Statt 2,6 Prozent mehr Passagieren, wie im 1. Halbjahr 2025, sei das deutsche Passagieraufkommen im 1. Halbjahr 2026 um 0,8 Prozent oder 750.000 auf 97,7 Mio. Fluggäste gesunken. Damit falle Deutschland beim Luftverkehr im europäischen Vergleich weiter zurück. Das hiesige Aufkommen liege nur bei 85 Prozent des Aufkommen vor Corona. Der Rest Europas sei dagegen im Durchschnitt auf 111 Prozent des Aufkommens vor der Pandemie gewachsen. Gemeinsam mit Island und Österreich liege Deutschland nun mit realen Rückgängen am Ende der EU-Vergleichsskala. Dagegen wachse das Aufkommen in Staaten wie Polen (18 Prozent), Rumänien (15 Prozent) oder Dänemark (10 Prozent).
Bisherige Luftverkehrssteuer-Senkung hilft nicht viel
Haupthindernis beim Anschluss Deutschlands an die anderen EU-Staaten sei das einseitig hohe Kostenniveau in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2026 sei hier Luftverkehrssteuer in Höhe von 1,9 Mrd. Euro erhoben worden, Luftsicherheitsgebühren in Höhe von einer Mrd. Euro und Flugsicherungsgebühren in Höhe von 1,1 Mrd. Euro. Die Entlastung durch den Verzicht auf eine ursprünglich geplante, weitere Erhöhung der Luftverkehrssteuer falle nur mit 300 Mio. gesparten Euro im Halbjahr zu Buche.
"Die Entlastungen reichen nicht zum Umsteuern", sagte der neue BDL-Präsident, Düsseldorfs-Flughafenchef Lars Redeligx. "Unsere Branche durchfliegt schwere Turbulenzen. Der Nahostkonflikt trifft alle Akteure im Luftverkehr. Zwar ist die Kerosinversorgung vorerst gesichert – aber die Kosten bleiben hoch. Wichtige Lufträume sind gesperrt. Und in Deutschland trifft diese Entwicklung auf die weiterhin überdurchschnittlich hohen staatlichen Standortkosten", sagte Redeligx. "Wir müssen jetzt die Voraussetzungen für neues Wachstum schaffen."
Laut BDL lenkten die Airlines ihre Flüge aus dem als zu teuer empfundenen Markt Deutschland in andere europäische Staaten um und stationierten ihre Flugzeuge an billigeren EU-Standorten. Dies könne pro Flugzeug und Jahr für eine Airline Einnahmeunterschiede in Millionenhöhe bewirken.
Weniger Flüge und weniger Routen
Seit 2019 sei das deutsche Flugangebot auf 567 Routen reduziert worden. Seitdem seien 350.000 Flüge entfallen. Beispielsweise habe der Flughafen Berlin Brandenburg gegenünber 2019 vier Interkontinentalverbindungen, sechs innderdeutsche Strecken und 65 Europastrecken verloren. Hoffnungsschimmer gebe es bei der Luftfracht, die dabei allerdings auch von krisenbedingt veränderten Frachtströmen am Golf profitiere und, im Passagierverkehr, im gesamten Bereich Ferienflug. Laut BDL beweise das Beispiel Schweden, wie der Luftverkehr seit der dortigen Abschaffung der Luftverkehrssteuer sofort wieder zu wachsen beginne.
Laut BDL drohe für die Sommerferien und danach keine Kerosinknappheit in Deutschland. Die gestörten Tanker-Transportwege am Golf führten aber auch bei uns zu steigenden Kerosinpreisen.





