Wie wird man eigentlich Fluglotse? Flugzeugdirigenten bei der Arbeit

Flugzeugdirigenten bei der Arbeit
Wie wird man eigentlich Fluglotse?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.08.2026
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Rund drei Millionen kontrollierte Flugbewegungen verzeichnete die DFS Deutsche Flugsicherung 2025 am Himmel über Deutschland. Und an jeder davon waren Fluglotsen beteiligt. Sie sorgen gemeinsam mit den Piloten dafür, dass Passagiere und Fracht sicher und möglichst pünktlich ankommen. Ein Job mit viel Verantwortung, der jederzeit volle Konzentration erfordert. Das erklärt auch, dass Lotsen in der Regel alle zwei Stunden eine geplante Pause einlegen müssen. Die DFS ist in Deutschland der wichtigste Arbeitgeber für Fluglotsen. Das bundeseigene Unternehmen beschäftigt rund 5700 Mitarbeiter, davon 2200 Lotsen. Dabei wird unterschieden zwischen Tower- und Centerlotsen. Towerlotsen arbeiten im Turm an einem der 15 internationalen Flughäfen in Deutschland. Dazu zählen die großen Drehkreuze Frankfurt und München, aber auch kleinere Airports wie Münster/Osnabrück oder Dresden. Centerlotsen sitzen in einer der vier Radarkontrollzentralen der DFS in Karlsruhe, Langen, München und Bremen.

Unterschiedliche Aufgaben

Im Tower sorgen Platz- und Rolllotsen für reibungslose Abläufe am und rund um den Flughafen. Platzlotsen sind verantwortlich für die aktive(n) Piste(n), sie erteilen unter anderem Start- und Landefreigaben und geben Informationen zu An- und Abflugverfahren an die Piloten weiter. Rolllotsen kontrollieren den Verkehr auf den Taxiways zwischen der Piste und dem Vorfeld. An kleineren Flughäfen erfüllt oft ein Lotse beide Aufgaben. Towerlotsen haben es nicht nur mit Verkehrsflugzeugen zu tun, sondern auch mit der Allgemeinen Luftfahrt. Sport- und Freizeitpiloten, die auf Sicht durch die Kontrollzone wollen oder einen Anflug zu Übungszwecken planen, gehören ebenso zu ihrer Kundschaft wie Business Jets oder Hubschrauber mit ihren eigenen, speziellen Anforderungen. Auch militärische Fluggeräte können im Alltag eines Towerlotsen auftauchen, wie beispielsweise am Flughafen Stuttgart, wo die US Army einen Stützpunkt unterhält.

In den Kontrollzentralen hingegen sind Radar- und Koordinationslotsen zuständig für die An- und Abflug- sowie die Streckenkontrolle. Der Radarlotse konzentriert sich vor allem auf die Radardaten, hält den Funkkontakt zu den Piloten und gibt direkte Anweisungen zu Flugroute, Höhe und Geschwindigkeit. Er überwacht zudem vertikale und horizontale Sicherheitsabstände zwischen den Flugzeugen in seinem Sektor. Der Koordinationslotse tauscht mit benachbarten Sektoren oder Kontrollzentralen telefonisch oder über den Computer Daten aus, koordiniert Änderungen in der Streckenführung wegen des Wetters oder der Verkehrssituation, bereitet die Flugübergabe vor und aktualisiert die elektronischen Flugstreifen, auf denen wichtige Daten wie Rufzeichen, Flugzeugtyp, Start- und Zielflughafen sowie Höhe vermerkt sind. Radar- und Koordinationslotse arbeiten eng zusammen.

