in Kooperation mit
Airbus

„Passenger to Cargo“

Lufthansa Technik baut A380 zum Frachter um

Erst kürzlich absolvierte Malaysia Airlines den ersten reinen Frachtflug mit einem Airbus A380. Ein Beispiel, das Schule machen könnte: Ein noch unbekannter Kunde hat bei Lufthansa Technik den Umbau einer A380 vom Passagierjet zum Frachter in Auftrag gegeben.

Der Lufthansa-Konzern ist in Schieflage, aber Lufthansa Technik kann sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen: Aus aller Welt erhält die Maintenance-Abteilung des Kranichs derzeit Anfragen zum temporären Umbau von Passagierjets zu Frachtern. Lufthansa selbst setzt bereits vier entsprechend konvertierte Airbus A330 ein, Austrian Airlines nutzt zwei umgebaute Boeing 777-200 als "Prachter" – ein selbt kreiertes Kunstwort, das den speziellen Status der Flugzeuge kennzeichnen soll. Insgesamt haben mehr als 40 Airlines, die ihre Airliner vorübergehend für Frachttransporte optimieren möchten, bei Lufthansa Technik angeklopft. Das teilte das Hamburger Unternehmen am Mittwoch mit. 15 Projekte befinden sich demnach schon in der Umsetzung.

MASkargo
Malaysia Airlines flog Ende April als erste Airline mit einer rein zum Frachttransport genutzten A380 von Kuala Lumpur nach London.

Superjumbo wird zum Frachter

Unter diesen 15 Projekten sticht eines ganz besonders heraus, das sogar für die erfahrenen Profis aus Hamburg ein echtes Highlight darstellt: Vor Kurzem erhielt Lufthansa Technik den Auftrag, einen Airbus A380 zum Frachter umzurüsten. Das größte Passagierflugzeug der Welt war einst von Airbus selbst auch in einer Cargovariante geplant, die Pläne wurden seitens des Herstellers aber kurz nach dem Erstflug des Jets vor 15 Jahren verworfen. Nun also kommt der A380-Frachter doch – wenn auch nur vorübergehend und vorerst als Einzelstück. In wessen Auftrag die A380 umgerüstet wird, möchte Lufthansa Technik nicht verraten – Lufthansa selbst ist es auf alle Fälle nicht.

Emirates
Bei Emirates sind derzeit alle 115 A380 zum Nichtstun verbannt. So ergeht es momentan weltweit fast allen Exemplaren des Typs.

Besondere Herausforderungen

Allein wegen der Größe des Flugzeugs ist die Modifikation einer A380 vom Passagierjet zum Frachter eine besondere Angelegenheit. "Da die Arbeit nicht nur den Ausbau von Sitzen umfasst, sondern einen erheblichen Anteil an Ingenieurswissen erfordert, braucht man Experten, die genau wissen, wo die Herausforderungen liegen und wie man die technischen Lösungen so korrekt dokumentiert, dass die Luftfahrtbehörden zustimmen", betont Henning Jochmann, der bei Lufthansa Technik für die Umbauten verantwortlich zeichnet. Normalerweise könne ein Flugzeug, das eine Zulassung für den Passagiertransport erhalten hat, nicht einfach in der Kabine mit Fracht beladen werden, macht Jochmann klar. Schließlich seien die Genehmigungskriterien für Passagierkabinen und Frachträume völlig unterschiedlich. "Fracht hat beispielsweise eine andere Bodenlast. Das heißt, die strukturelle Belastbarkeit eines Passagierflugzeugs ist geringer als die einer Frachtmaschine." Auch der Brandschutz und viele weitere Kriterien müssten beim Umbau berücksichtigt werden – selbst, wenn dieser nur temporärer Natur sei.

Airbus
Airbus selbst wollte die A380 ursprünglich auch als Frachter bauen - nahm davon aber wieder Abstand.

Bald noch mehr A380-Frachter?

Aktuell unterstützen die Behörden die Airlines mit entsprechenden Ausnahmeregelungen, doch bei Lufthansa Technik denkt man bereits einen Schritt weiter: Die Umbauten "können zu einem späteren Zeitpunkt auch ohne große Anpassungen in eine ergänzende Musterzulassung (Supplemental Type Certificate – STC) überführt werden", so Henning Jochmann. Derzeit arbeite ergänzende Musterzulassungen für alle gängigen Flugzeugmuster zu erwirken – also auch für die A380. Gut möglich deshalb, dass bald noch weitere Exemplare des größten Passagierflugzeugs als Frachter ihren Dienst versehen.