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"Anomalie" im Kompressor

Triebwerksprobleme bremsen Boeing 777X aus

Foto: Boeing

Der für Ende Juni geplante Erstflug der Boeing 777X könnte sich erneut verzögern. Offenbar machen dem Riesen-Twinjet Probleme mit den neuen GE9X-Turbofans zu schaffen. Dadurch gerät auch die für Mitte 2020 vorgesehene Indienststellung des Flugzeugs in Gefahr.

Der größte Zweistrahler der Welt hinkt seinem ursprünglichen Terminplan schon seit geraumer Zeit hinterher. Eigentlich hätte die Boeing 777X bereits 2018 erstmals fliegen sollen, doch bis dato hat sie es lediglich vom Endmontage-Hangar aufs Vorfeld des Boeing-Flughafens Paine Field in Everett geschafft. Zwei Prototypen absolvieren dort gerade Tank- und Systemtests, der erste der Beiden soll laut neuesten Planungen von Boeing Ende Juni zum Jungfernflug starten. Emirates-Chef Tim Clark nannte kürzlich konkret den 26. Juni als Erstflugdatum.

„Anomalie im Kompressor“ des GE9X

Doch daraus könnte abermals nichts werden: Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, plagen die Projektverantwortlichen nach wie vor Probleme mit dem Antrieb der 777X. Das speziell für den Riesen-Twin entwickelte GE9X, mit 4,4 Metern Fandurchmesser das größte Triebwerk der Welt, stelle die Ingenieure vor diverse Herausforderungen, an denen aktuell noch gearbeitet werde, sagte Boeings Finanzchef Greg Smith zu Reuters: „Wir müssen ein paar Tests wiederholen, aber wir arbeiten uns durch.“ Ted Ingling, bei General Electric (GE) für das GE9X-Programm verantwortlich, sprach gegenüber dem Fachportal Aviation Week von einer „Anomalie im Kompressor“, die bei einem Praxistest aufgetreten sei: „Ein Triebwerk hat uns beim Testen ein Warnsignal gesendet und wir haben den Test daraufhin abgebrochen.“ Untersuchungen seien im Gange. Klar ist laut Ingling, dass es sich um ein mechanisches Problem vor dem elfstufigen Hochdruckkompressor handle, das jedoch nichts mit der generellen Konstruktion des GE9X zu tun habe. Es sei allerdings „noch zu früh, um zu sagen, wie sich dies auf den Flugtestplan auswirken wird.“ Ob sich der von Boeing anvisierte Erstflugtermin Ende Juni noch halten lässt oder abermals nach hinten korrigiert werden muss, ist damit offen.

Auslieferungstermin ist bereits jetzt kaum zu halten

Bei den Airlines mehren sich unterdessen aber die Befürchtungen, dass es mit der für Juni 2020 geplanten Auslieferung der ersten Serien-777X nichts werden wird. So rechnen einem Artikel des Wall Street Journal zufolge sowohl Lufthansa, Launch Customer für die 777-9, als auch Emirates, größter 777X-Kunde, mit weiteren Verzögerungen. Zwar erklärte Boeing-Mann Greg Smith jüngst, dass die Inbetriebnahme 2020 „immer noch die aktuelle Annahme“ sei, und auch Boeings Chef Dennis Muilenburg hält öffentlich an dieser Vorgabe fest.

Allerdings dürfte sich der Zulassungsprozess, der laut Reuters auf mindestens 14 Monate angesetzt ist, in der Tat kaum nennenswert verkürzen lassen. Dies umso weniger, da sowohl Boeing als auch die US-Zulassungsbehörde FAA vor dem Hintergrund des Dilemmas mit der Boeing 737 MAX sicher keine weiteren Skandale riskieren möchten. Das Zeitfenster zwischen Erstflug und geplanter Indienststellung Mitte 2020 wird für Boeing also mit jedem Tag geringer. Reuters rechnet deshalb, unter Bezugnahme auf Branchenkreise, frühestens „gegen Ende 2020“ mit der Auslieferung der ersten Serienmaschinen – die Lieferung könne sich aber auch auf 2021 verzögern.

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