Einblick in den Beruf und die Ausbildung zum Fluglotsen
DFS Deutsche Flugsicherung

Verschiedene Wege zur Lizenz

Die DFS bildet kontinuierlich aus, 2026 sind 144 Ausbildungsplätze für angehende Fluglotsen eingeplant. Man rechne auch in den Folgejahren mit diesen hohen Einstellungszahlen, so die DFS. Seit 2022 seien bereits über 500 neue Lotsen eingestellt worden, um die steigende Nachfrage sowie altersbedingte Abgänge auszugleichen. Bewerber dürfen höchstens 24 Jahre alt sein, müssen die Allgemeine Hochschulreife besitzen (oder kurz vor dem Abitur stehen) und einen Notendurchschnitt von mindestens 2,7 haben, fließend Deutsch sprechen, über gute Englischkenntnisse (C1-Niveau) verfügen und gesundheitlich fit sein. Verlangt werden 100-prozentige Sehkraft (Brille oder Kontaktlinsen bis +5/-6 Dioptrien), einwandfreies Farbensehen sowie uneingeschränktes Hörvermögen. Wichtig sind zudem ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen und eine schnelle Auffassungsgabe, Konzentrations- und Multitaskingfähigkeit sowie eine hohe Entscheidungsfreudigkeit und Stressresistenz. "Abgerundet wird das Profil mit einem guten Gespür für Kommunikation und Organisation sowie Teamgeist", so die DFS.

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Am Anfang wird ausgesiebt

Die DFS erhält nach eigenen Angaben konstant rund 6000 Bewerbungen von Interessenten, die die formalen Kriterien erfüllen. Sie durchlaufen ein anspruchsvolles, vierstufiges Eignungsfeststellungsverfahren, das man nur einmal absolvieren darf. Nur rund fünf Prozent der Bewerber bleiben nach derSelektion übrig. Auf einen Online-Test folgt eine Voruntersuchung beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hamburg mit PC-Tests und einfachen Simulationen. Dann geht es in einem zweiten Präsenztermin beim DLR in Hamburg um Teamarbeit, Englischkenntnisse sowie ein Gespräch zur eigenen Biografie und Motivation. Eine medizinische Untersuchung rund um die Jobtauglichkeit ist die finale Hürde. Wer sie nimmt, kann die klassische, etwa drei Jahre dauernde Controller-Ausbildung beginnen. Die ersten 12 bis 15 Monate verbringen die Nachwuchslotsen der DFS an der Flugsicherungsakademie in Langen. Dort stehen Fächer wie Navigation, Meteorologie, Flugzeugtypenkunde, Luftrecht, Sprechfunkverfahren und Luftfahrtenglisch auf dem Plan, trainiert wird aber auch schon im Simulator. Anschließend wechseln sie an eine der DFS-Niederlassungen, wo sie im Live-Traffic eingesetzt werden. Dabei steht ihnen ein ausgebildeter Fluglotse mit Rat und Tat zur Seite.

Ein zweiter Weg nach bestandenem Auswahlverfahren ist die Lotsenausbildung im Rahmen eines dualen Studiums in Zusammenarbeit mit der Hochschule Worms. Die angehenden Lotsen absolvieren dafür parallel den englischsprachigen Bachelorstudiengang "Air Traffic Management", ein ausbildungsintegriertes Studium in Kooperation mit der DFS. Mit der Kombination von Fluglotsenausbildung und betriebswirtschaftlichem Studium erwerben die Absolventen ein breites Spektrum an Kompetenzen. Damit eröffnen sich berufliche Perspektiven auch außerhalb oder ergänzend zur klassischen Lotsentätigkeit.

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Attraktive Perspektiven

Die ersten drei Semester studieren die angehenden Lotsen an der Hochschule Worms, in der vorlesungsfreien Zeit lernen sie bei der DFS die Arbeit in den Fachbereichen kennen, beispielsweise Flugrouten- oder Kapazitätsplanung. Nach dem dritten Semester beginnt der erste Teil der Ausbildung zum Fluglotsen, der Theorie und Simulatortraining umfasst. Das sechste Semester wird aufgeteilt zwischen der Bearbeitung der Bachelorthesis und dem berufspraktischen Training an den DFS-Niederlassungen vor Ort. Während der Theorie- und Simulatorausbildung verdienen angehende Controller 1450 Euro pro Monat, optional gibt es 400 Euro Wohngeld dazu. Ab dem On-the-Job-Training am späteren Arbeitsplatz bezahlt die DFS rund 5000 Euro monatlich, wobei Einsatzbereich und Einsatzort auf Grundlage des hauseigenen Tarifvertrags berücksichtigt werden. Das Gehalt wird entsprechend der tariflichen Entwicklung regelmäßig angepasst, für Schicht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit gibt es Zuschläge. So kommen erfahrene Lotsen auf Jahresgehälter von bis zu 100 000 Euro brutto.

