Airline brachte die An-124 im Auftrag der kanadischen Regierung COVID-19-Testkits aus China nach Toronto.
Der Richter folgte dem nicht und verwies im Urteil auf eine angebliche Nähe der Airline zur russischen Regierung. Wörtlich heißt es, Volga-Dnepr habe "eine entscheidende Rolle" dabei gespielt, Bemühungen zu unterstützen, Sanktionen zur Beschaffung sanktionierter Güter zu umgehen.
Parkgebühren und Betriebskostenrisiko
Während die rechtliche Lage offen bleibt, läuft die Kostenuhr weiter. Angaben aus dem Jahr 2022 zufolge betragen die Parkgebühren für die RA-82078 in Toronto 1065 US-Dollar pro Tag.
Auf dieser Basis wären bis zum 20. August 2026 insgesamt 1,741 Millionen US-Dollar aufgelaufen. Wer diese Summe am Ende trägt, bleibt laut den vorliegenden Berichten ungeklärt.
Neben den direkten Kosten steht ein klassisches Flottenmanagement-Thema im Raum: Ein Großraumfrachter, der jahrelang im Freien steht, wird nicht besser. In der Klage kritisierte Volga-Dnepr die Lagerbedingungen und erklärte, die An-124 leide unter Witterungseinfluss und erhalte "keinerlei Wartung".
Übergabe an Ukraine als Option
Kanada hatte bereits angekündigt, das Flugzeug der Ukraine als Kriegsreparation zuzusagen. In einem Bericht aus dem Jahr 2023 heißt es zudem, die kanadische Regierung habe im Rahmen eines Sanktionspakets die Übertragung der 1995 gebauten An-124 an die Ukraine vorbereitet; der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal bestätigte dies damals öffentlich.
Das macht aus einem reinen Sanktionsfall ein praktisches MRO-Problem: Selbst wenn die Übergabe politisch gewollt ist, bleibt die Frage, in welchem Zustand sich die RA-82078 nach langer Standzeit befindet. Für einen wirtschaftlichen Betrieb wären Prüfungen, Instandsetzung und eine belastbare Teile- und Supportkette entscheidend.
Der Fall ist außerdem kein Einzelfall für Volga-Dnepr. Neben der RA-82078 in Toronto sind drei weitere An-124 der Russen an einem Flughafen im "unfreundlichen Ausland" gestrandet. Sie stehen auf Abstellflächen des Flughafens Leipzig/Halle. Ihr Schicksal: ebenfalls ungewiss.





