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Patrick Zwerger
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Die Chancen steigen: wann kommt der A350-Frachter?

Die Chancen steigen Wann kommt der A350-Frachter?

Die Krise treibt die Nachfrage nach leistungsfähigen Frachtflugzeugen an. Airbus und Boeing sehen ein Absatzpotenzial von mehreren Hundert Einheiten über die nächsten 20 Jahre. Neue Modelle könnten das stagnierende Großraumgeschäft wieder in Schwung bringen.

Qatar Airways würde direkt zuschlagen. Sein Unternehmen sei jederzeit zur Vergabe von Aufträgen für A350F oder 777XF bereit, sagte Airlinechef Akbar Al-Baker der Nachrichtenagentur "Bloomberg". Zwar existieren beide Frachter bisher nur auf dem Papier. Das könnte sich allerdings bald ändern. "Die Kunden machen Druck", sagte Airbus Europa-Vertriebschef Wouter Van Wersch laut "Simpleflying.com" vergangene Woche auf dem russischen Aviasalon MAKS 2021. Daher befasse sich Airbus derzeit mit einer Frachtversion der A350.

Hybrid aus A350-900 und A350-1000

Nach Informationen aus Airbus-Kreisen hat der Hersteller potenzielle Kunden bereits eng in die Planungen einbezogen – und Eckpunkte des Designs festgelegt. Das Flugzeug wird höchstwahrscheinlich Elemente der A350-900 und A350-1000 vereinen. Nach Informationen des Fachmagazins "Aviation Week" will Airbus eine "A350-950F" gegenüber der A350-900 um 3,35 Meter auf 70,10 Meter strecken, dafür im Vorderrumpf ein neues Zwischensegment mit Frachttür einsetzen und die Struktur verstärken. Der Frachter bliebe damit 3,70 Meter kürzer als die A350-1000, soll vom Topmodell aber die leistungsstarken Rolls-Royce Trent XWB-97 Triebwerke und die verstärkten Hauptfahrwerke mit jeweils sechs Rädern übernehmen.

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A350F gegen 777XF

Insider veranschlagen bis zu drei Milliarden US-Dollar für die Entwicklung – Airbus müsste 50 Flugzeuge verkaufen, damit sich das Programm rechnet. Von der A330-200F – dem letzten neuen Airbus-Frachterprogramm – setzte Airbus nur 38 Flugzeuge ab. Eine A350-950F würde allerdings mit über 80 Tonnen Maximalzuladung in einer anderen Liga spielen. Airbus will das nach der Krise vielversprechende Frachterfeld zudem nicht allein Boeing überlassen. "Wir sind im Frachtermarkt unterrepräsentiert", räumte Airbus-Verkaufschef Christian Scherer im Juni ein. Immerhin hat man in Toulouse selbst ein Absatzpotenzial von 350 neuen Frachtern verteilt über die nächsten 20 Jahre errechnet, Boeing setzt die kalkulierte Nachfrage sogar noch 100 Flugzeuge höher an.

Belebung des Widebody-Sektors?

Laut Konzernkreisen arbeitet Boeing ebenfalls intensiv an einem neuen Frachter auf Basis der 777-8. Boeing braucht in absehbarer Zeit ohnehin neue Produkte im Frachtermarkt. Die Produktion der 747-8F endet 2022. Strengere Emissionsauflagen dürften spätestens 2027 das Ende der 777F und 767F bedeuten. Frachtversionen könnten den Programmen A350 und 777X zudem neue Impulse geben. In der Krise war die Nachfrage nach Großraumflugzeugen drastisch eingebrochen – Airbus fährt die A350-Produktion nur zaghaft wieder hoch.