Russischer Problem-Motor: Triebwerk für die Iljuschin Il-114-300 bewährt sich

Triebwerk für die Iljuschin Il-114-300
Der russische Problem-Motor knackt 2000 Flugstunden

ArtikeldatumVeröffentlicht am 29.08.2025
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Das Klimow TW7-117ST-01 bewährt sich: Russlands problematischer Turboprop-Motor hat nach Angaben der staatlichen Flugzeugbau-Holding UAC über 2000 Stunden als Antrieb der Iljuschin Il-114-300 hinter sich gebracht, nachdem er zuvor lange Zeit mit einem Flugverbot belegt war. Die Zahl sei innerhalb von gut 250 Flügen mit dem neuen Regionalflugzeug gesammelt worden, schreibt UAC – und bezieht sich wohl auf die Gesamtlaufleistung beider Motoren an Bord der Il-114-300, von der aktuell zwei Exemplare die Zulassungstests bestreiten.

Mit den erfolgreichen, unfallfreien Tests habe das TW7-117ST-01, das an der Il-114-300 beim Start bis zu 3.100 PS entfalten soll, seine Leistung und Zuverlässigkeit bestätigt, heißt es aus Russland. Zugleich betonte der Pressedienst des für das Triebwerk verantwortlich zeichnenden Motoren-Konsortiums United Engine Corporation (UEC), dass man dennoch weiter an dem Motor arbeite, um ihn für den Betrieb in Russlands neuem Turboprop-Airliner zu optimieren. Dies geschehe sowohl über Detail-Verbesserungen am Design als auch über die Software, so UEC.

Triebwerk mit dunkler Vergangenheit

Bei den Optimierungsmaßnahmen gehe es vor allem um mehr Lebensdauer und höhere Betriebssicherheit, führt der russische Triebwerkshersteller näher aus. Hier hatten die Ingenieure der UEC-Tochter Klimow in den vergangenen Jahren einiges an Arbeit zu bewältigen, denn die erste Ausführung des TW7-117ST trug Schuld an einem dunklen Kapitel der jüngeren russischen Flugzeugbau-Historie: Am 17. August 2021 stürzte das einzige flugfähige Exemplar des mit demselben Triebwerkstyp ausgestatteten Militärtransporters Il-112W infolge eines Brands im rechten Motor in Kubinka vor den Toren Moskaus ab, alle drei Besatzungsmitglieder fanden den Tod.

Während das Projekt Il-112W später komplett auf Eis gelegt wurde, musste UAV auch die Flugtests mit der Il-114-300 aussetzen, was das Programm im Zeitplan stark zurückwarf. Erst im März 2024 hob auf dem MiG-Werksflugplatz in Luchowizy, wo der 68-Sitzer gebaut wird, wieder eine Il-114-300 zu einem Testflug ab – mit überarbeiteten Triebwerken.

Brandschutz im Fokus

Im Zuge der Modifikationen des TW7-117-ST habe man unter anderem "die Öl- und Drainagesysteme so modifiziert, dass im Falle eines Brandes kein einziger Tropfen Öl oder Treibstoff" in falsche Kanäle gelangen kann, wie Klimow-Chefdesigner Wsewolod Elisejew im Spätherbst 2023 gegenüber Pressevertretern ausführte. Außerdem habe man einzelne Komponenten gegen Pendants aus anderen Materialien ersetzt. Bevor es anschließend wieder in die Luft gehen durfte, sei das übearbetete Triebwerk am Boden "mehr als 40 Brandtests" unterzogen worden, so Elisejew.

Iljuschin Il-114-300, Erstflug des dritten Prototyps in Russland.
Rostec / UAC (OAK)

Flugtests in vollem Gange

Die aktuell auf Hochtouren laufende Erprobung der Il-114-300 läuft seither in Luchowizy und Schukowski auf Hochtouren. Im ersten Halbjahr 2025 haben die Testflugzeuge mit den Kennungen 54115 und 54116 laut Angaben des Herstellers 176 Flüge absolviert, waren zusammen im Schnitt also fast täglich in der Luft. UAC rechnet weiter mit der Musterzulassung bis Ende 2025 und will im Frühjahr 2026 mit der Auslieferung der ersten Il-114-300 an kommerzielle Airlines beginnen. Erstkunde Red Wings wird im Zuge dessen wohl auch die beiden jetzt im Testbetrieb aktiven Prototypen übernehmen.