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NASA: Super Guppy fliegt Raumschiff Orion nach Ohio

Turboprop-Oldie der NASA Super Guppy fliegt Raumschiff Orion nach Ohio

Die Aero-Spacelines Super Guppy zählt zu den markantesten Flugzeugen der Luftfahrtgeschichte. Einst als Frachter für den aufstrebenden Airbus-Konzern unverzichtbar, leistet ein letztes verbliebenes Exemplar bis heute der NASA treue Dienste – unter anderem bei der Rückkehr zum Mond.

Bis in die 90er-Jahre war die unförmige Super Guppy in Europa ein vertrauter Anblick: Vier Exemplare der Top-Version Super Guppy Turbine waren bis 1998 für Airbus im Einsatz, transportierten Flugzeugteile zwischen den eizelnen Standorten und leisteten so einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg des europäischen Konsortiums. Drei der vier Airbus-Super Guppies fristen heute ihren Ruhestand im Museum, doch eine ist immer noch aktiv: 1997 übernahm die NASA mit der F-GEAI eines der beiden Flugzeuge, die im Auftrag von Airbus bei UTA Industries in Le Bourget in Lizenz gebaut worden waren. Seither fliegt die Maschine unter der neuen Kennung N941NA für die US-Raumfahrtagentur – und soll nun dabei mithelfen, die Rückkehr von US-Astronauten zum Mond einzuleiten.

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Die Super Guppy der NASA wurde 1983 gebaut und war bis Oktober 1997 bei Airbus im Einsatz. Seither fliegt sie für die US-Raumfhartbehörde und knüpft damit an eine alte Tradition an.

Transporter für das Artemis-Programm

Das für diese Rückkehr einmal vorgesehene Raumschiff Orion hat bereits zwei erfolgreiche, unbemannte Flüge absolviert. Im Rahmen der Mission Artemis 1 wird es gerade auf seinen ersten, ebenfalls unbemannten, Testflug zum Mond vorbereitet. Der soll zwar frühestens 2021 stattfinden, doch Zeit zu vertrödeln gibt es für die NASA nicht. Stattdessen steht eine Fülle von Tests im Lastenheft der Ingenieure – zum Beispiel in Plum Brook, Ohio, wo die größte thermische Vakuumkammer der Welt untergebracht ist. Dort soll Orion ab Anfang 2020 unter Weltraumbedingungen erprobt werden.

Vom Kennedy Space Center nach Ohio

Zu diesem Zweck musste die NASA ihr neues Raumschiff aber erst einmal vom Kennedy Space Center in Florida nach Plum Brook transportieren. Und hier kam wieder die Super Guppy ins Spiel: Das größte Flugzeug in der NASA-Flotte, mit Baujahr 1983 übrigens noch fast ein „junger Hüpfer“, lud die zum Transport dick in Folie verpackte Orion in Florida auf und flog sie am Sonntag, dem 24. November, auf den Mansfield Lahm Regional Airport, rund 75 Kilometer südlich von Plum Brook. Etwa 1500 Schaulustige bereiteten dem Frachter-Unikat vor Ort einen begeisterten Empfang: Als die bullige Silhouette des Turboprop-Monsters am späten Nachmittag von Osten kommend am Horizont auftauchte und die Super Guppy schließlich mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages in Mansfield Lahm aufsetzte, setzte es laut NASA frenetischen Beifall aus der Menge. Ihre wertvolle Fracht gab die Viermot allerdings erst am nächsten Morgen preis: Die Nacht verbrachten Super Guppy und Orion gemeinsam auf dem Vorfeld. Erst mit Sonnenaufgang klappte der Frachter seinen Rumpfbug zur Seite und gab so den Blick frei auf den riesigen Laderaum. Per Kran und Hebebühne hievte das Bodenpersonal die Raumkapsel anschließend aus der Maschine und lud sie für die Weiterfahrt zum Testzentrum auf einen bereitstehenden Tieflader. Sechs Stunden waren für den Schwertransport nach Plum Brook angesetzt. Zwar hätte es auf der Karte nähergelegene Airports gegeben, die die finale Straßen-Etappe entsprechend hätten verkürzen können. Keiner dieser Flugplätze verfügte jedoch über eine ausreichend lange Runway. Während sich also das Orion-Raumschiff auf seinen Roadtrip Richtung Testcenter begab, verließ die N941NA um 11.30 Ortszeit Ohio Richtung Bentonville (Arkansas). Allerdings nur für einen Zwischenstopp: Inzwischen ist die Super Guppy wieder auf ihren texanischen Heimatflughafen El Paso zurückgekehrt, wo sie nun auf ihren nächsten Einsatz wartet.

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Vorgänger der Super Guppy war die Pregnant Guppy, die noch mit Kolbenmotoren ausgestattet war und ebenfalls Transportaufgaben bei der NASA übernahm.

Die Super Guppy bei der NASA

Anfang der 60er-Jahre war die NASA so etwas wie der Geburtshelfer der Super Guppy: Im Rahmen des Apollo-Programms baute die US-Raumfahrtbehörde an der größten Rakete aller Zeiten und es war schnell klar, dass zum Transport der einzelnen Komponenten ein neues Flugzeug her musste. Die für die Mondlandung konzipierte Saturn V sprengte schlichweg alle Dimensionen. Selbst die Jahre zuvor von der NASA beauftragte „Pregnant Guppy“, eine Transportversion der Boeing 377 Stratocruiser für sperrige Frachtstücke, war für diesen Zweck zu klein. So entstand aus der Pregnant Guppy schließlich die nochmals aufgeblähte Super Guppy mit Turboprop-Triebwerken, verlängertem Rumpf und einem 7,77 Meter hohen Frachtraum. Am 31. August 1965 hob das unförmige Flugzeug zum ersten Mal ab. Mit über 1000 Kubikmetern Ladevolumen gehört es noch heute zu den größten Frachtern der Welt.

Spezialeinsatz: Super Guppy schluckt zwei T-38 Talon

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