Als Erstes gab sich ein Prototyp des Superjet SJ-100 in Archangelsk die Ehre: Die SJ-100 mit dem Test-Kennzeichen 97023 landete am 12. März auf dem Flughafen der nordrussischen Stadt – nach einer Stunde und 40 Minuten Flugzeit, aus Schukowski kommend. Archangelsk wählten die Test-Ingenieure als Schauplatz, um den vollständig auf russische Teile umgebauten Superjet unter natürlichen Vereisungsbedingungen zu erproben.
Das Testprogramm umfasst laut Angaben des staatlichen Flugzeugbau-Konsortiums UAC eine Reihe von Flügen über dem Weißen Meer bei stabilen Wetterbedingungen, die die Eisbildung an der Flügelvorderkante, den Lufteinlässen der Triebwerke und anderen Flugzeugkomponenten begünstigen. "Hohe Luftfeuchtigkeit, Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und Wolken mit unterkühlten Tröpfchen schaffen die notwendigen Bedingungen für natürliche Vereisung, die bei Bodentests nicht erreicht werden können", heißt es aus Russland weiter.
Tatsächlich ist die Oblast Archangelsk mit ihrer geografischen Lage am Weißen Meer im Frühjahr offenbar perfekt für derlei Testkampagnen, nutzt UAC den örtlichen Airport Talagi doch nicht zum ersten Mal dafür.

Der Superjet SJ-100 mit der Kennung 97023 (Seriennummer 97003, Taufname Juri Iwaschechkin) war der erste Superjet ohne westliche Teile. Am 12. März landete er für Vereisungstests in Archangelsk.
Drei neue Flugzeuge auf einen Streich
Noch nie zuvor allerdings waren auf besagtem Flughafen Prototypen dreier neuer russischer Passagierflugzeuge gleichzeitig zu Gast. Mit Ankunft der Jakowlew MS-21-310 (Kennzeichen 73057) am 14. März und schließlich der Landung beider Test-Exemplare der Iljuschin Il-114-300 (54115 und 54116) am 17. März sorgte UAC somit für eine historische Premiere.

Auch die Il-114-300 unterzieht sich den Vereisungstests in Archangelsk.
Mit Vereisungstests auf die Zielgerade
Die Bündelung der Aktivitäten zeugt davon, dass Russlands Luftfahrtindustrie die drei wichtigen zivilen Programme nach jahrelanger Verspätung nun möglichst effizient und schnell zur Serienreife entwickeln will. Tests mit natürlicher Vereisung sind ein obligatorischer Bestandteil des Zertifizierungsprogramms. Sie liefern wichtige Daten darüber, wie die Aerodynamik, die Triebwerke und die Bordsysteme der Flugzeuge auf Eisbildung an kritischen Oberflächen reagieren. Die in Archangelsk versammelten Prototypen sind zu diesem Zweck mit entsprechenden Geräten zur Messung der Vereisung im Flug ausgestattet.

MS-21-310 (vorn) und Superjet (startend im Hintergrund) teilen sich den Flughafen Talagi mit zwei Il-114-300.
Zulassungstermine stehen
Unterdessen hat die russischen Zivilluftfahrtagentur Rosawiazija die voraussichtlichen Zulassungstermine für alle drei neuen Muster bekanntgegeben. Wie Rosawiazija-Chef Dmitri Jadrow gegenüber der Nachrichtenagentur Tass erläuterte, soll die Turboprop-Zweimot Il-114-300 im Mai 2026 zertifiziert werden, der Regionaljet SJ-100 im Juli und das Mittelstreckenflugzeug MS-21-310 im Oktober 2026. Das neue Triebwerk des "russifizierten" Superjet SJ-100, das PD-8 von Awiadwigatel, soll seine Zulassungspapiere im April dieses Jahres erhalten.





