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Neues Flugtaxi-Konzept

Lilium Jet absolviert Erstflug

Foto: Lilium (Screenshot Erstflugvideo)

Das deutsche Startup Lilium hat am 4. Mai seinen Lilium Jet erstmals in die Luft gebracht – allerdings (noch) ohne Menschen an Bord. Geht es nach den Visionen der Erfinder, soll der Lilium Jet schon bald Kernbestandteil eines großangelegten Flugtaxi-Dienstes werden.

Per App und Knopfdruck den nächsten Landeplatz finden, ein Flugtaxi bestellen und schnurstracks zum Ziel fliegen – zu normalen Taxipreisen, aber viermal schneller. Von derlei Zukunftskonzepten für urbane Mobilität träumen die Tüftler des Startup-Unternehmens Lilium, das seinen Sitz in Weßling bei München hat, schon länger. Bis 2025 wollen sie ihren Traum weltweit real werden lassen – spätestens. Anfang des Monats ist Lilium seiner Zukunftsvisiion einen weiteren Schritt näher gekommen: In den Morgenstunden des 4. Mai absolvierte der erste Prototyp des Lilium Jet auf dem Flugplatz Oberpfaffenhofen seinen Jungfernflug.

Erste Flüge unbemannt

Fünf Personen sollen später einmal in dem futuristisch anmutenden Fluggerät Platz finden, Pilot inklusive. Der erste Testflug, 40 Sekunden lang, erfolgte allerdings unbemannt, vom Boden ferngesteuert. Auch die nun anstehenden Testflüge sollen zunächst ohne Menschen an Bord vonstatten gehen. Sie sollen beweisen, dass der Lilium Jet die ihm nachgesagten Leistungsdaten erreichen kann und so den Grundstein für eine Zertifizierung des Flugtaxis legen.

Mit 300 km/h 300 Kilometer weit fliegen

Apropos Leistungsdaten: Lilium hat sich mit seinem Fünfsitzer, der auf einem zweisitzigen Technologieträger aus dem Jahr 2017 aufbaut, beachtliche Parameter als Ziel gesetzt: Bis zu 300 Kilometer weit soll der Lilium Jet einmal fliegen können, und zwar in nur einer Stunde. Das macht nach Adam Riese eine Durschnittsgeschwindigkeit von 300 km/h – emissionsfrei und vollelektrisch. Dazu hat Lilium sein minimalistisch wirkendes Design – ovaler Rumpf, gestreckte Flügel, Heck und Leitwerk Fehlanzeige – mit 36 Elektromotoren und ebensovielen Mantelpropellern ausgerüstet. Je zwölf davon finden sich am hinteren Ende der beiden Haupt-Tragflächen, weitere zwölf sind in zwei Sechserbatterien an den Canard-ähnlichen vorderen Flächen montiert. Für Start und Landung lassen sich alle Motoren in die Vertikale schwenken, so dass der Lilium Jet senkrecht steigen und sinken kann. Im Reiseflug sollen die Tragflächen für Auftrieb sorgen, und auf diese Weise die genannte hohe Reichweite garantieren. Liliums Berechnungen zufolge kommt das Flugtaxi im Horizontalflug dadurch mit weniger als zehn Prozent seiner maximal abrufbaren Leistung von 2000 PS aus. Der Energieverbrauch soll mit dem eines Elektroautos vergleichbar sein. Der Hersteller hofft, dass sich vor diesem Hintergrund schnelle und vor allem bezahlbare Punkt-zu-Punkt-Verbindungen über ganze Regionen hinweg realisieren lassen. Die Anbindung von Vororten und Flughäfen an die Zentren großer Städte ist ein weiteres Geschäftsfeld, das die Bayern für ihren Lilium Jet auserkoren haben.

Video: So fliegt der Lilium Jet

Ziel: Für jedermann bezahlbar

„Wir träumen von einer Welt, in der jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt zu jedem Ziel fliegen kann“, gibt Lilium-Chef Daniel Wiegand die Marschrichtung vor. „Wir haben unglaublich viele Gedanken und Sorgfalt in das Design des Flugzeugs und die Services investiert, um genau das zu erreichen.“ Sicherheit und eine günstige Kostenstruktur seien dabei ganz besonders im Fokus gestanden. Die 36 Motoren kämen jeweils mit nur einem beweglichen Teil aus, komplexe Getriebekonstruktionen und andere verschließanfällige Komponenten suche man vergebens. Dafür biete die Kabine Panoramefenster und Flügeltüren für „ein faszinierendes Flugerlebnis.“

Lilium Jet muss nun zeigen, was er kann

Ob der Lilium Jet die in ihm ruhenden Hoffnungen seiner Entwickler tatsächlich erreichen kann, werden die nun anstehenden Tests zeigen. Die selbsgesetzten hohen Hürden – 300 Kilometer Reichweite, 300 km/h Reisegeschwindigkeit – lassen objektiv betrachtet doch zumindest Raum für Skepsis. Viel wird davon abhängen, ob es Lilium gelingt, den Energieverbrauch seines „Jets“, der trotz des raffiniert ausgestalteten Designs vor allem bei Start und Landung recht hoch sein sollte, mit der entsprechenden Akkuleistung zu decken – ohne dabei zu viel Gewicht mitschleppen zu müssen.

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