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„Neuer“ Großraumjet

Erste Iljuschin Il-96-400M in der Endmontage

Russlands Flugzeugbau-Holding UAC treibt die Neuauflage der Iljuschin Il-96 voran: Der erste Prototyp des als Il-96-400M bezeichneten Großraumjets ging nun in die Endmontage. Entgegen des Trends

Zweite Luft für die Il-96? Nur knapp 30 Exemplare des letzten sowjetischen Großraumjets wurden seit 1988 gebaut. Bis auf die kubanische Staatsairline Cubana, die drei Il-96-300 betreibt, setzt keine kommerzielle Airline mehr den Vierstrahler ein. Einzig als Regierungsflugzeug und beim russischen Geheimdienst finden sich ansonsten noch fliegende Vertreter der Il-96. Und das, obwohl Hersteller Iljuschin und die zwischenzeitlich gegründete United Aircraft Corporation (UAC) immer wieder Versuche unternahmen, dem Flugzeug neues Leben einzuhauchen.

Erstflug 2021

Nun versucht es UAC offenbar ein weiteres Mal: Mit dem Zusammenbau von Rumpf und Tragflächen ist im VASO-Flugzeugwerk Woronesch die Endmontage des ersten Prototypen der Iljuschin Il-96-400M angelaufen. Als nächster Schritt ist die Installtion der Flugsteuerung und des Interieurs geplant, wie der Hersteller mitteilt. „Die Produktion des Prototyps soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein“, erklärt UAC-Programmchef Juri Grudinin. „Danach wird er zu Boden- und Flugtests herangezogen.“ Der Erstflug der Il-96-400M sei für 2021 geplant.

Toshi Aoki (CC BY-SA 3.0)
Für die Il-96-400M übernimmt UAC die Zelle und einen Großteil der Komponenten aus der "alten" Il-96-400(T). Die Neuauflage soll jedoch zeitgemäße Avionik erhalten.

Das Ziel: ein rein russisches Flugzeug

Die Il-96-400M basiert weitestgehend auf der gegenüber dem Basismodell um 8,6 Meter gestreckten Il-96-400, von der Iljuschin knapp eine Handvoll Exemplare baute – allerdings nur in der Frachtversion. UAC möchte den „neuen“ Großraumjet nun wahlweise mit einer Zwei- oder Dreiklassen-Passagierkabine für 305 bis 355 Fluggäste auflegen. Auch eine Touristenbomber-Variante mit bis zu 402 Sitzplätzen ist bei Bedarf angedacht. Hauptmerkmal der Il-96-400M ist laut Hersteller jedoch die gezielte Konzentration auf russische Komponenten. Der Anteil ausländischer Bauteile soll Insidern zufolge weniger als zehn Prozent betragen. Als Antrieb plant UAC zum Beispiel, wie schon bei der „alten“ 400, mit dem Awiadwigatel PS-90A1 – entgegen des allgemeinen Trends weiterhin in vierfacher Ausführung.

Airliner für „Schurkenstaaten“?

Dass die Il-96-400M damit gegenüber den modernen Riesen-Twins Airbus A350 oder Boeing 787 ökonomisch kaum konkurrenzfähig ist, dürfte auch in der Vorstandsriege von UAC bekannt sein. Dennoch spricht der Hersteller hoffnungsvoll von einem „vielversprechenden Verkehrsflugzeug“ – und hat damit womöglich einen ganz bestimmten Kundenkreis im Auge: Airlines, deren Heimatländer von westlichen Sanktionen betroffen sind, könnte die Il-96-400M tatsächlich ins Konzept passen. So hatten etwa Cubana und die afrikanische Air Simbabwe bereits Interesse an der – dann doch nicht gebauten – Passagiervariante der alten Il-94-400 bekundet. Enorme Stückzahlen werden auf diese Weise nicht zustande kommen – aber die könnte UAC nach gegenwärtigem Stand auch gar nicht liefern. Dafür ließen sich mit der Il-96-400M wichtige Erfahrungen für den Bau des künftigen Großraumflugzeugs CRAIC CR929 sammeln, das von China und Russland gemeinsam entwickelt wird. Der für dieses Flugzeug vorgesehene Turbofan PD-35 könnte später auch bei der Il-96 zum Einsatz kommen und sie so zum Zweistrahler machen. Er wird aber nicht vor 2024 verfügbar sein.

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