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Die (derzeit) einzige Il-96 im Passagierdienst

Seltener Vierstrahler Die (derzeit) einzige Il-96 im Passagierdienst

Vierstrahler werden am Himmel zunehmend seltener. Für ein Muster aus dem Osten gilt das ganz besonders: Die Iljuschin Il-96 war schon immer eine Rarität, und ist es heute erst recht. Nur ein einziges Exemplar weltweit fliegt derzeit in kommerziellen Diensten.

Sie war einst als Konkurrenz zu den Airbus-Jets A330 und A340 angetreten – doch sie wurde ein Opfer der Geschichte und ihrer eigenen Unwirtschaftlichkeit. Großer Erfolg jedenfalls war der Iljuschin Il-96 nie beschieden. 1988 erstmals in der Luft, kämpfte der Vierstrahler schon seit seinen ersten Tagen mit schleppenden Verkäufen. Die klammen Airlines des Ostens nutzten nach dem Fall des Eisernen Vorhangs lieber ihre alten Il-62M weiter oder stiegen gleich auf westliches Gerät um.

Als Passagierjet kam die Il-96 in der Standardversion -300 selbst in Russland kaum zum Zug. Mit Kras Air, Domodedowo Airlines und Flag Carrier Aeroflot nutzten immerhin drei russische Airlines zeitweise ihre Dienste. Doch die beiden Erstgenannten gingen 2008 pleite und Aeroflot schickte ihre letzte Il-96 im Frühjahr 2014 in den Ruhestand. Nur der Staat beschaffte eine Flotte für den VIP-Dienst und setzt diese noch heute ein. Vor knapp einem Jahr kam sogar ein neues Flugzeug dazu.

Patrick Zwerger
Angetrieben wird die Il-96-300 von vier Awiadwigatel PS-90A-Turbofans. Jedes Triebwerk leistet 160 kN Schub.

Nur Cubana blieb übrig

So kam es, dass am Ende weltweit nur noch ein ziviler Betreiber der Il-96 die Stange hielt: Cubana, die staatliche Fluggesellschaft Kubas, hatte zwischen 2005 und 2006 drei werksneue Il-96-300 erhalten, die im Flugzeugwerk Waso in Woronesch gebaut worden waren. Die Jets bekamen die Kennungen CU-T1250, CU-T1251 und CU-T1254. Cubana setzte die Maschinen fortan vorrangig auf Langstrecken ein, so unter anderem auch in die europäischen Städte Madrid, Paris und zeitweise Rom. Im September 2014 übernahmen die Kubaner mit der CU-T1717 noch eine weitere Il-96-300, die zuvor für Aeroflot geflogen war. Sie trägt noch heute die silber-blauen Grundfarben des russischen Carriers. Mit Baujahr 1993 zählt sie zu den ältesten Maschinen ihrer Zunft. 2005 legte sie während eines 18-stündigen Testfluges eine Strecke von 14.840 Kilometern zurück. Das ist bis heute Rekord für die Il-96.

Caholguin109 (CC BY-SA 4.0)
Flughafenmitarbeiter beladen die CU-T1717 mit Fracht. Das ist längst vorbei: Seit 2018 steht die Il-96 mit Aeroflot-Grundfarben untätig herum.

Vier, zwei, eins

Doch geflogen, das ist die heutige CU-T1717 schon lange nicht mehr. Stattdessen steht sie seit 2018 untätig auf dem Vorfeld des Flughafens José Martí in Havanna und rottet vor sich hin. Ob sie jemals wieder abhebt, scheint fraglich, womöglich nutzt Cubana den fast 30 Jahre alten Jet heute als Teilespender.

Auch die CU-T1254 wurde zuletzt abgestellt in Havanna gesichtet und ist seit mehreren Jahren nicht mehr in der Luft gewesen. Damit bestand die aktive Il-96-Flotte von Cubana bis Mitte 2021 aus zwei Maschinen: der CU-T1250 und der CU-T1251. Beide waren im vergangenen Jahr sporadisch als Cubana-Flug CU470/471 auch wieder in Madrid anzutreffen. Seit Juli 2021 befindet sich die CU-T1251 allerdings in der Wartung. Ob und wann sie in den Dienst zurückkehrt, ist unklar. So bleibt mit der 16 Jahre alten CU-T1250 derzeit noch genau eine Il-96 weltweit, die im zivilen Passagierdienst zum Einsatz kommt.

Moskau und Cayo Coco

Bei den jüngsten Einsätzen der Maschine seit Anfang Januar scheint es sich jedoch vornehmlich um Charterflüge zu handeln. So flog die Iljuschin zuletzt mehrfach zwischen Moskau und Havanna. Zuletzt wurde sie in dieser Woche auf dem Routing zwischen Buenos Aires und der kubanischen Ferieninsel Cayo Coco gesichtet. Die Linienflüge nach Madrid hat Cubana derweil an einen anderen Vierstrahler abgegeben: das Flugpaar CU470/471 absolviert momentan ein Airbus A340-300 der spanischen Gesellschaft PlusUltra.

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