Noch ohne sein übergroßes Frachttor, es wird im Januar aus Illescas nach Toulouse geliefert, rollte im November die erste A350F, künftig F-WXFR, aus der Endmontage in die benachbarte Ausstattungshalle. Airbus nennt die neue Version intern A350-1041F, denn der A350-Frachter gilt als A350-1000-Abkömmling, obwohl er mit 70,80 m Länge zwischen A350-900 (66,80 m) und A350-1000 (73,78 m) liegt und damit deutlich kürzer als die Passagierversion der A350-1000 ausfällt.

Mitte November verließ die erste A350F, Werknummer 700, auf eigenem Fahrwerk die Toulouser Endmontagehalle.
Grosse Klappe, viel Dahinter
Ebenfalls einzigartig ist das schon genannte Frachttor an der linken hinteren Rumpfseite. Mit einer Breite von 4,44 m und einer Ladeöffnung von 4,30 m ist das Seitentor, das beim Öffnen 65 Grad nach oben schwenkt und fast bis in den "Giebel" reicht, sogar größer als Bug- und Seitentor am Jumbo und 15 Prozent breiter als das Seitentor der Erzkonkurrentin 777, wirbt Airbus. Ein derartiges Großmaul braucht man vor allem, um ein ganz spezielles Ladegut zu befördern: Mantelstromtriebwerke. Die neueste Triebwerksgeneration, darunter Trent 1000 (787), Trent 7000 (A330neo), Trent XWB (A350) und GE9X (777X), passt weitgehend unzerlegt an Bord der A350F. Das hat Airbus bereits mit dem eigenen A350F-Lade-Testrumpf "Cargo Zero" in Bremen geprüft. Dessen 23 m langes Rumpfstück bildet Frachttor und einen vorderen Kabinenabschnitt mit Frachtbarriere in Originalgröße nach. Der Testrumpf kann zwei Grad vor und zurück gekippt werden sowie ein Grad seitlich, um auch nicht waagerechte Ladepositionen auf schrägen Vorfeldern nachzustellen. Auch dort muss das Ladegut, darunter in Originalmaßen nachgebildete Triebwerke, per Frachtfördersystem im Kabinenboden trotz Verkanten an seine Stauposition und zurück gelangen und sicher verriegeln.

Die vordere Kabinenwand, die zugleich als Frachtraumbarriere für 9-g-Belastungen ausgelegt ist, wird installiert.
Flexible Fracht und Besatzung
Ins Hauptdeck der A350F passen für die allgemeine Luftfracht 30 Frachtpaletten der Standardgröße 96 x 125 Zoll und zwölf weitere ins Unterdeck. Für typische Expressfrachtdienste können alternativ auch 30 geschlossene AM-Luftfrachttcontainer (Größe wie die der Paletten) und 40 typische LD3-Frachtcontainer im Unterdeck geladen werden. Geschützt sitzend vor der Frachtbarriere, im Bereich zwischen den vorderen Kabinentüren, finden bis zu zehn Frachtbegleiter, Tierpfleger und Kuriere sowie ein Flugbegleiter Platz. Sie atmen Luft aus einem eigenen Luftkreislauf, so dass etwaige strenge Tiergerüche nicht aus der Hauptkabine nach vorne dringen. Wie im Cockpit ist die Luft hier außerdem zu 100 Prozent frisch und nicht anteilig recycelt. Es gibt zudem ein WC und eine kleine Küche. In beiden Frachtdecks lässt sich die Temperatur abschnittweise zwischen 4° C und 26° C regeln, so dass man auch empfindliche Tiere, Tropenfische, Blumen, Lebensmittel oder Spezialfracht jeweils unter ihren Idealbedingungen befördern kann. Im Cockpit sind doppelte Head-up-Displays für die Piloten installiert. Ein Bord-WLAN versorgt zwei Tablet-Computer mit Daten für die Electronic Flight Bags.

