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Wo die Fraport AG überall die Finger im Spiel hat

Der Frankfurter Marionettenspieler Wo die Fraport AG überall die Finger im Spiel hat

Die Pandemie hat den Frankfurter Flughafen kalt erwischt. Trotzdem sieht der Finanzvorstand der Fraport den Konzern in einer guten Position – und erwartet schwarze Zahlen vor Steuern. Denn das große Geld verdient die Fraport im Ausland – nur wo eigentlich?

Das Jahr 2019 war für Hessens Tor zur Welt ein Rekord durch und durch: Mehr als 70 Millionen Passagiere flogen ab Frankfurt am Main und bescherten der Konzerngesellschaft Fraport neue Höhenflüge. Der tiefe Fall folgte jedoch prompt und katapultierte Hessens Jobmaschine Nummer 1 – zumindest nach Passagierzahlen – zurück ins Jahr 1980. Nur eine Million mehr Fluggäste zählte das Unternehmen an seinem Heimatstandort 2020 als in dem Jahr, als Ronald Reagan die Präsidentschaftswahl in den USA gewann, Bündnis 90/Die Grünen sich gründeten und der erste Golfkrieg begann. Trotzdem blickt das Unternehmen optimistisch in die Zukunft und sieht sich gut aufgestellt für einen baldigen Re-Start, besonders dank der zuletzt intensivierten Auslandsaktivitäten. Was einst kritische Stimmen hervorrief, zahlt sich wohl in Zukunft als echter strategischer Glücksgriff aus. Doch wo überall zieht Fraport im Hintergrund die Strippen?

Das Business-Drehkreuz Frankfurt und seine Ferien-Geschwister

Der Ursprung aller Expansion liegt am Main. Das Herzstück der Konzerngesellschaft in Frankfurt ist auf den Geschäftsreiseverkehr spezialisiert und hat es dadurch in der Pandemie besonders schwer. Während der Ferienverkehr in einige Gebiete schon merklich anzieht, bleibt ungewiss, ob sich die "New Work World" in den vergangenen 15 Monaten nicht zu gut an Videokonferenzen und digitales Home Office gewöhnt hat. Zusätzlich wird im Süden des Flughafens aktuell noch fleißig am neuen Terminal 3 gebaut, dessen Eröffnung Entspannung in die überfüllten Hallen der nördlichen Terminalanlagen bringen sollte. Wartete man Anfang 2021 gerade auf das Boarding einer der wenigen Abflüge ab Frankfurt und scrollte durch Presseberichtete des Aprils 2019, wirkte das damalige Sehnen nach Entlastung wie vorausschauende Satire. Darin hat sich bis jetzt nicht allzu viel geändert, auch wenn der Trend wieder stark nach oben zeigt.

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Griechenland, Balkan, Türkei

Besser sieht es für die griechischen Beteiligungen aus. Die Fraport ist an allen 14 Regionalflughäfen Griechenlands beteiligt, die schon vor der Pandemie Millionen Reisende für die Strände des Mittelmeeres empfangen haben. Grundlage dafür ist ein Deal mit der Regierung in Athen aus dem Jahr 2014, nach welchem Fraport gemeinsam mit der Copelouzos Group den operativen Betrieb an den griechischen Standorten für die nächsten 40 Jahre übernimmt und im Gegenzug 73,4% der Anteile erhält. Grundeigentümer bleibt jedoch weiterhin der griechische Staat.

Flo Weiss // Wikimedia Commons // CC BY-SA 4.0
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Auch auf dem Balkan ist der hessische Konzern dick im Geschäft. Am internationalen Flughafen der slowenischen Hauptstadt Ljubljana hält die Fraport seit einer Anteilsaufstockung im März 2015 alle Anteile und betreibt den Airport seitdem unter einem neuen Branding und der Marke Fraport. Trotz der anhaltenden Krise und dem Aus der Nationalairline Adria Airways im letzten Jahr hat der Flughafen zu Beginn des Monats sein neues, modernes Terminal eröffnet, das in Zukunft Kapazität für bis zu 1.200 Passagiere pro Stunde bieten soll.

Bdx // Wikimedia Commons // CC BY-SA 4.0
Als die Nationalairline noch flog: Adria Airways war fester Bestandteil am Flughafen von Ljubljana.

Antalya ist die Goldgrube der deutschen Pauschalreiseanbieter. Im vergangenen Jahr reisten fast zehn Millionen Passagiere über den Airport an der Südküste der Türkei. Zwar brachen die Flugbewegungen mit dem Beginn der Pandemie fast vollständig ein, jedoch zeichnete sich bereits zum Sommer 2020 eine Erholung ab. Seit September 2009 betreibt die türkische Tochtergesellschaft der Fraport das nationale sowie beide internationale Terminals des Flughafens und besitzt 51% Stimmrechtsbeteiligung.

Mykhailo Slupitskyi // Wikimedia Commons // CC BY-SA 4.0
Charakteristischer Wasserfall im Anflug: Weht der Wind aus Landrichtung, wird in niedriger Höhe die Küste überflogen.

Investitionen am Goldstrand

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen musste sich Fraport im Jahr 2006 stellen, um der Betreibergesellschaft des Kopenhagener Flughafens nicht zu unterliegen. Die Regierung Bulgariens hatte sich aufgrund des zukünftig zu erwartenden Investitionsbedarfs für eine Privatisierung der Flughäfen in Varna und Burgas entschieden. Fraport erhielt den Zuschlag für den Betrieb der beiden Tourismusziele für die nächsten 35 Jahre und hält seitdem 60% der Anteile. Seit die Frankfurter am Goldstrand eingestiegen sind, werden fleißig Investitionen in die Erneuerung der veralteten Airports getätigt: So wurde im Jahr 2012 die Sanierung der Start- und Landebahn fertiggestellt und nur ein Jahr später ging das neue Terminal in den Betrieb.

