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Everett oder Charleston?

Boeing erwägt, eine der beiden 787-Endmontagen zu schließen

US-Branchenriese Boeing untersucht angesichts sinkender Produktionsraten, ob eine der beiden Dreamliner-Endmontagelinien geschlossen werden soll. Zur Auswahl stehen die Werke in Everett und Charleston.

Bei Boeing laufe derzeit eine Studie, welcher der beiden Standorte Everett oder Charleston die 787-Endmontage verlieren solle, meldete erstmals die Zeitung "Seattle Times" aus Seattle. Der Hersteller wolle aus Kostengründen die Endmontage des Dreamliners an einem einzigen Standort bündeln. Bei einer auf derzeit nur noch sechs 787 pro Monat gesunkenen Produktionsrate lohne sich die Aufrechterhaltung zweier Linien nicht mehr. Jede der beiden bisherigen Endmontagelinien schafft bis zu acht Flugzeuge der Dreamliner-Familie im Monat.

Die 787-Endmontagelinie in Everett befindet sich am größten Standort der Verkehrsflugzeugsparte von Boeing, an dem auch alle 767/KC-46, 747 und 777 gebaut werden. Das Werk Charleston im Bundesstaat South Carolina wurde dagegen an der US-Ostküste neu gebaut und fertigt nur die 787. Dieses Werk baut und montiert auch 787-Rümpfe und ist bisher der einzige Standort, der auch die größte Dreamliner-Version 787-10 bauen kann. Auch Boeings Spezial-Transportflugzeug Dreamlifter schafft es nicht, deren besonders lange, mittlere Rumpfsektion aufzunehmen. Bei einer Entscheidung für Everett müsste hier für die 787-10-Rumpfmontage nachgerüstet werden.

Für die Boeing-Entscheidung eine Rolle spielt auch, dass in Charleston, im strukturschwachen Südosten der USA, kein gewerkschaftlich organisiertes Personal vorgeschrieben ist, wie in Seattle. Das senkt für Boeing die Personalkosten gegenüber dem zudem relativ hoch besteuernden Bundesstaat Washington an der Pazfikküste.

Dafür sitzt direkt in Everett und Seattle die Boeing-Entwurfsabteilung und 30.000 erfahrene Boeing-Flugzeugbauer warten auf weitere Beschäftigung. In Everett droht, nach der Verschiebung des Zweistrahlerprojekts "NMA", eine Lücke in der Produktion, die sich durch einen Abzug der 787 verschärfen würde. 2022 endet hier bereits die Fertigung des Jumbo Jets. Die als Nachfolger konzipierte, neue 777X verkauft sich bisher nur schleppend.

Eine wichtige Überlegung soll auch sein, wieviele Flugzeuge die verbleibende, dann einzelne 787-Linie bei einem später erhofften Ansteigen der Produktionsnachfrage bauen könnte und ob man diese Linie bei Bedarf über die bisherigen acht Flugzeuge im Monat hinaus ertüchtigen könnte? Laut "Seattle Times" will Boeing Anfang September eine 787-Standortauswahl verkünden.

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