Treibstoffsparen in Formation: A350 treffen sich über dem Atlantik

Treibstoffsparen durch Formationsflug
Airbus A350 treffen sich über dem Atlantik

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.03.2026
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Einer vorneweg, die anderen versetzt hinterher: Wenn große Vögel in den Süden ziehen, fliegen sie oft in einer V-Formation. Die hinterherfliegenden Vögel sparen ihre Kräfte, indem sie die Luftverwirbelungen des vorausfliegenden Tieres nutzen. Dass sich dieses Prinzip auch auf Verkehrsflugzeuge übertragen lässt, hat Airbus bereits vor einigen Jahren in seinem Projekt "fellow'fly" gezeigt. Der europäische Flugzeughersteller nennt es "Wake Energy Retrieval" (Wirbelschleppenenergie-Rückgewinnung). Flugversuche und Simulationen zeigen, dass sich damit bis zu fünf Prozent Treibstoff auf Langstrecken einsparen ließen.

Doch wie lassen sich Formationsflüge in den Airline-Betrieb und in Flugsicherungsprozesse integrieren? Damit beschäftigt sich seit 2023 das auf drei Jahre angelegte Projekt GEESE (Gain Environmental Efficiency by Saving Energy, auf Deutsch: Mehr Umwelteffizienz durch Energieeinsparung; das englische Wort "Geese" heißt Gänse), das im Rahmen von SESAR-3 (Single European Sky ATM Research 3) läuft und mit zehn Millionen Euro von der EU unterstützt wird. Geleitet wird GEESE von Airbus, beteiligt sind Air France, Delta Air Lines, French bee, Virgin Atlantic, sowie AirNav Ireland, DSNA, Eurocontrol und NATS.

Wichtige Vorarbeit

Im September und Oktober 2025 haben die GEESE-Projektpartner Versuche mit mehreren Airbus A350 der beteiligten Airlines über dem Nordatlantik durchgeführt. Dabei gelangen acht von elf Pairing-Versuchen, wie Airbus Ende Februar mitteilte. Bei den Versuchen ging es vor allem darum, zu testen, wie diese Flüge innerhalb des Flugsicherungs-Ökosystems bis zu ihrem Treffpunkt miteinander interagieren. Tatsächliche Formationsflüge wurden nicht durchgeführt. Der erfolgreiche Rendezvous-Kopplungsprozess sei jedoch ein entscheidender erster Schritt in Richtung dieses Ziels, so Airbus.

Bei den im Herbst durchgeführten Versuchen erreichten nach Angaben von Airbus 75 Prozent der Flüge (sechs Stück) den Treffpunkt zur geplanten Zeit. Die Tests hätten bestätigt, dass das von Airbus entwickelte "Pairing Assistance Tool" zwei Flugzeuge, die von unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten starten, an einem geografischen Punkt zusammenbringen und so eine Rendezvous-Kopplung simulieren könne. Airbus sieht für die sechs Flüge, bei denen das Pairing zeitlich und örtlich funktionierte, ein Potenzial von zwölf Tonnen Treibstoffeinsparung – also durchschnittlich zwei Tonnen je Flug.

Vier Schritte bis zur Formation

Validiert wurde ein vierstufiger Prozess, der möglichst geringe Auswirkungen auf die Arbeit der Flugsicherung haben soll. In einem ersten Schritt berechnet das "Pairing Assistance Tool" neue Flugbahnen und gibt in Echtzeit Anweisungen zum Treffen der beiden Flugzeuge. Für die Versuche wurden die Pairings im Voraus geplant, das wäre in einem späteren Realbetrieb nicht nötig. In einem zweiten Schritt prüfen Airline-Dispatcher, Piloten und Lotsen die neuen Routen auf ihre betriebliche Machbarkeit. Gibt es grünes Licht von allen Seiten, erhalten die Piloten die neue Streckenführung als sekundären Flugplan mit GPS-Koordinaten des Rendezvous-Punktes. In einem dritten Schritt passt das hinterherfliegende Flugzeug seine Route an, indem es den sekundären Flugplan im Flugmanagementsystem (FMS) aktiviert. Durch die "Required Time of Arrival"-Funktion des FMS werden Geschwindigkeit und Richtung automatisch angepasst. Der letzte Schritt ist der sogenannte "Handschlag": Wenn die Flugzeuge am Treffpunkt ankommen, aktivieren sie die "Wake Energy Retrieval"-Funktion.

Nach den Erfolgen der jüngsten Versuche geht das GEESE-Projekt nun in die nächste Phase namens GEESE 2. Nach Angaben von Airbus hat diese Phase mehrere Ziele: weiter an der Integration von Formationsflügen in Flugsicherungsprozesse zu arbeiten und die Machbarkeit mit zusätzlichen Fluggesellschaften, in anderen Lufträumen und neuen Verkehrsflüssen zu demonstrieren sowie Verfahren für Formationsflüge im Cockpit auszureifen. Flugtests sollen wie bisher mit der vorgeschriebenen Flugzeugstaffelung durchgeführt werden. Bei GEESE 2 sind entsprechend zusätzliche Partner mit an Bord, darunter NavCanada, Lufthansa, Swiss und Thales.

Airbus will Abstand verringern

Zudem soll das "Pairing Assistance Tool” weiter innerhalb des Flugsicherungssystems getestet werden, damit sich Lotsen und Dispatcher damit vertraut machen können und auf eine zukünftige Einführung von Formationsflügen vorbereitet sind.

Airbus plant im Laufe des Jahres Testflüge, um eine industrielle Lösung zu untersuchen, die das Pairing reibungslos und sicher ermöglicht, und die mit der Ausrüstung an Bord der Kundenflugzeuge kompatibel ist. Der Flugzeughersteller will weitere Daten über die Wirbelschleppen-Aerodynamik sammeln und auch engere Formationen als bisher mit seinen eigenen Testflugzeugen fliegen. Der bislang geringste Abstand zwischen zwei A350 betrug lediglich 2,2 Kilometer.