Antonow An-12, 63 Jahre alt: Neuzugang für dubiose Airline aus Afrika

Antonow An-12, Baujahr 1962
Diese Uralt-Antonow steht jetzt in dubiosen Diensten

ArtikeldatumVeröffentlicht am 07.03.2026
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Antonow An-12 UR-CBF von Aerovis (Ukraine).
Foto: aeroprints.com (CC BY-SA 3.0)

Viele Jahre flog die Antonow An-12A mit der Seriennummer 2340507 für die ukrainische Gesellschaft AeroVis. Dort trug der Turboprop-Oldtimer, der im Juli 1962 aus dem Flugzeugwerk Taschkent rollte, bis zuletzt das Kennzeichen UR-CBF. Ursprünglich war die An-12 für die sowjetische Marine gebaut worden, wo sie mit dem Kennzeichen CCCP-11936 unterwegs war. Nach dem Ende der UdSSR ging sie als RA-11936 in den Bestand der russischen Marineflieger über, bevor sie 2004 unter die Fittiche von Air Sofia aus Bulgarien in den zivilen Dienst wechselte. Dort erhielt sie die Kennung LZ-SFW.

Ab Januar 2006 sicherte sich schließlich AeroVis die Dienste der Antonow. Die Ukrainer nutzten sie – mit Unterbrechung von 2012 bis 2017, während der das Flugzeug eingelagert war – bis in den Herbst 2021. Seither ruhte sich die UR-CBF auf dem Flughafen Châlons-Vatry rund 150 Kilometer östlich von Paris aus. Bis sie am 27. Februar mit einem Mal wieder ins Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit rückte.

An diesem Tag nämlich verzeichnete der Tracking-Dienst Flightradar24 nach Jahren wieder eine Flugaktivität der An-12A 2340507 – wenngleich nur fragmentarisch.

Antonow An-12 UR-CBF von Aerovis (Ukraine).
Igor Bubin (GFDL 1.2)

"Schatten-Airline" aus Burkina Faso

Flightradar24 zeichnete den Flugweg der Maschine in südöstlicher Richtung über dem Mittelmeer auf. Ohne konkrete Angabe des Start- und Zielflughafens, dafür mit einem neuen Kennzeichen: Offenbar ist die An-12 nunmehr als XT-ABR in Burkina Faso gemeldet und gehört zur Flotte der Fracht-Airline Batot Air, die in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou ihren offiziellen Firmensitz hat.

Batot Air wurde 2024 gegründet und nahm 2025 ihren Betrieb auf. Auf seiner Webseite wirbt der Carrier mit dem Claim "Giant of Africa". Zur Flotte zählen mutmaßlich drei Iljuschin Il-76TD, allesamt ebenfalls in Taschkent endmontiert, mit einem durchschnittlichen Alter von rund 35 Jahren. Außerdem ist – neben dem "Neuzugang" XT-ABR, der seine Lagerstätte Vatry laut Fotoaufnahmen am 25. Februar mit unbekanntem Ziel verließ – noch eine weitere An-12 im Einsatz, die XT-ABA.

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Die "Schatten-Airline" aus Burkina Faso

Soweit, so gut. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass mit der vermeintlichen Airline-Neugründung aus Burkina Faso irgendetwas faul sein muss. Immerhin führte bislang kein einziger auf Tracking-Apps dokumentierter Flug auch nur eine der zu Batot Air gehörenden Maschinen ins scheinbare Heimatland, geschweige denn zur angeblichen Homebase Ouagadougou. Stattdessen pendelten insbesondere die Il-76 des Carriers vermehrt zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und diversen afrikanischen Städten, manchmal direkt in Krisenregionen.

Verdeckte Militärtransporte?

Schnell wurde der Verdacht laut, dass es sich bei Batot Air in Wahrheit um eine, von den Emiraten aus gesteuerte und finanzierte, "Schattengesellschaft" handeln dürfte, deren Hauptaufgabe wohl darin besteht, Waffen, Munition und militärische Ausrüstung in afrikanische Konfliktgebiete zu liefern. Auch die FLUG REVUE berichtete darüber.

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Mutmaßliche Hilfe für Paramilitärs

Am 25. Februar erhärtete die französische Tageszeitung Le Monde in einem Bericht diese Annahme und bezeichnete Batot Air ausdrücklich als "Tarnfirma für den Transfer von Ausrüstung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten an ihre Verbündeten in Ostafrika (...)." Die Flugrouten der Batot Air-Flugzeuge glichen "in jeder Hinsicht der logistischen Brücke, die die Golfmacht seit Jahren zu ihren Verbündeten in Ostafrika unterhält", führt le Monde aus. Hauptsächliche Nutznießer dieser Luftbrücke seien "heute die Rapid Support Forces (RSF) von General Mohammed Hamdan Daglo, bekannt als 'Hemeti' – die paramilitärischen Einheiten, die seit 2023 im Sudan-Krieg kämpfen."

Iljuschin Il-76TD von Batot Air aus Burkina Faso.
Batot Air

Dubiose Geschäftspraxis

Die An-12A XT-ABR, die am 27. Februar vermutlich von Tunis nach Libyen flog, tauchte seit dieser Reise bis jetzt nicht mehr mit aktiven Flügen auf Flightradar24 auf. Dafür verzeichnete Flightradar am 6. März einen Flug der Batot Air-Il-76 XT-ABN – vom zivil wie militärisch genutzten Flughafen Al Ain in den Emiraten nach Izmir in der Türkei. Was es damit auf sich hat, bleibt im Dunkeln – genau wie die Geschäftspraktiken der vorgeblich burkinischen Airline Batot Air im Allgemeinen.