"Größte Energiekrise aller Zeiten": IEA-Chef Fatih Birol, sieht wegen Lieferunterbrechungen vom Persischen Golf die Versorgungssicherheit bei Flugtreibstoff in Europa in Gefahr. Europa verfüge nur noch über Kerosinreserven für die nächsten sechs Wochen, sagte Birol der Nachrichtenagentur AP.
In dieser Woche hatten bereits die europäischen Flughafen- und Airlineverbände ACI und A4E vor drohenden Engpässen gewarnt – und unter anderem den Aufbau einer strategischen EU-Kerosinreserve gefordert, die einen Bedarf für 90 Tage vorhalten soll. Zudem soll Brüssel einen zentralen Kerosineinkauf und ein Monitoring-System organisieren.
Der Kerosinpreis hatte sich im Zuge des Iran-Kriegs binnen weniger Wochen mehr als verdoppelt. Lufthansa kürzt jetzt das Flugprogramm und beschleunigt die Ausflottung spritdurstiger Flugzeuge. "Dazu wurde ein erstes Paket beschlossen, das eine Reduzierung des Flugprogramms auf Kurz- Mittel- und Langstrecken sowie Maßnahmen zur vorzeitigen Flottenmodernisierung vorsieht", teilte der Kranich-Konzern am Donnerstag mit.
Unter anderem zieht Lufthansa unter dem Eindruck gestiegener Treibstoffkosten einen Umbau im Teilkonzern Lufthansa Airlines vor. Der Kernbereich reduziert netzweit Strecken und beschleunigt die Flottenerneuerung. Parallel teilt Lufthansa neun weitere Airbus A350-900 Discover Airlines zu.
Aus für CityLine
Die 27 operativen Flugzeuge der Tochter CityLine nimmt Deutschlands Flag Carrier ab Samstag aus dem Programm, "um weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft zu reduzieren", heißt es in der Mitteilung. "Die Flugzeuge vom Typ Canadair CRJ stehen kurz vor dem Ende ihrer technischen Einsatzfähigkeit und haben vergleichsweise hohe Betriebskosten."
CityLine hat am Donnerstag wegen des Entfalls konzerninterner WetLease-Aufträge die Stilllegung ihres Flugbetriebs angekündigt.

Die letzten Airbus A340-600 verlassen die Lufthansa-Flotte im Oktober.
A340-600 und 747-400 verlassen Lufthansa
"Im zweiten Schritt wird die Langstreckenkapazität mit Ablauf des Sommerflugplans um insgesamt sechs Interkont-Flugzeuge reduziert", erklärte Lufthansa. "Dazu werden die letzten vier verbliebenen Airbus A340-600 die Flotte im Oktober verlassen, womit dann die Ära dieses Flugzeugtyps bei Lufthansa endgültig zu Ende geht."
Zusätzlich werden ab Oktober zwei Boeing 747-400 über den kommenden Winter stillgelegt. "Der endgültige Abschied dieses Flugzeugtyps ist für das kommende Jahr vorgesehen", so Lufthansa.
Neun weitere Airbus A350-900 meldet Lufthansa in der mittelfristigen Flottenplanung im günstigeren AOC von Discover Airlines an.
"Im kommenden Winterflugplan 2026/27 erfolgt der dritte Schritt mit einer Absenkung von Kapazitäten der Lufthansa Kernmarke im Rahmen der avisierten Konsolidierung von Kurz- und Mittelstreckenverkehren über sechs Drehkreuze der Lufthansa Group", hieß es weiter. "Diese zusätzliche Angebotsreduktion entspricht fünf Flugzeugen der Lufthansa Kernmarke."
Das Maßnahmenpaket entfalte "einen überproportionalen Einspareffekt bei den Treibstoffkosten". Einerseits würden besonders ineffiziente Flugzeuge vorzeitig aus dem Flugbetrieb genommen. Zum anderen reduziere die eingesparte Kerosinmenge den nicht abgesicherten Teil des Treibstoffbedarfs der Gruppe.
Der Kerosinverbrauch der Passagier-Airlines der Lufthansa Group ist – auf Basis des Rohöl-Preises – mit rund 80 Prozent zwar überdurchschnittlich hoch abgesichert. Die verbleibenden 20 Prozent muss Lufthansa dennoch zu den deutlich gestiegenen Marktpreisen tanken. "Dieser besonders teure Anteil des Treibstoffbedarfs wird um rund zehn Prozent reduziert", so Lufthansa.

100 Jahre Lufthansa treffen auf globale Krise: Das Jubiläumsjahr hatte sich der Lufthansa-Konzern sicher anders vorgestellt.
Einstellungsstopp in der Verwaltung, weniger Berater
"Das Paket zur beschleunigten Umsetzung von Flotten- und Kapazitätsmaßnahmen ist angesichts der stark gestiegenen Kerosinkosten und der geopolitischen Instabilität unumgänglich", sagte Lufthansa Finanzvorstand Till Streichert. "Ziel ist es, unsere Kurz- und Mittelstreckenplattformen klarer zu fokussieren und wettbewerbsfähiger aufzustellen."
Zur "weiteren Absenkung der administrativen Kosten" würden "neue Sparvorgaben für Stellenbesetzungen, interne Veranstaltungen und externe Beratungsleistungen" entschieden. Diese flankieren das bestehende Abbauziel von konzernweit 4.000 Stellen in der Verwaltung bis 2030.





