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Russisch-chinesischer Langstreckenjet

CR929 soll sparsamer fliegen als die Konkurrenz

Russland und China arbeiten gemeinsam an einem neuen Passagierjet für die Langstrecke. Die zweistrahlige CR929 soll in puncto Effizienz alle Mitbewerber in den Schatten stellen. Erste Vorbestellungen liegen angeblich ebenfalls schon vor.

Für China wie für Russland wäre es der nächste Schritt auf die Bühne der großen Flugzeughersteller – ein Schritt, den beide Nationen gemeinsam vollziehen möchten: Nach Jets für die Kurz- und Mittelstrecke melden die Hersteller Comac (China) und United Aircraft Coproration (Russland) nun auch Ansprüche im Bereich der Großraumflugzeuge an. Dafür haben sie im Mai 2017 die China-Russia Commercial Aircraft International Company gegründet – kurz: CRAIC. Das Flugzeug, mit dem CRAIC den Platzhirschen Airbus A350 und Boeing 787 den Rang ablaufen will, heißt CR929 – und existiert als Ganzes bislang nur am Computer.

Sparsamer als die Konkurrenz

Das hindert die Verantwortlichen des Projekts allerdings nicht daran, sich hohe Ziele zu setzen. Um am Markt konkurrenzfähig zu sein, sollte die CR929 zehn bis 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen als vergleichbare Muster der Konkurrenz, erklärte der russische Chefkonstrukteur des Flugzeugs, Maxim Litwinow im Gespräch mit dem russischen Radiosender Mediametrics. Zudem müsse das Flugzeug im Alltagsbetrieb besonders wirtschaftlich sein. Um diesen Vorgaben eine konstruktive Basis zu verschaffen, setzt CRAIC bei der CR929 verstärkt auf Leichtbau und moderne Werkstoffe. Er erwarte, dass die CR929 zu über 50 Prozent aus Polymerverbundstoffen bestehe, so Litwinow weiter. Dies betreffe sowohl den Rumpf als auch die Tragflächen.

Geplanter Erstflug 2023

Russland und China haben die Verantwortungsbereiche für die CR929 klar abgesteckt: Während etwa China für den Rumpf des Großraumjets verantwortlich zeichnet, soll der Flügel aus Russland kommen. Die Triebwerke möchte CRAIC zunächst aus dem Westen beziehen, wobei spätere Eigenentwicklungen angestrebt werden. Aktuelle Kandidaten sind Rolls-Royce und General Electric. Endmontiert wird in Shanghai.

Den Erstflug der CR929 plant CRAIC derzeit für 2023. Bis Ende diesen Jahres soll die Experimentierphase abgeschlossen und das Design des neuen Flugzeugs endgültig festgelegt sein. Dann startet das Projekt in die entscheidende Phase. Der derzeit bekannte Entwurf sieht eine Rumpfbreite von 5,9 Metern und eine Kabine mit zwei Gängen und neun Sitzen pro Reihe vor. Damit wäre die CR929 breiter als die Boeing 787 oder der Airbus A330neo. Die Basisversion CR929-600 soll über 63 Meter lang sein, in drei Klassen Platz für 280 Passagiere bieten und bis zu 12000 Kilometer weit fliegen können.

Märkte in China und Südostasien

Das sino-russische Gemeinschaftsprojekt stelle alle Beteiligten vor große Herausforderungen, räumte Maxim Litwinow im Interview mit aviation21.ru bereits im November 2018 ein. Es sei sehr schwierig, mit den Kollegen zusammenzuarbeiten, allein schon aufgrund der Sprachbarriere. „Aber wir versuchen, gemeinsame Ansätze zu finden und arbeiten parallel in russischen und chinesischen Teams.“ Außerdem gebe es regelmäßige Meetings, die zwischen drei und vier Wochen dauerten und abwechselnd in Moskau und in Shanghai stattfänden. „Rund 200 Personen beider Seiten nehmen daran teil“, so Litwinow. „In manchen Bereichen kommen wir schneller voran, in anderen etwas langsamer.“ Die Chancen für die CR929 lägen aber vor allem auf dem chinesischen und südostasiatischen Markt. Dort erwarte man in Zukunft die größte Nachfrage für das Flugzeug. Deshalb sei die Zusammenarbeit mit China besonders wichtig.

Schon 200 „Soft-Orders“ für die CR929?

Unterdessen sind für die CR929 offenbar die ersten Vorbestellungen eingegangen. Die Presseabteilung der Vollversammlung der Russischen Förderation sprach jüngst von 200 „Soft-Orders“, die für den Großraumjet zu Buche stünden. Dies sei ein klares Zeichen, dass die heimischen Märkte an dem Projekt Interesse hätten, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Welche Airlines konkret hinter den 200 Vorbestellungen stecken, wurde jedoch nicht näher ausgeführt. Angesichts der Tatsache, dass CRAIC nicht vor 2027 mit den ersten Auslieferungen rechnet, scheint es dafür auch noch etwas früh zu sein. Jedenfalls erklärte Russlands Stellvertretender Industrie- und Handelsminister Oleg Bocharow noch im April, dass er nicht vor 2023 mit festen Bestellungen für die CR929 rechne. Wenig überraschend nannte Bocharow in diesem Zusammenhang Russlands Staatscarrier Aeroflot und die chinesischen Staats-Airlines als mögliche Erstbetreiber.

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