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Angepasster Zeitplan

Die erste MS-21 soll 2021 in Dienst gehen

Die Corona-Pandemie hat auch in Russlands Luftfahrt einiges durcheinandergewirbelt. Das neue Verkehrsflugzeug der Russen, die Irkut MS-21, wird in diesem Jahr nicht mehr zugelassen. Trotzdem soll die erste Serienmaschine bis Ende 2021 den Linienbetrieb aufnehmen.

Die Irkut MS-21 leidet unter Corona: Die Zulassung des Leuchtturmprojekts für Russlands Luftfahrtindustrie ist durch die Pandemie ins Stocken geraten. Testflüge konnten nicht wie geplant stattfinden, sowohl die russische Zulassungsbehörde Rosaviatsija als auch die europäische EASA werden dieses Jahr für die MS-21 kein grünes Licht mehr erteilen.

Patrick Zwerger
Die MS-21 spielt in derselben Liga wie der Airbus A320neo oder die Boeing 737 MAX.

"Haben mehrere Monate verloren"

Zumindest für den russischen Markt soll sich das 2021 ändern – und zwar schnellstmöglich. Denn Russlands Industrie- und Handelsminister Denis Manturow will die ersten MS-21 noch im kommenden Jahr im Liniendienst sehen: "Die Situation mit Covid-19 hat die Durchführung von Zertifizierungsflügen wirklich beeinflusst, wir haben mehrere Monate verloren", so Manturow im Interview mit der Tageszeitung Iswestija. "Aber bis jetzt erwarten wir, dass die Auslieferung von Flugzeugen an die ersten Kunden bis Ende 2021 erfolgen wird." Man habe hierfür einen neuen Zeitplan, der an die Pandemie-Lage angepasst worden sei.

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Im Sommer unterzog Irkut in Uljanowsk einen MS-21-Prototypen Spritzwassertests.

Superjet-Dilemma als Lehre

Erster Abnehmer der MS-21 wird laut Manturow die Aeroflot-Gruppe sein. Ob die Flugzeuge dann direkt an Aeroflot-Tochter Rossija gehen, die laut Strategie künftig speziell mit Flugzeugen russischer Bauart operieren soll, ließ Manturow offen. Allerings machte der Minister klar, dass zunächst vorrangig der heimische Markt beliefert werden soll, bevor auch Exporte ins Auge gefasst werden. Auf diese Weise möchte man in Russland Probleme, wie sie bei der Einführung des Suchoi Superjet auftauchten, schon im Vorfeld vermeiden. "Damals haben wir uns verbrannt, weil wir es nicht geschafft haben, unseren Service-Centern eine ausreichende Menge an Ersatzteilen zur Verfügung zu stellen", blickt Manturow zurück. Daraus habe man jedoch gelernt und entsprechend vorgesorgt.

Russland zuerst

Laut Manturow liegen derzeit 170 Bestellungen für die MS-21 vor, von denen "mindestens 50" für Aeroflot bestimmt sind. "Der Rest der Bestellungen – unterschiedlich in Menge und Konfiguration – wird über Leasingunternehmen an andere russische Fluggesellschaften, einschließlich Red Wings, verteilt", so Manturow weiter. Die maximale Fertigungsrate peilte Hersteller Irkut zuletzt langfristig mit 72 MS-21 pro Jahr an. Bis mögliche Exportkunden ihre Jets erhalten, wird also so oder so noch Zeit ins Land ziehen.