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Afghanistan-Konferenz 2011

Der Jet-Gipfel

Seltene VIP-Flugzeuge aus aller Welt brachten 2011 die Delegierten der Bonner UN-Konferenz zur Zukunft Afghanistans zum Köln Bonn Airport.

Wo kann man in unseren Gefilden eine klassische, dreistrahlige Tupolew Tu-154M der Regierungsstaffel Rossija mit ihrem typischen tiefen Heulen, einen seltenen Airbus A321 der iranischen Regierungsflieger und eine Jakowlew Jak-40 in der exotischen Frachter-Kombiversion der tschechischen Luftwaffe zugleich sehen und hören? In Köln/Bonn beim Afghanistan-Gipfel der Vereinten Nationen am 5. Dezember. Zehn Jahre nach der ersten Petersberg-Konferenz war die UN- und Bundesstadt erneut Gastgeberin einer Tagung zur politischen Zukunft Afghanistans. Vom UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon über US-Außenministerin Hillary Clinton bis hin zu Afghanistans Präsident Hamid Karzai reichte die Liste der Teilnehmer, die mit einer bunten Flotte von Regierungsjets und Geschäftsreiseflugzeugen teilweise schon Tage zuvor am Rhein eintrafen.

Präsident Karzai durfte per Ausnahmegenehmigung sogar mit einem Airbus A310-304 der afghanischen Fluggesellschaft Ariana anreisen, obwohl die Europäische Union laut ihrer aktuellen „Schwarzen Liste“ vom 23. November 2011 allen Fluggesellschaften Afghanistans darunter Ariana, Kam Air, Pamir Airlines und Safi Airways, aus Gründen der Flugsicherheit für kommerzielle Flüge derzeit den Einflug verwehrt. Politische VIPs reisen dagegen mit einer „Diplomatic Clearance“ als Staatsflug an und genießen Sonderrechte. Karsais A310 ist zudem als TC-SGC türkisch registriert und durch Ariana von der türkischen Saga Airlines geleast. Eine besondere Behandlung der Staatsgäste wurde auch wegen der erhöhten Sicherheitsstufe nötig. Aus Angst vor Anschlägen wurden die über 1000  Konferenzteilnehmer von über 4000 Polizisten auf ihrem Weg zum Hauptkonferenzort am World Conference Centre Bonn (WCCB) im Bonner Regierungsviertel und zum Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn streng abgeschirmt. Die meisten der über 100 Kolonnenfahrten fanden auf gesperrten Autobahnen statt. Die wichtigsten Gäste wurden sogar von der Bundespolizei per Hubschrauber transportiert oder wenigstens eskortiert. Genauere Angaben machten die Sicherheitsbehörden nicht.

Auf dem Köln Bonn Airport warteten die oft nur bei winterlichem Restlicht und zu unchristlichen Zeiten einschwebenden VIPJets derweil gut bewacht im militärischen Flughafenbereich bei der Luftwaffe. Dort wurden sie auf den weitläufigen Vorfeldern und Abstellpositionen geparkt, darunter die entlegene und deshalb bei den Fotofans besonders unbeliebte „Zulu-Platte“.

Regierungsjets fliegen auch in regulären Airline-Farben

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US-Außenministerin Hillary Clinton nutzte für ihre Reise eine Boeing C-32A, das ist die militärische Bezeichnung der Boeing 757-2G4, in amerikanischer Staatslackierung. Dieses Flugzeug mit der 757-Baunummer 787 und der Seriennummer 29026 war im April 1998 zum Erstflug gestartet. Der 89th Airlift Wing auf der Andrews Air Force Base vor den Toren Washingtons betreibt vier Flugzeuge dieser Ausführung mit Zusatztanks im Frachtraum. Sie verleihen dem Flugzeug eine transatlantische Nonstop-Reichweite. Jeweils zwei C-32A können durch spezielle Kabinenrüstsätze in VIP-Flugzeuge mit Salon und Konferenzraum verwandelt werden und bieten dann 45 Passagieren und 16 Besatzungsmitgliedern Platz. Normalerweise benutzen die US-Außenministerin und der US-Vizepräsident diese Ausführung. Die Flugzeuge verfügen über abhörgeschützte Satellitenkommunikationseinrichtungen und über zwei große Küchen. Das neueste Flugzeug unter den VIP-Jets dürfte die Regierung des Oman genutzt haben, einen Airbus A320-214 mit der Bordnummer 556 der Royal Air Force of Oman. Der Zweistrahler mit der Werknummer MSN 4795 hatte am 27. Juli 2011 seinen Erstflug und ist erst am 10. September 2011 ausgeliefert worden. Als EP-AGB zivil zugelassen ist dagegen der schon seit 2005 bekannte Airbus A321-231 der Islamic Republic of Iran, der in einer eigenen Staatslackierung verkehrt. Aus Lärmschutzgründen sieht man die klassische Tupolew Tu-154 nur noch sehr selten im Westen. Zwar könnte man jüngere Tu-154M mit Zusatzschalldämpfern nachträglich auf Stage-IV-Lärmstandards bringen, die Europäische Union erlaubt dieses Hilfsmittel aber nicht. Die Regierungsfliegerstaffel der staatlichen russischen Fluggesellschaft Rossiya Airlines soll noch ein halbes Dutzend Tu-154M aktiv betreiben.

Regierungsflieger im Kleid einer Airline kamen auch aus dem Emirat Katar nach Köln/Bonn: Qatar Amiri Flight, die Flugstaffel des Emirs von Katar, reiste mit dem Bombardier Global Express A7-AAM an. Er trägt die Farben von Flag Carrier Qatar Airways. Als einziges Land der Welt betreibt Katar sogar eine Boeing C-17 in ihren Airline-Farben, die als A7-MAB sogar zivil registriert ist.

Ein VIP-Flugzeug fehlte: „Pak One“, so lautet das Rufzeichen des VIP-Flugzeugs des pakistanischen Premierministers, einer cremefarben lackierten Gulfstream GIV-SP mit der militärischen Registrierung J-755. Pakistan hatte seine Teilnahme am Bonner Treffen aus Protest gegen einen NATO-Angriff auf einen pakistanischen Militärposten kurzfristig abgesagt. Deshalb endete diese Bonner Konferenz ohne bahnbrechendes politisches Ergebnis. Dafür kamen wenigstens die Spotter auf ihre Kosten.

FLUG REVUE Ausgabe 02/2012

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