Die letzte ausgelieferte An-124 soll bald wieder fliegen Chris Finney (GFDL 1.2)
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Russland will eingemottete An-124 reaktivieren

Seit zehn Jahren am Boden Die letzte ausgelieferte An-124 soll bald wieder fliegen

Russlands Regierung will eingemottete Jets wieder flott machen – unter anderem auch eine Antonow An-124. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird es sich dabei um die RA-82080 handeln. Die steht seit zehn Jahren eingemottet in Uljanowsk – ist technisch aber noch blutjung.

Sie ist die letzte An-124, die je vollendet wurde – und sie flog nur knapp acht Jahre lang. Im Juni 2004 startete die als RA-82080 registrierte Antonow an ihrem Entstehungsort Uljanowsk zum ersten Mal. Kurz nach dem Jungfernflug lieferte das Flugzeugwerk Aviastar-SP die Antonow an Polet Airlines aus Woronesch aus. Dort sammelte sie laut der Datenbank russianplenes.net zwischen 2004 und 2012 ganze 8.000 Flugstunden. Seitdem steht sie in Uljanowsk tatenlos herum. Doch das soll sich nun bald ändern.

Dmitry Avdeev (CC BY-3.0)
Von 2004 bis Anfang 2012 war die RA-82080 für Polet Airlines aktiv. Seither ist sie in Uljanowsk eingelagert.

Langjähriger Ladenhüter

Denn gemäß Recherchen des russischen Telegram-Kanals takeoff_ru ist die RA-82080 Teil des Plans zur Reaktivierung von insgesamt elf in Russland hergestellten, aber derzeit stillgelegten Flugzeugen. Dieses vom Industrie- und Handelsministerium ausgegebene Vorhaben listet neben acht Tupolew Tu-204/214 und zwei Iljuschin Il-96 auch eine An-124 auf – eben mutmaßlich die RA-82080. Die wurde, aufgrund überbordender Schulden, Anfang 2012 bei Polet außer Dienst gestellt und an die Leasinggesellschaftz Ilyushin Finance (IFC) übergeben. IFC parkte die Maschine in Uljanowsk. Polet selbst musste Ende 2014 den Betrieb ganz einstellen.

In den Folgejahren versuchte IFC mehrfach, das Flugzeug bei einem anderen Nutzer unterzubringen. Doch ein bereits avisierter Deal mit Silk Way aus Aserbaidschan kam nie zustande und auch sonst schien sich niemand für die An-124 zu interessieren. Im Oktober 2019 konstatierte die russische Wirtschaftszeitung Kommersant, IFC könne für die RA-82080 "keinen Käufer finden". Der Frachter sei außerdem nicht flugbereit, weil ihm zahlreiche Teile fehlten. Eine Wiederherstellung würde ein Jahr Zeit in Anspruch nehmen.

Simon Boddy (CC BY-SA 2.0)
Die 2004 vollendete An-124 hat erst rund 8.000 Flugstunden absolviert - und damit technisch noch jede Menge Stunden vor sich.

"Frischling" für Volga-Dnepr

An diesem Zeitfenster dürfte sich bis heute wenig geändert haben. Angesichts der großen Flugstunden-Ressourcen, die noch in der Zelle schlummern, scheint es aber durchaus lohnenswert, das Flugzeug wiederzubeleben. Zu vermuten ist, dass die RA-82080 anschließend zur Volga Dnepr-Flotte stößt. Die hat im Jahr 2015 bereits zwei An-124 aus der Konkursmasse von Polet Airlines übernommen – und durch die gegen Russland gerichteten Sanktionen den Zugriff auf vier im Ausland weilende An-124 zumindest vorübergehend verloren. Diese Flugzeuge standen zum Zeitpunkt des russischen Angriffs auf die Ukraine in Leipzig und Toronto und wurden später, infolge eines ukrainischen Gerichtsbeschlusses, von den jeweiligen Behörden konfisziert. Eine weitere An-124, die RA-82042, hängt seit einer Havarie mit anschließender Notlandung auf dem Flughafen Nowosibirsk fest. Ob sie je wieder fliegt, ist fraglich.

Unabhängig davon sind die An-124 von Volga-Dnepr im Schnitt fast 29 Jahre alt und haben entsprechend viele Stunden auf dem Buckel. Über einen reaktivierten "Frischling" wie die RA-82080 dürfte man sich bei der Cargo-Airline sicher nicht beschweren. Auch wenn seit dem 24. Februar ein großer Teil der ausländischen Frachtkunden weggebrochen ist.

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