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Bunt und neu: Das Terminal in Varna nach seiner Fertigstellung.

Fraport in Sankt Petersburg

Auch an der Ostachse Europas ist Fraport vertreten. Gemeinsam mit anderen Beteiligungsgesellschaften betreiben die Hessen im Konsortium anteilig den Flughafen Pulkowo in Sankt Petersburg. Durch Zurückgreifen auf das Know-How der Fraport in den Bereichen Projektmanagement und Terminal-Inbetriebnahme konnte im Jahr 2013 das neue Terminal 1 ans Netz gehen. Genau wie die nur wenige Monate zuvor eröffneten Terminalneubauten in Burgas und Varna konnten laut Unternehmensangaben auch hier zuvor festgelegte Zeit- und Budgetplanungen eingehalten werden.

RussianTrooper // Wikimedia Commons // CC0 1.0
Untypische Weltregion für deutsche Luftfahrtunternehmen: Auch in Sankt Petersburg ist Fraport vertreten.

Stern-Abräumer in Südamerika

Lima, die Hauptstadt Perus, liegt aus der Luftperspektive auch in festen Händen der Frankfurter. Im Verbund mit zwei Kapitalunternehmen betreibt die Fraport seit der Privatisierung im Jahr 2001 das Drehkreuz an der südamerikanischen Küste und investiert umfassend in dessen Erneuerung und Ausbau. So wurde seit der Übernahme in zwei Bauetappen jegliche Flughafeninfrastruktur erneuert. Der Airport hat neue Terminals mit Fluggastbrücken, eine neue Shopping-Meile sowie einen grundlegend modernisierten Tower und ein neu erneuertes Vorfeld erhalten. Für die Zukunft ist der Bau einer zweiten Start- und Landebahn geplant. All diese Investitionen machen sich im Skytrax Rating bemerkbar: 2014 wurde der Flughafen bereits zum sechsten Mal zum Besten seiner Art in Südamerika ausgezeichnet.

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Im Mai 2019 erhöhte Fraport nochmals die Beteiligung am Flughafen der Haupstadt Perus: Sie liegt nun bei 90%.

Familiärer, aber genauso investitionsfreudig geht es an zwei Regionalairports in Brasilien zu. Als alleiniger Betreiber des Flughafens Fortaleza ist die Fraport auch an der Ostküste des südamerikanischen Kontinents vertreten. Zu Jahresbeginn 2018 übernahm der hessische Konzern den brasilianischen Airport und verpflichtete sich, die Investitionsbemühungen des Vorgängers fortzuführen, die eine umfassende Modernisierung des Terminals sowie eine Verlängerung der Piste umfassen. Unter Zahlung von rund 71 Millionen Euro erhielt Fraport im Gegenzug die alleinige Betriebsgarantie für die nächsten 30 Jahre.

ME/Portal da Copa // Wikimedia Commons // CC BY 3.0
Historische Bedeutung: Im Zweiten Weltkrieg fungierte der Flughafen Fortaleza als Stützpunkt der Alliierten für die Operationen im Südatlantik.

Der Regionalflughafen Porto Alegre, gelegen an der östlichen Südspitze Brasiliens, wird seit Beginn 2018 ebenfalls durch die Fraport betrieben und hat eine Verlängerung der Piste auf 3.200 Meter spendiert bekommen, wodurch der Flughafen nun auch von Langstreckenjets angesteuert werden kann. Der, aufgrund der notwendigen Umsiedlung von rund 5.000 Anwohnern stark kritisierte, Pistenausbau soll Ende diesen Jahres abgeschlossen werden.

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Im Oktober 2010 wurde zwar bereits das seit fast zehn Jahren stillgelegte Terminal 1 reaktiviert, trotzdem operiert der Flughafen konstant an seiner Kapazitätsgrenze: Porto Alegre wächst stetig.

Zurückhaltung in Asien

Auch in östlicher Himmelsrichtung hinterlässt Fraport seine Spuren. In Form von Minderheitsbeteiligungen verantwortet der Konzern den Betrieb des Indira Gandhi Airport in Delhi sowie des Xi’an-Xianyang Airports mit. Während an ersterem das Unternehmen nur 10% der Anteile hält, ist der deutsche Flughafenkonzern in China schon zu einem guten Viertel beteiligt.

Xiaotong Gao // Wikimedia Commons // CC BY-SA 3.0
Gezeichnet im Nebel: Der Xi'an Xianyang International Airport im Fog der Großstadt.

Fazit

Ein deutscher Flughafenbetreiber mit Airports in aller Welt: Was für Branchenfremde wie eine größenwahnsinnige Expansionsgier klingt, hat sich für den hessischen Konzern in der Pandemie ausgezahlt. Durch flachere Wertschöpfungsketten und schnellere Markterholungen im Ausland können die finanziellen Einbußen am Heimatflughafen mit internationalen Umsätzen ausgeglichen werden und mildern die durch Corona verursachten Turbulenzen für den Konzern ab. Ob das Unternehmen in Zukunft in weitere Flughäfen investieren wird, bleibt offen – undenkbar ist es sicherlich nicht.