Es ist tatsächlich eher eine Manufaktur denn eine echte Endmontagelinie, die da in Woronesch im russischen Föderationskreis Zentralrussland alle paar Jahre und in unregelmäßigen Abständen eine neue Iljuschin Il-96 erstehen lässt. Der russische Großraumjet ist ein Relikt aus der Endphase der Sowjetunion und konnte sich auf dem Markt für Langstrecken-Passagierflugzeuge nie wirklich behaupten. Seit dem Jungfernflug des ersten Prototyps im September 1988 verließen lediglich rund drei Dutzend Exemplare die Werkshallen. Heute steht die Il-96 als Passagierjet nur noch für Regierungen im Einsatz – selbst die kubanische Fluglinie Cubana, formell der letzte kommerzielle Betreiber des Musters, nutzt ihre einzige flugklare Il-96-300 seit geraumer Zeit lediglich für Staatsflüge.
Die größte Il-96-Flotte findet sich im Inventar der russischen VIP-Spezialflugstaffel SLO Rossija, die von ihrer Basis Moskau-Wnukowo aus Regierungsvertreter in alle Welt befördert. Für Langstreckeneinsätze kommen dafür bevorzugt Il-96-300 zum Zug, auch Präsident Wladimir Putin stehen drei speziell ausgerüstete Exemplare als "fliegender Kreml" zur Verfügung.

Die Feinarbeit in der Lackierhalle, etwa das Anbringen der Schriftzüge, wird laut UAC bevorzugt der weiblichen Belegschaft anvertraut.
30 Lackierer für eine Iljuschin
Im WASO-Flugzeugwerk Woronesch, der Wiege aller Il-96, parkt aktuell wieder eine nagelneue Il-96-300 im Lackierhangar. Für wen sie bestimmt ist, ist nicht offiziell verbrieft – die Bilder, die das staatliche russische Flugzeugbau-Konsortium UAC jedoch über seinen Telegram-Kanal vom Lackierprozess des Retro-Widebodies veröffentlichte, lassen jedoch abermals das Farbkleid der staatlichen Spezialflugstaffel erahnen.
22 Tage lang dauert der Lackierprozess für eine Il-96 nach Angaben von UAC. Für den vollständigen Anstrich benötigen die WASO-Fachkräfte rund eine Tonne Farbe, inklusive der Grundierung, die in zwei Schichten aufgetragen wird – zuerst grün, dann grau. "Alle Farben und Verbrauchsmaterialien stammen aus heimischer Produktion", unterstreicht UAC. Insgesamt 30 Flugzeuglackierer wirken mit, dass nach drei Wochen Arbeit – fünf Tage Trocknungsphase inbegriffen – eine frisch gestrichene Il-96 aus dem Hangar rollt.

22 Tage Zeit und rund eine Tonne Grundierung und Farbe braucht es laut Hersteller, um eine Il-96-300 zu lackieren.
Verspätete Il-96 für die Regierung?
Um welche Il-96 es bei der auf den Fotos abgebildeten Maschine konkret handelt, ist unklar. Vermutlich ist es das Flugzeug, für das WASO im März 2024 den Beginn der Endmontage annoncierte. Womöglich handelt es sich aber auch um die Schwestermaschine, die sich seinerzeit laut Angaben des Flugzeugwerks ebenfalls im Bau befand. Beide Iljuschins hätten eigentlich 2025 fertig werden sollen, wie es damals hieß. Anscheinend hat sich die Herstellung geringfügig verzögert.





