Kondensstreifen: Kleine Routenänderung, große Wirkung

Kondensstreifen vermeiden
Kleine Routenänderung, große Wirkung

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.01.2026
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Landung einer Boeing 737-8 mit Kondensstreifen am Himmel
Foto: Katrin Sdun

Die Luftfahrt könnte ihre Klimawirkung schnell verringern, wenn es gelänge, Kondensstreifen bei Nacht- und Winterflügen zu vermeiden. Das ist das Ergebnis einer Studie des europäischen Umweltverbands T&E (Transport und Energie), die am 20. Januar erschienen ist.

Demnach verursachen Kondensstreifen in Europa zwischen Januar und März sowie zwischen Oktober und Dezember 75 Prozent der Erwärmung. Davon lassen sich 40 Prozent auf Kondensstreifen in den späten Abendstunden zurückführen. "Insgesamt entfiel ein Viertel der europäischen Kondensstreifen-Erwärmung auf Herbst- und Winternächte. Diese Flüge machen nur ein Zehntel des europäischen Flugverkehrs aus", heißt es in der T&E-Studie. Hinzukommt, dass Kondensstreifen an bestimmten Orten vermehrt auftreten. Ein Beispiel ist der Nordatlantik, über den tagtäglich viele Langstreckenflüge führen.

Langlebige Kondensstreifen sind schlecht fürs Klima

Kondensstreifen entstehen aus Wasserdampf und Rußpartikeln, die von Flugzeugtriebwerken ausgestoßenen werden. Bei kalten und feuchten Bedingungen in großen Flughöhen, in sogenannten eisübersättigten Regionen, kondensieren die Wassertropfen an den Rußpartikeln und bilden Eiskristalle, aus denen wiederum Zirruswolken entstehen können. Sie bleiben viele Stunden lang am Himmel. Diese Kondensstreifen-Zirren können je nach Tageszeit kühlen oder wärmen. Nachts wirken sie wie eine Decke und verringern die Abkühlung der Erdoberfläche, morgens reflektieren sie die Sonnenstrahlen zurück ins All und verhindern eine Erwärmung.

Langlebige Kondensstreifen zählen neben Stickoxid-induzierten Ozonveränderungen und Effekten durch Partikelemissionen zu den Nicht-CO₂-Effekten, die das Klima beeinflussen. Sie sind gemäß einer internationalen Studie unter Leitung der Manchester Metropolitan University mit Beteiligung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus dem Jahr 2020 für zwei Drittel der Klimawirkung der Luftfahrt verantwortlich.

Offene Fragen zu klimaoptimierten Routen

Die Schlussfolgerung von T&E: Wenn nur wenige Flüge eine andere Route wählen würden, z. B. mit einer niedrigeren Flughöhe, könnte die Bildung von Kondensstreifen deutlich reduziert werden. "Kondensstreifen schaden dem Klima. Sie zu vermeiden wäre eine wirksame Klimamaßnahme, die schnell und einfach umgesetzt werden könnte. Doch dafür braucht Europa politische Vorgaben und mehr Forschungsgelder zur praktischen Umsetzung", so Marte van der Graaf, Referentin für Luftfahrt bei T&E Deutschland.

Klimaoptimierte Flugrouten sind seit langem ein Thema in der Forschung, auch die Luftfahrtindustrie beschäftigt sich seit einigen Jahren verstärkt damit. Schwierig ist aktuell noch die genaue Vorhersage von eisübersättigten Regionen, die für eine alternative Routenführung essenziell ist. Zudem fehlt für die Fluggesellschaften der Anreiz, Kondensstreifen zu verringern, denn bislang berücksichtigt der EU-Emissionshandel nur den CO₂-Ausstoß. Auch muss noch auf Flugsicherungsseite daran gearbeitet werden, wie die durch klimaoptimierte Flugrouten höhere Arbeitsbelastung der Lotsen kompensiert werden kann.