Nowosibirsk
Spuren der An-124-Notlandung aus Satellitensicht

Knapp 300 Meter weit schoss die Antonow 124 mit dem Kennzeichen RA-82042 bei ihrer Notlandung am 13. November in Nowosibirsk über die Landebahn hinaus. Satellitenbilder zeigen die Bremsspur, die das Flugzeug jenseits der Piste durch den Schnee zog.

Flughafen Novosibirsk am 28.11.2020
Foto: Copernicus Sentinel Data / Eo Browser

Der Schrecksekunde folgte das Stillleben: Tagelang lag die An-124 der russischen Volga Dnepr Airlines nach ihrem spektakulären Ausritt am 13. November regungslos im Schnee. Wie ein gestrandeter Wal wartete der ganz in Weiß lackierte Frachter darauf, endlich geborgen zu werden, nachdem ihn seine Crew trotz Triebwerksexplosion, ohne Schubumkehr, Stromversorgung und Funkkontakt, mit 84 Tonnen Fracht und vollen Tanks sicher zu Boden gebracht hatte.

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Die An-124 RA-82042 nach ihrer Notlandung in Nowosibirsk am 13. November. Das Flugzeug blieb zwei Wochen an Ort und Stelle - auch, weil der Boden gefroren war.

Bergungspanzer rückten an

Erst zwei Wochen nach dem Unfall, am 27. November, machten sich zwei Brem-1-Bergungspanzer daran, die Antonow, deren Bugfahrwerk beim Überschießen der Piste kollabiert war, mit vereinter Kraft vom Fleck zu ziehen. Alles, nur kein leichtes Unterfangen, schließlich wiegt eine An-124 leer rund 180 Tonnen. Die Mühen könnten sich lohnen: Man habe die Antonow auf festen Untergrund gezogen, um dort Reparaturen vorzunehmen, zitiert eine regionale russische Nachrichtenseite die Pressesprecherin von Volga-Dnepr, Marina Isaykina. Eine Rückkehr in die Luft scheint also nicht vollends ausgeschlossen, selbst wenn man es beim Anblick des Flugzeugs kaum zu glauben wagt.

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Spuren im Schnee

Die Spuren des Unglücks, das ohne die beherzten Entscheidungen der Crew leicht in einer Katastrophe hätte enden können, waren am Tag nach der Bergung noch klar zu sehen – auch aus dem Weltall. Ein Foto des über 780 Kilometer hoch fliegenden europäischen Satelliten Sentinel-2 vom 28.November, das der SPIEGEL heute auf seiner Webseite präsentiert, zeigt eine breite dunkle Furche im Schnee westlich der Landebahn 25, auf der die havarierte RA-82042 nach ihrer Rückkehr zum Flughafen aufsetzte. Das Flugzeug selbst ist auf diesem Bild auf halber Höhe der Runway zu erkennen.

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Vorher-nachher-Vergleich

Dass die Spur im Schnee sich auf dem Foto allerdings derart stark von ihrer weißen Umgebung abhebt, rührt nicht allein vom Ausritt des Flugzeuges her, sondern ist vor allem auch dessen Bergung geschuldet. Bevor die Brem-1-Panzer nämlich zu Werke gingen, wurde der Bereich hinter der feststeckenden An-124 so gut es ging vom Schnee befreit, wie eine Bilderserie auf Twitter offenbart, die ebenfalls vom Sentinel-2-Satelliten stammt. Dennoch lässt sich der Weg der Antonow über die Pistenschwelle auch auf den früheren Fotos deutlich nachvollziehen. Das erste Bild der Serie entstand vor, das zweite Bild nur eine halbe Stunde nach dem Vorfall.

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