Nach Frachtraumvolumen entspricht der Airbus A350F einem Boeing-747-400F-Jumbo.
Emissionsarmer Neuling
Laut Airbus ist der Lärmteppich der A350F rund 50 Prozent kleiner als bei Frachtern der Vorgängergeneration. Das Flugzeug erfülle die strengsten ICAO-Lärmgrenzwerte nach Chapter 14, die CAEP/8-Standards für den zulässigen NOx-Ausstoß und die verschärften, ab 2028 für alle Neuflugzeuge geltenden ICAO-Triebwerksgrenzwerte. Gegenüber der aktuellen Boeing 777F sei die zu 70 Prozent aus Verbundwerkstoff bestehende A350F beim Start 30 Tonnen leichter, aber biete elf Prozent mehr Laderaumvolumen und schaffe drei bis fünf Tonnen mehr Fracht. Mit 109 Tonnen Nutzlast kommt die A350F rund 8700 Kilometer weit, maximal möglich sind sogar 111 Tonnen Nutzlast. Laut Airbus entspricht das Frachtraumvolumen der A350F dem der Boeing 747-400F. Der neue Leichtbau-Zweistrahler mit modernen Rolls-Royce-Trent-XWB-97-Triebwerken könne die Tonne Fracht aber mit 40 Prozent weniger Kerosin, 40 Prozent weniger CO2-Ausstoß und bei 40 Prozent weniger Betriebskosten befördern. Auch gegenüber dem bisherigen 777 Freighter liege der Kostenvorteil immer noch bei 20 Prozent, wirbt Airbus.

Singapore Airlines Cargo gehört bereits zu den Kunden der A350F.
Optimiert für Asien-Routen
Der Flugzeughersteller sieht für die nächsten 20 Jahre weltweit ein jährliches Luftfrachtwachstum von durchschnittlich 3,3 Prozent voraus, insbesondere zwischen Asien und den USA und zwischen Asien und Europa. Deshalb würden bis 2044 in der Nutzlastkategorie zwischen zehn und 40 Tonnen ("A321P2F") 1120 Frachter, in der Kategorie 40 bis 80 Tonnen ("A330P2F") 855 Frachter und in der Kategorie über 80 Tonnen ("A350F") 630 neue Frachtflugzeuge benötigt. Die ersten 82 Flugzeuge sind bereits verkauft. Zu den ersten Kunden zählen Air France Cargo (4), AviLease (10), Cathay Cargo (6), CMA CGM (8), Etihad Cargo (10), KLM Cargo / Martinair (3), Korean Air (7), MNG Airlines (2), Silk Way West Airlines (4), Singapore Airlines Cargo (7), STARLUX Cargo (10), Turkish Cargo (5) und Air China Cargo (6). Mit 82 festen Bestellungen von 13 Kunden komme die A350F gegenüber der künftigen Konkurrentin Boeing 777-8F (59 feste Aufträge von sechs Kunden) nach festen Aufträgen auf einen Marktanteil von 58 Prozent, so Airbus.

Die zweite A350F, MSN701, wird im Test- und Zulassungsprogramm eine normale Airbus-Hauslackierung tragen.
Daten Airbus A350F
- Aufgabe: Frachtflugzeug für Mittel- und Langstrecken
- Triebwerke: zwei Rolls-Royce Trent XWB-97
- Piloten: 2 (bei Bedarf Austauschpiloten)
- Maße: Länge: 70,8 m, Spannweite: 64,75 m, Höhe: 17,08 m
- Massen: max. Startmasse: 319 t, max. Landemasse: 252 t, max. Nutzlast: 111 t
- ETOPS-Zulassung: 370 Minuten im Einmotorenflug zum Ausweichlandeplatz
- Gleichteile A350-Familie: 95 Prozent
- Gemeinsames Type Rating: A350-Familie

Mit ihrer neuen Rumpflänge von 70,8 m liegt die A350F zwischen A350-900 und A350-1000.
Flugerprobung A350F
- Beginn: drittes Quartal 2026
- erw. Zulassung: zweites Quartal 2027
- Testflugzeuge: MSN700 (F-WXLD) und MSN701 (F-WCGO)
- Dauer: 400 Flugstunden, davon 300 durch MSN700
- Aufgaben MSN700: Flugverhalten, Handling, Flattertests, Reiseleistung, Autopilot, Test Staudruckturbine
- Aufgaben MSN701: Systemtests, Klimaanlage, Brandschutzanlage, Hitze- und Kältetests, Schlechtwetterbetrieb, Be- und Entladetests, Kundendemonstrationen





