Jakutsk, im russischen Föderationskreis Fernost gelegen, ist eine Großstadt der klimatischen Extreme. Kurze, aber intensive Sommer bescheren den gut 367.000 Einwohnern Temperaturen deutlich über 30 Grad Celsius – während das Thermometer in den Wintermonaten häufig weniger als minus 50 Grad Celsius anzeigt. Damit ist Jakutsk die kälteste Großstadt der Welt – und im Schnitt nur minimal wärmer als der kälteste dauerhaft bewohnte Ort der Erde überhaupt, das rund 700 Kilometer Luftlinie entfernte Dörfchen Oimjakon.
Der Alltag in solchen latent lebensfeindlichen Regionen stellt an Menschen wie Maschinen besondere Herausforderungen. Das gilt auch für den regionalen Luftverkehr, der im russischen Hinterland allgemein eine herausragende Bedeutung einnimmt, um der Bevölkerung vor Ort den Anschluss an den Rest des Landes zu gewährleisten. Flugzeugmuster, die in dieser klimatischen Extremumgebung funktionieren sollen, müssen daher vorab im Praxistest beweisen, dass sie den rauen Bedingungen gewachsen sind.
Auch für Russlands neues Regionalflugzeug Iljuschin Il-114-300 steht ein Besuch in der Kältekammer von Jakutsk im Lastenheft.

Am Flughafen Jakutsk soll die Il-114-300 zeigen, dass sie am Boden mühelos extremer Kälte trotzt und auch bei minus 40 Grad Celsius anstandslos funktioniert.
"Langstreckenflug" für die Il-114-300
Die Il-114-300 hat zwar bereits alle grundlegenden Leistungen erbracht, die es für die allgemeine Musterzulassung benötigt. Die Nachweise dafür liegen seit Ende 2025 bei der russischen Zivilluftfahrtbehörde Rosawiazija, mit der Zulassung rechnet die staatliche Flugzeugbau-Holding UAC vor Ende des laufenden Quartals. Doch um für den einheimischen Regionalverkehr wirklich Bedeutung zu erlangen, muss die Il-114-300 auch Extremklima anstandslos verkraften.
Anfang Februar schickten die Programmverantwortlichen deshalb einen der beiden aktiven Prototypen auf eine lange Reise Richtung Osten – vom Flughafen Schukowski nahe Moskau über Irkutsk am Baikalsee bis nach Jakutsk. Für die erste Etappe mit Abflug am 6. Februar kurz vor Mitternacht (Ortszeit) benötigte die Iljuschin mit der Testkennung 54116 rund acht Stunden und 30 Minuten. Weitere fünf Stunden und 14 Minuten waren am 7. Februar für den anschließenden Weiterflug zum Ziel nötig.

Die Il-114-300 soll in Russland alte Flugzeuge wie die An-24 (im Hintergrund), aber auch westliche Turboprops wie die Dash-8 und die ATR-72 ersetzen.
Minus 40 Grad erwartet
Dort hieß es für die mitgereiste Crew erst einmal Warten – auf kälteres Wetter: "Heute sind es in Jakutsk 'nur' minus 30 Grad, deshalb warten unsere Spezialisten auf noch stärkere Kälte, um während der Tests die niedrigstmögliche Temperatur zu erfassen", schreibt UAC in einer offiziellen Mitteilung auf Telegram. Schließlich werde die Il-114-300 "genau unter solchen Bedingungen (...) häufig in den Regionen des äußersten Nordens eingesetzt werden."
Tatsächlich erwarten die Wetterdienste für die kommenden Tage genau die Bedingungen, die sich der Flugzeugbau-Konzern und seine Tochter Iljuschin erhoffen: Ab dem 10. Februar sollen die Temperaturen in und um Jakutksk laut Prognosen auf rund minus 40 Grad Celsius sinken – zumindest nachts.





