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"Global Airlines": Neues Startup will mit A380 durchstarten

Verwegene Pläne
Neue Startup-Airline will mit A380 durchstarten

Mit einer Flotte von über 100 Widebodies will die Fluggesellschaft Global Airlines "die goldenen Zeiten des Luftverkehrs" zurückbringen. Drei A380 besitzt das Startup angeblich schon. Fragt sich, woher die sind. Aber das ist nicht die einzige Frage, die sich stellt.

Neue Startup-Airline will mit A380 durchstarten
Foto: Global Airlines

Es ist Sommer, es ist heiß – und es ist Hochsaison für verrückte Ideen. Das Airline-Startup "Global Airlines" darf man getrost als eine solche bezeichnen. Das ist durchaus nicht despektierlich gemeint, schließlich lag schon vielen Erfolgsgeschichten eine sprichwörtliche "Schnapsidee" zugrunde. Der Plan, der hinter Global Airlines steckt, mutet allerdings gleich in mehrfacher Hinsicht bizarr an – und hinterlässt, zumindest aktuell, deutlich mehr Fragen als Antworten.

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Bislang existieren die Global Airlines-A380 nur auf Renderings - mit recht verzerrten Proportionen.

Drei A380 zum Start

Nicht weniger als "der einzige Premium-Carrier der Wahl für Transatlantikflüge" möchte Global Airlines nach eigener Aussage bis 2025 werden. Um dieses hehre Ziel zu erreichen, soll die Flotte des Startups bis dahin "über 100 Großraumjets" umfassen. Welche Muster darunter sein sollen, lässt Global Airlines offen. Die An-225, deren Silhouette beim (noch sehr kurzen) Zeitstrahl "Story" auf der Webseite hinterlegt ist, dürfte jedoch kaum dabei sein. Allerdings wird in derselben Zeitstrahl-Grafik stolz behauptet, man besitze im Jahr 2022 bereits drei Airbus A380.

Das ist insofern kurios, als dass es zwar noch immer mannigfach gebrauchte A380 gibt, die arbeitslos herumstehen und teils zum Verkauf ausgeschrieben sind. Jedoch scheinen selbst gewöhnlich gut unterrichtete Quellen bislang nicht zu wissen, dass drei davon in Zukunft für eine Fluggesellschaft namens "Global Airlines" fliegen sollen. Dass man zur Illustration der Webseite auf (qualitativ eher drittklassige) Renderings statt auf echte Fotos zurückgreifen muss, legt nahe, dass die Startup-Verantwortlichen (noch) nicht im physischen Besitz der drei erwähnten Superjumbos sind.

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Die Zielpunkte im auf der Webseite gezeigten Streckennetz glänzen nicht immer mit geografischer Genauigkeit.

Von London nach Guantánamo?

Als Basis für ihr zentrales Unterfangen, "die goldene Ära des Luftverkehrs" mit modernem Antlitz in die Zukunft zu retten, nennt Global Airlines den Flughafen London-Gatwick. Wie dort eine zusätzliche Widebody-Armada von über 100 Flugzeugen Platz finden soll, wird selbstverständlich nicht näher erläutert. Von den begehrten Slots, die in London traditionell Mangelware sind, gar nicht zu reden. Selbst wenn Großbritanniens zweitgrößter Carrier Virgin Atlantic nicht wieder nach Gatwick zurückkehrt, dürfte es im wahrsten Wortsinn eng werden.

Apropos Virgin Atlantic: Die Fluglinie von Milliardär Richard Branson scheint für Global Airlines einen gewissen Vorbildcharakter zu besitzen. Zumindest ähnelt das auf der Webseite vorgestellte Streckennetz recht stark demjenigen von Virgin. Mit dem Unterschied natürlich, dass Virgin nicht nonstop von London nach Sydney fliegt (anscheinend möchte sich Global Airlines am Project Sunrise von Qantas beteiligen). In Geografie scheinen die Gestalter der Streckennetz-Weltkarte im Übrigen keine großen Leuchten zu sein – verorten sie doch zum Beispiel Los Angeles jenseits der Grenze zu Mexiko. Auf Kuba scheint Global Airlines neben Santiago de Cuba im Südosten ncht etwa Havanna, sondern einen Airport nahe Guantánamo anzusteuern. Dort existiert zwar tatsächlich ein Flugplatz, Widebody-tauglich ist der allerdings nicht.

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Mit der sogenannten "Gamer Class" will Global Airlines Fluggäste mit Computerspiel-Leidenschaft zum Reisen animieren.

"Gamer Class" für Zockerfreunde

Aber halten wir uns nicht länger mit Kleinigkeiten auf – konzentrieren wir uns lieber auf das Bordprodukt von Global Airlines! Das wartet nämlich mit einer ganz besonderen Finesse auf: Neben riesigen, opulent gestalteten First Class-Suiten mit Doppelbett und eigenem Bad, einer Business Class sowie Premium Economy- und "Holzklasse"-Sitzen bietet der Premium-Carrier in spe auch eine spezielle "Gamer Class" an. Hier können sich ambitionierte Zocker nach Herzenslust austoben und während ihrer Interkontinentalreise ganz in den virtuellen Kosmos der Computerspiele abtauchen. Xbox- und Playstation 5-Konsolen, ergonomische Stühle und die Möglichkeit, im Multiplayer-Modus gegen andere Passagiere anzutreten, sollen keine Gamer-Wünsche offenlassen. Ob Microsoft und Recaro, deren Logos Global Airlines in diesem Zusammenhang prominent platziert hat, tatsächlich von der Kooperation wissen, ist uns nicht bekannt. Anfragen an beide Unternehmen blieben bislang unbeantwortet.

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Zugegeben: Wenn jemals eine echte Global Airlines-A380 abheben sollte, werden auch wir staunend am Flughafenzaun stehen.

Kein Unbekannter

Im Großen und Ganzen weckt die Internetpräsenz von Global Airlines eher den Eindruck eines lieblos zusammengeschusterten Schülerprojekts als den eines solide geplanten Geschäftsvorhabens. Interessant jedoch ist, dass als verantwortlicher Macher ein Jungunternehmer namens Jason Asquith genannt wird, der "Global Airlines Ltd." im vergangenen Jahr offenbar bereits als Handelsmarke in Großbritannien registrieren ließ. Asquith wiederum steht nicht nur im Guinnessbuch der Rekorde als jüngster Mensch, der alle Länder der Welt bereist hat, sondern gilt auch als erfolgreicher Entrepeneur. So ist er Gründer und Chef der Plattform "Holiday Swap", auf der Teilnehmer für Urlaubszwecke ihre Häuser und Wohnungen tauschen können.

Ob diese Qualifikation zur Gründung und Führung einer erfolgreich operierenden Interkontinental-Airline ausreicht, bleibt selbstverständlich genauso offen, wie die Frage nach dem notwendigen Kleingeld für das Vorhaben. Gilt doch, vielleicht heute mehr denn je, noch immer das alte Bonmot: Wer mit einer Fluglinie ein kleines Vermögen machen möchte, sollte vorher ein großes haben.

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