Abgesagt: Die Business Jet-Messe EBACE 2026 findet nicht statt

Business Jet-Messe in Genf
Abgesagt: Die EBACE 2026 findet nicht statt

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ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.04.2026
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Abgesagt: Die EBACE 2026 findet nicht statt
Foto: Patrick Holland-Moritz

Die Absage kam am Freitagmorgen per Mail, verpackt in ein langes Statement. Die Kernaussage verbirgt sich weit hinten in der Pressemitteilung der EBAA: "Trotz unserer Bemühungen ist deutlich geworden, dass das Format der EBACE26 nicht die nötige Dynamik erzeugt hat, um eine tragfähige Ausgabe der Veranstaltung zu gewährleisten. Daher hat die EBAA die verantwortungsvolle und transparente Entscheidung getroffen, die EBACE26 abzusagen, die vom 2. bis 4. Juni 2026 in Genf stattfinden sollte." Der europäische Interessenverband habe in den vergangenen Jahren gezielte Schritte unternommen, um die EBACE als Reaktion auf Markterwartungen und direktes Feedback der Branche neu zu gestalten. Die Ausgabe 2025 habe die "erste sichtbare Phase dieser Bemühungen markiert" – der Fokus lag nach eigener Aussage auf dem B2B-Wert der Veranstaltung. Anders gesagt: 2025 kamen weder Jets noch Turboprops nach Genf, stattdessen fand die einst große Messe erstmals ohne Static Display nur noch in einer einzigen Halle als Networking-Treffpunkt mit Konferenzen statt.

Ein Bekenntnis zur Zukunft von Europas einst führender Messe für Business Aviation sucht man im EBAA-Statement vergebens. Stattdessen möchte man sich auf die Interessenvertretung konzentrieren: "Die European Business Aviation Association (EBAA) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschäftsluftfahrt in Europa zu vertreten, zu unterstützen und zu stärken. Als Branchenverband ist es die Mission der EBAA, ein verantwortungsbewusstes und nachhaltiges Wachstum der Geschäftsluftfahrt zu fördern, die Vernetzung zu verbessern und im Namen unserer Mitglieder neue Möglichkeiten in der Branche zu schaffen. Zu diesem Zweck bringt der Verband die Branche zusammen, vertritt ihre Interessen und sorgt dafür, dass die Geschäftsluftfahrt in den politischen, regulatorischen und öffentlichen Debatten, die ihre Zukunft prägen, richtig verstanden und wirksam vertreten wird."

Der Weg in die Bedeutungslosigkeit

Überraschend kam die Absage nicht. Der Wendepunkt in der Geschichte der EBACE kam während der Corona-Pandemie, als die Messe erstmals digital stattfand. Im Herbst 2024 hatte die US-amerikanische Partnerorganisation NBAA die Zusammenarbeit gekündigt – somit stand die EBAA vor der Aufgabe, die Messe allein zu organisieren. Das Ergebnis war die EBACE25, die erstmals ohne Static Display stattfand und sich stattdessen als B2B-Treffpunkt zum Netzwerken etablieren sollte. Schon während der Messe machten im Palexpo erste Gerüchte über einen Standortwechsel die Runde. Weg aus dem teuren Genf sollte es gehen, stattdessen hin zu neuen, wechselnden Standorten in ganz Europa, mutmaßte die Community. Eine offizielle Erklärung der EBAA erschien Ende Juli 2025: 2026 wolle man noch eine Runde in Genf austragen, dann solle die Messe im Zweijahres-Rhythmus zwischen europäischen Städten und Genf in der Schweiz pendeln. Welche Städte das sein sollten, wurde nicht verraten. Der ehemalige GBAA-Generalsekretär Holger Kramer hatte im Zuge der Umwälzungen seinen Posten geräumt. Schließlich kündigte die EBAA an, die 2026er-Auflage der EBACE wieder in alter Größe aufzuziehen. Ein neues Team wurde vorgestellt und das Static Display sollte an einem neuen Standort am Genfer Flughafen mehr Privatsphäre für VIPs bieten – letzteres könnte die Konsequenz einer von Klimaaktivisten initiierten Störaktion während der Show im Mai 2023 sein. Zudem lockten die Veranstalter die Aussteller mit günstigeren Preisen als bisher. Im Januar 2026 dann der nächste Move: Die EBACE wurde aus nicht genannten Gründen um eine Woche von Ende Mai auf Anfang Juni verschoben. Im April 2026 erfolgte jetzt also die Absage, wenige Wochen vor Veranstaltungsbeginn, wo vermutlich schon viele Hotelzimmer, Flüge und Messebau-Unternehmen gebucht waren…

Einen Anhaltspunkt für die Gründe liefert die EBAA dann doch: "Diese Veränderungen spiegelten nicht nur das Engagement der EBAA für die Messe wider, sondern auch die Erkenntnis, dass sich das Umfeld verändert hatte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Marktdynamik weiter, die Teilnahmemodelle verschoben sich und der Wettbewerb in der Veranstaltungslandschaft nahm zu." Hier könnte des Pudels Kern liegen: Möglicherweise ist dies eine Anspielung auf die AERO in Friedrichshafen, die sich längst als neuer Treffpunkt für die Business Aviation etabliert hat. Der zeitliche und geografische Abstand zwischen den beiden Messen ist vermutlich zu klein, um die Aussteller zu zwei kostspieligen und personalintensiven Messeauftritten so kurz hintereinander zu bewegen.

Jürgen Wiese, Vorsitzender der EBAA, ließ in einem Statement eine Hintertür für künftige Veranstaltungen offen: "Die EBACE war in der Vergangenheit ein wichtiger Faktor zur Unterstützung dieser Mission, doch das Format muss den tatsächlichen Bedürfnissen und Wertvorstellungen des Marktes und unserer Mitglieder entsprechen. Gemeinsam mit unseren Mitgliedern werden wir auch in den kommenden Jahren die richtigen Plattformen und Ansätze gestalten, um die Branche zu unterstützen."