in Kooperation mit
Airbus

Airbus hält Nurflügler-Passagierflugzeuge bereits für umsetzbar.

Flüssiger Wasserstoff oder Brennstoffzelle Airbus-Chef: Nurflügel-Airliner bis 2035 machbar

Airbus-Chef Guillaume Faury hält für die umweltfreundlicheren Jets der Zukunft den Wasserstoffantrieb und die Nurflüglerform für realistisch umsetzbar. Schon 2035 könnte man im Nurflügler mit Wasserstoffantrieb Passagiere befördern, überschlägt der Konzernchef den Zeitplan.

Guillaume Faury äußerte sich am Dienstag in der Eurocontrol-Gesprächsreihe Straight-Talk über die Zukunft des Luftverkehrs. Nach Einschätzung des Airbus-Chefs dauere es noch etwa fünf Jahre, bis Nurflügler mit Wasserstoffantrieb als technisches Konzept ausgereift seien. Wenn man danach zwei Jahre Vorbereitungszeit für einen Programmstart ansetze, könne man diesen 2027 oder 2028 beschließen und sich dann etwa sieben Jahre für Konstruktion, Erstflug und Zulassung nehmen. Somit wäre eine erste Auslieferung 2035 möglich, sagte Faury.

Einheitliche Zulassungsvorschriften

Für die Umsetzung der Wasserstofftechnik brauche man ein weltweit einheitliches Regelwerk. Hier sei ein ermutigendes Zeichen, dass die USA gerade ins Pariser Klimaabkommen zurückgekehrt seien und dass auch China bis zum Jahr 2060 komplett "carbonneutral" werden wolle. Die Nurflüglerform, sie ist wegen des geringen Strömungswiderstands besonders vorteilhaft, biete sich auch wegen ihres großen Innenvolumens für die sehr großen Wasserstofftanks an, so Faury.

Technisch werde man zunächt flüssigen Wasserstoff in herkömmliche Triebwerke einspritzen. Später sei auch der Umstieg auf Brennstoffzellen möglich, die direkt elektrische Energie erzeugen. Als erste Anwendung des Wasserstoffantriebs kämen Hilfsantriebe (APU) für die Bordsysteme in Frage. Wegen der hohen Hitzeabgabe beim Wasserstoffverbrennen würden völlig neue Kühlsysteme erforderlich.

Neue Flugerfahrung für die Passagiere

Die Airbus-Ingenieure entwickelten bereits Rumpflayouts, die sich an herkömmlichen Flughäfen abfertigen ließen. Dort werde eine neue Infrastruktur für die Wasserstoffbetankung nötig. Auch die Struktur der Zelle und das Reiseerlebnis veränderten sich. Hier müssten noch viele Fragen gelöst werden, vom Sitzen ohne Fenster, über das Boardingtempo, die Gepäckräume bis hin zu den Fluchtwegen. "Aber irgendwann muss man mal anfangen", sagte der Airbus-Chef.

Flankiert sieht er den Einsatz der neuen Jets von einer besseren, auch stärker automatisierten, Flugsicherung und vom energiesparenden Fliegen in engen Formationen, wie bei Zugvögeln. Er habe anfangs nicht viel davon gehalten, sagte Faury, aber seine Ingenieure hätten ihn mit nackten Daten davon überzeugt. Heute halte er Formationsflüge für sinnvoll.

Wieviele Sitze sollen ins Cockpit?

In den Cockpits sieht Guillaume Faury mittelfristig einen Wechsel zu immer stärker digitalisierten Systemen, etwa eine Abkehr vom VHF-Sprechfunk, dann auch die Umstellung auf Einmann-Cockpits und schließlich auf vollautomatische Steuerung. Damit werde man die Luftfahrt noch sicherer, noch pünktlicher und noch sauberer bekommen.