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Holt sich Airbus die Krone zurück?

Airbus vs. Boeing: Auslieferungen im 1. Halbjahr

Foto: Patrick Zwerger

Halbzeit im Rennen um die meisten Verkehrsflugzeug-Auslieferungen 2019: Airbus hat gegenüber Boeing die Nase vorn, kann aber trotzdem nicht ganz zufrieden sein: Bis zum selbstgesteckten Jahresziel ist es noch ein weiter Weg.

Die 737 MAX bleibt Boeings Krisenflieger: Nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten muss der einstige Bestseller weiter am Boden bleiben. Ein Ende des Groundings ist noch nicht absehbar. Boeing produziert in seiner Fabrik in Renton zwar weiter 42 737 MAX im Monat – darf sie aber nicht ausliefern. Während sich in Renton deshalb die Flugzeuge stapeln und bereits auf den Parkplätzen der Mitarbeiter abgestellt werden, verhagelt das anhaltende Grounding den US-Amerikanern auch zahlentechnisch die Bilanz: Im zweiten Quartal lieferte Boeing nur 90 Passagierflugzeuge aus. Das sind satte 54 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Damals waren es noch 137 gewesen. Vom einstigen Brot-und-Butter-Flieger 737 gingen gerade noch 24 Exemplare an Kunden – allesamt Maschinen der älteren NG-Reihe.

Foto: King 5 (Youtube-Screenshot)
Das Grounding der 737 MAX trifft Boeing hart. Nur 113 Boeing 737 wurden im ersten Halbjahr 2019 ausgeliefert.

239 Auslieferungen bis Ende Juni

Fürs erste Halbjahr 2019 stehen bei Boeing damit insgesamt 239 Flugzeugauslieferungen zu Buche. 113 davon entfallen auf die 737-Familie, an zweiter Stelle folgt der „Dreamliner“ 787 mit 78 ausgelieferten Flugzeugen. Für die 767 und die 777 stehen jeweils 22 Auslieferungen zu Buche, für die 747-8F sind es noch vier. Die für die 767 genannte Zahl setzt sich dabei aus acht Frachtern für FedEx und UPS sowie 14 Maschinen fürs Tanker-Programm der US Air Force zusammen.

Im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2018 wird der Einbruch besonders deutlich: Damals standen bei Boeing nach sechs Monaten 378 Auslieferungen zu Buche – 37 Prozent mehr als 2019. Am Ende des Jahres waren es gar 806 Flugzeuge, die Boeing an ihre neuen Betreiber übergab. Dass auch im vergangenen Jahr die zweite Halbzeit in dieser Hinsicht besser lief als die erste, ist womöglich ein Hoffnungsschimmer, kann aber über die schlechte Bilanz nicht hinwegtäuschen. Wie viel Boden Boeing im zweiten Halbjahr gutmachen kann, wird davon abhängen, wie schnell die Wiederzulassung der 737 MAX über die Bühne geht. Angesichts ständig neuer Probleme ist es jedoch wohl nicht vermessen, davon auszugehen, dass bis zum Ende des MAX-Groundings noch mehrere Monate ins Land ziehen werden.

Foto: Patrick Zwerger
Die 787 ist Boeings Trumpf bei den Großraumflugzeugen. 78 "Dreamliner" lieferten die US-Amerikaner zwischen Anfang Januar und Ende Juni aus.

Airbus liegt klar vorn

Boeings großer Rivale um die Vorherrschaft unter den Passagierflugzeugherstellern könnte sich damit nach acht Jahren wieder die Krone als größter Flugzeugbauer der Welt zurückholen: Airbus lieferte im ersten Halbjahr nach eigenen Angaben 389 Flugzeuge aus, 86 mehr als im Vorjahreszeitraum. Verantwortlich für den Aufschwung ist vor allem das starke zweite Quartal, in dem die Europäer allein 227 Maschinen übergeben konnten. Um das selbst ausgegebene Ziel von 880 bis 890 Auslieferungen bis Ende des Jahres zu knacken, müssen aber auch die Europäer ihre Schlagzahl nochmals erhöhen: Rund 500 Flugzeuge sollten dafür zwischen Juli und Dezember noch an Kunden gehen. 2018 landete Airbus dank eines starken Dezember-Endspurts am Jahresende bei 800 gelieferten Flugzeugen, profitierte dabei jedoch auch von der Übernahme des CSeries-Programms von Bombardier.

Foto: Patrick Zwerger
Die A320-Familie bleibt weiter die Goldgrube bei Airbus. 294 der 389 Auslieferungen gehen auf ihr Konto. Die neo-Varianten sind dabei weiter auf dem Vormarsch.

Verkaufsschlager A320

Der größten Teil der 2019 gelieferten Maschinen entfällt auch bei Airbus auf die Standardrumpf-Familie: 163 A320neo und 71 A321neo wurden zwischen Januar und Juni von ihren neuen Eigentümern in Empfang genommen. Nach Lieferengpässen bei den neo-Triebwerken im vergangenen Jahr hat sich die Situation diesbezüglich also etwas entspannt. Bis 2021 möchte Airbus den monatlichen Ausstoß seines Bestsellers auf 63 anwachsen lassen. Zusammen mit den „alten“ Varianten der A320 kommt Airbus im ersten Halbjahr auf 294 Auslieferungen.

Von der A350 lieferte Airbus in den Varianten -900 und -1000 insgesamt 53 Maschinen aus - 25 weniger, als Boeing im selben Zeitraum 787 an Kunden übergeben konnte.

Boeing triumphiert bei den Widebodies

Natürlich verließen bei Airbus aber nicht nur A320 das Werksgelände. Während der kanadische Neuzuwachs in Mirabel bei Montreal 15 A220-100 und sechs A220-300 auslieferte, stehen bei den Widebodies vier A380, 17 A330neo sowie 53 A350XWB zu Buche. Letzterer zieht damit gegen die direkte Konkurrentin 787 den Kürzeren. In der Kategorie der „großen Ladenhüter“ liegen A380 und 747-8 dagegen gleichauf.

Fazit

Airbus ist drauf und dran, Boeing vom Thron zu stoßen: Passiert nichts Unvorhergesehenes, werden die Europäer das Jahr 2019 gemessen an den Auslieferungen als größter Flugzeughersteller der Welt beenden. Airbus kommt dabei vor allem das Grounding der 737 MAX zugute: Die in Renton gebauten Maschinen des Boeing-Bestsellers stehen sich aufgrund des Auslieferungsstopps auf dem Werksgelände die Reifen platt.

Airbus zieht im Standardrumpfsegment derweil weiter davon. Der Backlog für die A320-Reihe steht zum 30. Juni bei 5871 Flugzeugen. Bis Boeing nach Ende des MAX-Groundings (wann auch immer das sein wird) den Auslieferungsstau abgearbeitet hat, wird es dauern. Klar scheint bereits jetzt: 2019 wird für die US-Amerikaner ein ziemlich düsteres Jahr.

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