Erst vor Kurzem haben die Russen den Prototyp ihres auf links gekrempelten Passagierjets MS-21 vom Produktionswerk im sibirischen Irkutsk zum Testzentrum nach Schukowski überführt. Den 4.300 Kilometer langen Nonstopflug am 13. November hatte der Zweistrahler mit der Testkennung 73057 in sechs Stunden und 15 Minuten absolviert – und dabei laut der verantwortlichen Crew etwa 15 Tonnen Kerosin verbraucht.
Jetzt geht es für die erste vollwertige MS-21rus ohne westliche Bauteile in Schukowski ans Eingemachte: Auf dem Flughafen vor den Toren Moskaus startete die 73057 in dieser Woche offiziell in die Flugerprobung. Dort muss sich das wichtigste Projekt der zivilen Luftfahrtindustrie Russlands in den kommenden Monaten beweisen – um möglichst im kommenden Jahr den Segen der russischen Luftfahrtbehörde Rosawiazija zu erhalten.
Die Flugtests für die angestrebte Zulassung der "russifizierten" MS-21 sind in Schukowski schon eine Zeitlang im Gange – wurden bis jetzt aber einzig von der nur zu großen Teilen auf russische Systeme umgerüsteten Maschine mit der Kennung 73055 bestritten. Diese weilt bereits seit Mai in Schukowski.

Die MS-21-310 mit der Testkennung 73057 ist die erste "russische Vollversion" der ursprünglich mit hohem Westanteil entworfenen Jakowlew MS-21.
Zwei Prototypen für die Flugerprobung
Laut dem Chefkonstrukteur der MS-21, Vitali Naryschkin, sind für das runderneuerte Flugzeugmuster zwischen 220 und 230 Testflüge vorgesehen, um alle Aspekte im Lastenheft abzuarbeiten und "die Sicherheit der neuen Flugzeugversion vollständig zu bestätigen." Schukowski diene dafür als primärer Teststützpunkt.
Spezielle Bereiche werde man allerdings an anderen, besser dafür geeigneten Standorten erproben, so Naryschkin weiter. So sind etwa die Tests der Enteisungssysteme im nordrussischen Archangelsk vorgesehen. Die Zertifizierung der MS-21 "mit Importersatz" soll nach Angaben des staatlichen Flugzeugbau-Konsortiums UAC (OAK) bis Ende 2026 abgeschlossen sein.

Die Zulassung der Iljuschin Il-114-300 verschiebt sich - nach jüngstem Planungsstand - von Ende 2025 auf das erste Quartal 2026.
Il-114-300 kommt doch erst 2026
Bereits ein Jahr früher, Ende 2025 nämlich, war eigentlich die Musterzulassung für das neue Regionalflugzeug Iljuschin Il-114-300 erwartet worden. Doch kürzlich mussten die Verantwortlichen eingestehen, dass dieses Ziel wohl nicht erreichbar ist. Stattdessen rechnen Politik und Industrie in Russland nun erst "im ersten Quartal des nächsten Jahres" mit dem ersehnten Zertifikat für die Il-114-300, die aus diversen Gründen ohnehin schon mehrere Jahre Verspätung hat.
Iljsuchin-Geschäftsführer Daniil Brenerman äußerte sich auf der Dubai Airshow vergangene Woche dennoch zuversichtlich, dass die ersten Auslieferungen des Turboprop-Musters an russische Fluggesellschaften trotz der neuerlichen Planverschiebung im August 2026 starten könnten.





