in Kooperation mit
Loganair

Hybrid-elektrische Inselflüge

Britische Islander unter Strom

Für den Inselverkehr in Großbritannien ist die Britten-Norman Islander seit Jahrzehnten unverzichtbar. Ein britisches Forschungsprojekt will mit dem Zehnsitzer nun eine neue Ära einläuten: In Zukunft sollen die Inselflieger mit Elektroantrieb unterwegs sein.

Ihren Erstflug hatte die BN-2 Islander vor fast 55 Jahren: Am 12. Juni 1965 erhob sich die robuste Zweimot zum ersten Mal in die Luft. Noch heute sind weit über 700 Islander weltweit im Einsatz, verbinden entlegene Regionen und sind, wie schon der Name suggeriert, vor allem zum „Inselhüpfen“ erste Wahl. Im englischen Cranfield, 75 Kilometer nordwestlich von London, soll nun ein neues Kapitel in der langen Historie der Islander geschrieben werden. Die dort ansässige Firma Cranfield Aerospace Solutions (CAeS) will den Inselflieger zusammen mit namhaften Partnern unter Strom setzen. Im Rahmen des Projekts Fresson, benannt nach dem schottischen Flugpionier Earnest Fresson, plant CAeS, die BN-2 mit einem hybrid-elektrischen Antrieb auszurüsten. Die britische Regierung unterstützt das Vorhaben mit einem Zuschuss von neun Millionen Pfund (10,5 Millionen Euro). Ziel ist eine erweiterte Musterzulassung für das Flugzeug, die es erlaubt, hybrid-elektrische Linienflüge anzubieten.

Britten-Norman
Die BN-2 Islander ist als robuster Busch- und Inselflieger sehr beliebt. Sie kann von kurzen, unbefestigten Pisten operieren und widersteht beim Landen Seitenwinden von bis zu 30 Knoten (56 km/h).

Vom Hybrid zum Elektroflieger

Das Projekt Fresson, dessen Gesamtkosten laut CAeS 18 Millionen Pfund betragen, ist auf einen Zeitraum von 30 Monaten angesetzt. Mit im Boot sind neben der Firma Britten-Norman, die das Flugzeug zur Verfügung stellt, auch Rolls-Royce (Energiemanagement), die Denis Ferranti Group (Elektromotoren) sowie Delta Motorsport (Batteriepack). Batterietests sollen an der Universität von Warwick stattfinden, während die Uni-Kollegen der Cranfield University die technologische Forschungsarbeit übernehmen. Am Ende des Projekts könnte gar eine vollelektrische Variante der BN-2 Islander stehen. Dies zumindest lässt Mark Scully vom Aerospace Technology Institute (ATI) verlauten, über welches die regierungsseitige Finanzierung läuft: Das Projekt Fresson bringe „eine großartige Partnerschaft zusammen, um Technologien für einen nachhaltigen, rein elektrischen Lufttransport zu isolierten Inseln“ zu entwickeln, so Scully. Mit der Zulassung durch die europäische Zivilluftfahrtbehörde EASA rechnet man bei den Projektverantwortlichen 2023 oder 2024. In einem nächsten Schritt möchte CAeS nach eigenen Angaben einen 19-Sitzer bauen, dessen Design „für einen emissionsfreien Antrieb“ optimiert sein soll.

„Grünes Fliegen“ keine Utopie

Als erste Testroute für den Passagierbetrieb der Elektro-Islander haben die Projektpartner dem Vernehmen nach die Strecke zwischen den Orkney-Inseln Westray und Papa-Westray auserkoren. Mit einer Distanz von nur 2,7 Kilometern Länge und im Schnitt anderthalb bis zwei Minuten Flugzeit gilt dieser Hüpfer als kürzester Linienflug der Welt. Der Abschnitt ist Teil eines regelmäßigen Insel-Taxidienstes, der auch die anderen Orkney-Inseln mit der Stadt Kirkwall auf der Hauptinsel Mainland verbindet. Die dort eingesetzten Islander der schottischen Loganair werden von zwei Lycoming O-540-Kolbenmotoren angetrieben, die jeweils 260 PS Leistung entfalten. Das Leergewicht der Maschinen liegt bei 1667 kg, die maximale Startmasse beträgt 2993 kg. Zieht man das geringe Gewicht eines Elektromotors in Betracht, blieben also durchaus Gewichtsreserven für die benötigten Akkus. Gerade die schottischen Archipele wie Orkneys, Shetlands oder Hebriden scheinen für den Linienbetrieb von Hybrid- oder Elektroflugzeugen überdies wie geschaffen – sind sie landesweit doch führend in der Produktion erneuerbarer Energien.

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