Auf dem Gelände des Flugforschungsinstituts Gromow und des Flughafens Schukowski werden zwei Exemplare des sowjetischen Überschallverkehrsflugzeugs Tu-144 aufbewahrt. An einem davon, der Maschine mit dem Kennzeichen SSSR-77115, arbeitet seit einigen Jahren eine Gruppe von Freiwilligen. Zuletzt bauten sie eine Hilfsgasturbine (APU) vom Typ TA-6A ein, die bei Präsentationen am Boden die Stromversorgung der Bordsysteme übernehmen kann.
Initiative von Privatleuten
Die Arbeiten sind nicht staatlich beauftragt. Pawel Efter, der Teil der Freiwilligengruppe ist, erklärte, es gebe keine offizielle Entscheidung zur Restaurierung. Die Beteiligten wollten das Flugzeug als Zeugnis der Geschichte erhalten. Laut russischen Medienberichten waren außerdem die Stiftung "Legends of Aviation" und die Firma "NIK" an Reparaturen an beiden Maschinen beteiligt.
Efter dokumentiert die Arbeiten an der Tu-144 auf YouTube unter dem Namen "Restorer144". Zu sehen sind unter anderem das Einschalten von Bordnetz und Batterien, Tests von Cockpitinstrumenten, Beleuchtung und Brandmeldeanlage, das Aufpumpen der Reifen sowie das Heben und Senken der Rumpfspitze.
Die 77115 war über zwei Jahrzehnte hinweg regelmäßig auf der russischen Luftfahrt- und Raumfahrtmesse MAKS ausgestellt. Die Messe fand zuletzt 2021 statt. Für 2027 wird eine Neuauflage erwartet, eine Bestätigung gibt es bislang nicht.
Eine Schwestermaschine, die Tu-144 mit dem Kennzeichen 77114, steht seit August 2019 auf einem Sockel vor dem Flughafen. Sie wurde zuvor zum Forschungsflugzeug Tu-144LL umgebaut und mit Kusnezow NK-32-Triebwerken aus dem Mach 2-Bomber Tu-160 ausgerüstet. Zwischen Juni 1996 und April 1999 setzte die NASA sie in einem gemeinsamen Programm mit russischen Partnern ein, um Technologien für ein künftiges Überschallverkehrsflugzeug zu erproben. Heute trägt sie die Farben der Aeroflot.

Bis 2021 war die Tupolew auf der Luftfahrtmesse regelmäßig zu sehen.
Erstes Überschall-Passagierflugzeug
Die Tu-144 flog erstmals am 31. Dezember 1968, etwa zwei Monate vor der Concorde. Im Linienverkehr flog die Maschine nur zwischen Moskau und Almaty mit gut hundert Flügen in den Jahren 1977 und 1978. Die Produktion endete 1982.
Neues Überschallprojet aus Russland
Der Chef des Flugzeugbauers UAC (OAK), Wadim Badecha, bestätigte im Juni 2026 gegenüber der Agentur TASS, dass in Russland ein neues Überschall-Passagierflugzeug entwickelt wird. Ein Prototyp entstehe im Nationalen Forschungszentrum Schukowski. [Link auf https://www.flugrevue.de/zivil/arbeit-nicht-mehr-nur-auf-papier-prototyp-fuer-ueberschall-passagierjet-in-arbeit/]
Das Konzept sieht laut Andrei Popow, Ingenieur für unbemannte Fluggeräte beim Staatlichen Forschungsinstitut für Luftfahrtsysteme, keine Cockpitfenster vor, sondern "eine gerade, scharfe Nase ohne Windschutzscheibe".