Für fertig ausgebildete Lotsen ergeben sich nach einigen Jahren im Job auch attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten. Sie können ihr Wissen beispielsweise als Ausbilder oder Fachlehrer an den Lotsen-Nachwuchs weitergeben, als Prüfer arbeiten, Verfahren und Vorschriften für technische Systeme weiterentwickeln oder ihre Expertise in internationalen Projekten einbringen. In den Kontrollzentren gibt es zudem die Möglichkeit, als Supervisor oder Chief of Section Fach- und Personalverantwortung zu übernehmen. Doch auch so bietet der Beruf viel Abwechslung und Veränderung. "Moderne Systeme, mehr Automatisierung und digitale Tools unterstützen zunehmend die Arbeit der Fluglotsen", so die DFS. Eine Entwicklung der vergangenen Jahre ist zum Beispiel die Fernüberwachung von Flughäfen mittels der Remote-Tower-Technologie. So lassen sich kleinere und mittelgroße Flughäfen von einem gemeinsamen Standort aus kontrollieren. Fluglotsen können dank Remote Tower Lizenzen für zwei verschiedene Flughafen-Tower erhalten. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Flugsicherung wird gerade erst erforscht, birgt laut DFS aber Potenzial für unterstützende Technologien in der Zukunft. Der Ruhestand ist für Fluglotsen indes weit früher erreicht als für andere Arbeitnehmer. Mit spätestens 57 Jahren ist Schluss in Tower oder Center, bis zum Renteneintritt erhalten die Lotsen eine Übergangsversorgung.

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Skyguide, AustroControl und Bundeswehr

Neben der DFS bilden auch andere nationale Dienstleister zivile Fluglotsen aus, beispielsweise Austro Control in Österreich oder die schweizerische Skyguide. Skyguide beschränkt sich bei der Wahl angehender Fluglotsen nicht auf Abiturienten, sondern gibt auch Bewerbern mit Fachabitur oder einer abgeschlossenen Berufsausbildung eine Chance. In einer dreiteiligen Ausbildung – sechs Monate Basic-Training, sechs Monate Rating-Training und 8 bis 18 Monate Unit-Training – wird man zum Diplom-Flugverkehrsleiter (HF) qualifiziert. Bei der österreichischen Austro Control nimmt man ebenfalls Bewerber mit höheren Abschlüssen jenseits des Abiturs auf. Hier ist das Ausbildungsprogramm vierteilig: Basic-Kurs, National-Kurs, Terminal-/En-Route-Kurs und schließlich die Arbeitsplatzschulung an der zugewiesenen Dienststelle. Die Einsatz- und Fortbildungsmöglichkeiten bei den Schweizern und Österreichern ähneln denen bei der DFS. Schließlich gibt es auch die Möglichkeit, sich über Flughäfen wie Mannheim, die selbst als Flugsicherungsorganisation zertifiziert sind, zum Fluglotsen ausbilden zu lassen. Bei der Bundeswehr kann man eine Ausbildung zum militärischen Fluglotsen absolvieren. Der Weg führt über die Offizierslaufbahn, die reine Ausbildung zum Flugverkehrskontrolloffizier dauert je nach Verfügbarkeit der Lehrgänge bei der DFS-Tochter Kaufbeuren ATM Training etwa vier Jahre. Dabei werden zunächst die Grundlagen vermittelt: Luftraumstrukturen, Luftfahrzeugmuster, die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure in der Luftraumkontrolle sowie Luftfahrtenglisch. Dann folgen Theorie- und Simulatorausbildung. Beim anschließenden On-the-Job-Training im Tower oder am Radar werden die nötigen Lizenzen erworben.