Sitze der Iljuschin Il-114-300: Russische Passagiere dürfen Platz nehmen

Sitze der Iljuschin Il-114-300
Hier dürfen bald russische Passagiere Platz nehmen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.03.2026
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Im Zuge der westlichen Sanktionen gegen Russland sind die russischen Flugzeugbauer genötigt, möglichst alle Komponenten ihrer neuen Passagierflugzeuge selbst zu fertigen. Das gilt für elementare Bereiche wie die Triebwerke und die Avionik ebenso wie für vermeintliche "Details" – zum Beispiel die Kabineneinrichtung. Dass das alles andere als trivial ist, zeigten vor rund zwei Jahren die Crashtests mit vom Hersteller Aviation Interiors JSC aus Woronesch für den Superjet SJ-100 entwickelten Sitzen russischer Herkunft: Diese hielten im Versuch mehrfach den vorgeschriebenen Belastungsprüfungen nicht stand und mussten wiederholt modifiziert werden.

Inzwischen scheint man das Problem mit den Superjet-Sitzen im Griff zu haben – zumindest hörte man aus Russland seither nichts Gegenteiliges mehr. Bei der Turboprop-Hoffnung Il-114-300, die im russischen Regionalverkehr die Westmuster Dash-8 und ATR-72 sowie alte Sowjet-Antonows ersetzen soll, ist jedenfalls behördenseitig alles in Ordnung mit den Passagiersitzen. Das Gestühl der Il-114-300, ebenfalls von Aviation Interiors JSC entwickelt, erhielt kürzlich offiziell den Segen der Föderalen Agentur für Lufttransport, Rosawiazija.

Sitze der Il-114-300 im Test

Die Sitze vom Typ RA60 entsprächen nach eingehender Prüfung den geltenden Qualitätsstandards, gab Rosawiazija am 25. März in einer Pressemitteilung bekannt. Die unter Aufsicht der Luftfahrtbehörde unternommenen Tests bestätigten demnach, "dass die RA60-Sitze die Lufttüchtigkeitsanforderungen hinsichtlich struktureller Integrität, Feuerbeständigkeit und Passagiersicherheit erfüllen." Die Bewertung umfasste laut Rosawiazija "dynamische Belastungstests unter Notlandebedingungen, Materialrauch- und Toxizitätsanalysen sowie Evakuierungsleistungsprüfungen." Die Zertifizierung sei nach AP-25-Standards erfolgt, die "mit internationalen Lufttüchtigkeitsvorschriften harmonisiert" seien.

Der bei Rosawiazija für die Begutachtung der Tests verantwortliche Ingenieur Dmitri Kopysow unterstrich: "Selbstverständlich ist die Sicherheit der Passagiere, sowohl im Normalflug als auch in Notfallsituationen, das oberste Kriterium bei der Bewertung der Sitze. Sie müssen robust und zuverlässig sein." Kaum weniger wichtig aber werte man den Komfort der Passagiere, "da die Il-114-300 auf Regionalstrecken eingesetzt wird, auch in den anspruchsvollen Klimazonen Sibiriens und des Fernen Ostens." Aus diesem Grund habe er auf der Messe Wings India im Frühjahr die Sitze auch selbst dahingehend getestet, so Kopysow.

Passagiersitze der Iljuschin Il-114-300 aus Russland.
Rostec / UAC (OAK)

Wichtige Zulassungsvoraussetzung

Für die staatliche United Aircraft Coroporation (UAC) und deren Tochter Iljuschin bedeutet die Zulassung der in der Il-114-300 verbauten Sitze einen wichtigen Schritt hin zur finalen Musterzulassung, die nach aktuellem Planungsstand im Mai 2026 erwartet wird. "Die Zertifizierung der RA60-Sitze stellt einen der letzten Schritte im Programm dar und bestätigt die Einsatzbereitschaft des Flugzeugs für den kommerziellen Passagierbetrieb", schreibt UAC dazu.

Die Sitzzulassung sei ein obligatorischer Bestandteil des Musterzulassungsverfahrens für Luftfahrzeuge, ergänzt Rosawiazija. Ohne offiziell zertifizierte Sitze ist der Abschluss der Musterzulassung für das Flugzeug folglich nicht erreichbar.

Kompletter Sitz aus einer Hand

Die komplette Kabine der Il-114-300 wird im Rahmen des vom Kreml forcierten Programms zur Importsubstitution von russischen Zulieferern gefertigt. Damit wollen die Russen ihre Abhängigkeit von ausländischen Unternehmen auch auf diesem Segment minimieren. Laut Roman Ramasanow, dem Geschäftsführer von Aviation Interiors aus Woronesch, bringt eine Zweiersitzeinheit für die Il-114-300 dank moderner Fertigungstechnologien und dem Einsatz von Kohlefaser lediglich 18,5 Kilogramm auf die Waage. Der Sitz sei damit nicht nur sicher und komfortabel, sondern auch sehr leicht.

"Wir haben zudem den gesamten Produktionszyklus in unseren eigenen Werken realisiert – von der Gurtkonstruktion über die Endmontage der Sitze bis hin zum Kundendienst", so Ramasanow weiter. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen auch in die Entwicklung weiterer Sitzmodelle für zukünftige russische Passagierflugzeuge einfließen.