Die russische Luftfahrtindustrie buhlt weiter vehement um den indischen Markt. Dabei erstrecken sich die Bemühungen nicht nur auf den militärischen Bereich, wo man den Indern gern die Suchoi Su-57 samt Lizenzproduktion verkaufen möchte, sondern verstärkt auch auf den zivilen Sektor. Es ist deshalb kein Zufall, dass die Russen ausgerechnet Indien auserwählt haben, Schauplatz des internationalen Publikumsdebüts von gleich zwei neuen russischen Passagierflugzeugen zu werden.
Anlass ist die Messe Wings India, die vom 28. bis 31. Januar im südindischen Hyderabad stattfindet – und nach eigener Auskunft als größte und bedeutendste zivil orientierte Luftfahrtschau in Asien gilt. Die United Aircraft Corporation (UAC), Russlands staatliches Flugzeugbaukonsortium, wird in diesem Jahr die russische "Vollversion" des neu aufgezogenen Jakowlew Superjet SJ-100 in Hyderabad zeigen. Außerdem schicken die Russen einen Prototyp der Iljuschin Il-114-300 mit voll ausgestatteter Passagierkabine zur Messe, der das anwesende Publikum nicht nur am Boden, sondern auch mit seinen Flugdarbietungen am Himmel beeindrucken soll.
Il-114-300 im Flugprogramm
Die Il-114-300 befindet sich derzeit auf der Zielgeraden zur Musterzulassung, die nach aktuellem Stand für das erste Quartal 2026 eingeplant ist. Das mit zwei Propellerturbinen des Typs Klimow TW7-117ST-01 ausgerüstete Flugzeug soll im innerrussischen Regionalverkehr sowohl westliche Typen à la ATR-72 als auch alte Maschinen sowjetischen Ursprungs wie die Antonow An-24 ersetzen. In dieser Rolle soll der Tiefdecker vor allem mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten auch unter rauen klimatischen Bedingungen glänzen. "Die Il-114-300 wird für den Einsatz in einem weiten Bereich von Klimazonen zertifiziert – von arktischen Breiten und sibirischen Weiten bis hin zu Bergregionen und Gebieten mit tropischem, subtropischem und heißem Klima", schreibt UAC.

Die Iljuschin Il-114-300 soll noch im ersten Quartal 2026 ihre Zulassung erhalten. Im Ausland war sie bislang nicht öffentlich zu sehen.
"Lasst die einfachen Bürger des Landes fliegen"
Indiens Regierung ist seit Jahren bestrebt, den inländischen Kurzstreckensektor im Luftverkehr auszubauen, Regionen untereinander zu vernetzen, neue Regionalflughäfen zu bauen und das Fliegen im Land per se für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglicher zu machen. Unter der Bezeichnung UDAN (Ude Desh ka Aam Naagrik, Hindi für "Lasst die einfachen Bürger des Landes fliegen") existiert seit 2016 ein eigenes staatliches Programm dafür.
UAC sieht Russland für dieses Programm als idealen strategischen Partner, verbinde beide Nationen doch eine langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit. UDAN schaffe vor diesem Hintergrund "gute Voraussetzungen für den kommerziellen Erfolg von SJ-100 und Il-114-300 auf dem lokalen Markt", heißt es seitens des russischen Flugzeugbauers.

Die Russen schicken einen vollständig mit Systemen und Kabine aus russischer Produktion ausgestatteten Superjet SJ-100 nach Hyderabad.
Indien als "verlängerte Werkbank"
Gleichzeitig sind sich die Russen bewusst, dass ihre limitierten Fertigungskapazitäten und noch im Aufbau befindlichen Support-Netzwerke für die ins Schaufenster gestellten Flugzeugtypen den (internationalen) Verkaufserfolg von Il-114, Superjet und Co. naturgemäß begrenzen. Es entspringt somit einem durchaus auch egoistischen russischen Interesse, die indische Luftfahrtindustrie im großen Stil mit ins Boot zu holen.
Hier schickt UAC vor allem den Jakowlew Superjet ins Rennen, für den in Indien bei Hindustan Aeronautics eine Endmontagelinie entstehen soll. Eine entsprechende Absichtserklärung – mehr ist es bis jetzt noch nicht – unterzeichneten beide Parteien am 28. Oktober des vergangenen Jahres in Moskau.
Superjet-Weltpremiere in Hydarabad
Um die indischen Entscheider und die Öffentlichkeit mit dem Superjet zu bauchpinseln, entsendet UAC in diesem Jahr eine "russifizierte" SJ-100 mit spezieller Lackierung nach Hydarabad, die Elemente der indischen Nationalflagge enthält. Das Flugzeug, das am 5. September 2025 seinen Erstflug absolvierte, ist außerdem vollständig mit einem Innenraum aus russischer Produktion sowie "mit russischen Systemen und Aggregaten" ausgestattet und fliegt mit russischen PD-8-Turbofans von Awiadwigatel. Damit entspricht der gezeigte Prototyp laut UAC dem Serienstandard und wird in dieser Ausführung erstmals überhaupt in der Öffentlichkeit präsentiert. Allerdings, im Gegensatz zur Il-114-300, nur in der statischen Ausstellung am Boden.





