in Kooperation mit

Unvergessene Ikonen

Die Concorde-Flotte und ihr Verbleib

Foto: Aerospace Bristol

20 Concordes bauten Franzosen und Briten zwischen 1962 und 1979 – zwei Prototypen, zwei Vorserienflugzeuge und je acht Maschinen für Air France und British Airways. Wir erzählen ihre Geschichte – und verraten, wo sie heute sind.

18 der 20 bei Sud Aviation (später Aérospatiale) und BAC (später Britisch Aerosoace) gebauten Überschalljets existieren auch heute noch. Während British Airways alle ihre Maschinen in den Ruhestand retten konnte, musste Air France gleich zwei Concordes abschreiben: eine wurde verschrottet, die andere ging 2001 bekanntlich durch Absturz verloren.

Die Prototypen: Concorde 001 und 002

Foto: BAC
Der britische Prototyp G-BSST beim Testflug.

Die Ehre, als erste Concorde den Himmel zu erobern, wurde dem französischen Prototypen zuteil. Am 2. März 1969 hob die Concorde 001 mit der Kennung F-WTSS und Testpilot André Turcat am Steuer von Toulouse aus zum Jungfernflug ab. Es war der erste von insgesamt 397 Flügen, bei denen 812 Flugstunden (und 19 Flugminuten) zusammenkamen. Dabei flog Concorde 001 254 Stunden und 49 Minuten mit Überschallgeschwindigkeit. Das Flugzeug steht heute im französischen Luftfahrtmuseum in Paris-Le Bourget und kann dort, als eine von gleich zwei Concordes, besichtigt werden.

Concorde 002, in Großbritannien als G-BSST registriert, erhob sich am 9. April 1969 von Filton aus erstmals in die Luft und landete anschließend für weitere Tests in Fairford. Bis 1976 absolvierte der zweite Prototyp 836 Flugstunden, die sich auf insgesamt 438 Flüge verteilten. 173 Stunden und 26 Minuten wurde dabei mit Überschall-Speed geflogen. Den letzten Flug absolvierte die G-BSST am 4. März 1976. An diesem Tag wurde sie nach Sommerset in England überführt, wo sie noch heute im Royal Navy-Museum Yeovilton zu sehen ist.

Die Vorserie: Concorde 101 und 102

Foto: Sud Aviation
Die französische Vorserienmaschine trug bereits die Farben der Air France.

Die erste Vorserien-Concorde war eine Britin: G-AXDN startete am 17. Dezember 1971 in Filton zu ihrem ersten Flug. Bis zu ihrer Versetzung in den Ruhestand am 20. August 1978 flog die Supersonic-Lady 273 Mal. 574 Stunden und 49 Minuten stehen in ihrem Logbuch, davon 217 Stunden mit Mach 1+ sowie 170 weitere mit mehr als Mach 2. Am 26. März 1974 erreichte sie einen Topspeed von Mach 2,23. Keine andere Concorde flog jemals wieder so schnell. Die Flughöhe, auf der der Rekordflug stattfand, betrug 63700 Fuß (19416 Meter). Heute kann man die Concorde 101 im Imperial War Museum Duxford besuchen.

Ihr französisches Pendant, F-WTSA, begann ihre Flugkarriere am 10. Januar 1973 in Toulouse. Insgesamt sammelte sie auf 314 Flügen 656,5 Flugstunden. 280 Stunden und 49 Minuten befand sie sich dabei jenseits der Schallmauer. Zum letzten Mal zu Testzwecken hob sie am 29. Januar 1976 ab. Am 20. Mai 1976 wurde Concorde 102 schließlich als Geschenk für den Airport-Betreiber ADP nach Paris-Orly überführt. Dieser wollte sie 1988 verschrotten lassen, doch die Organisatoren des benachbarten Musée Delta Athis Paray nahmen die Concorde kurzerhand unter ihre Fittiche und ersparten ihr so das traurige Schicksal. Heute ist sie das unbestrittene Highlight des Museums und steht stolz als Aushängeschild auf dem Freigelände.

Serienflugzeuge ohne Linieneinsatz: Concorde 201 und 202

Foto: BAC
Die ersten beiden Serienflugzeuge, hier die G-BBDG, wurden für die Flugerprobung herangezogen.

423 mal hob die Concorde F-WTSB (Werksnummer 201) vom Boden ab – ihre Premiere gab sie am 6. Dezember 1973. Obwohl als Serienflugzeug deklariert, transportierte sie während der fast 910 Stunden, die sie in der Luft war, nie zahlende Fluggäste. Stattdessen stieg sie zusammen mit ihrer Schwester, Concorde 202, bis 1982 in die erweiterte Flugerprobung ein. 339 Stunden und 25 Minuten war sie dabei mit Überschallgeschwindigkeit unterwegs. Ihren letzten Flug absolvierte die F-WTSB am 19. April 1985 von Chateauroux nach Toulouse, wo sie heute auf dem Airbus-Gelände bestaunt werden kann. Besonders interessant ist das Interieur: Ende der 70er-Jahre erhielt die hintere Kabine der F-WTSB ein Upgrade in Gestalt brauner „Presidential“-Ledersitze, die ursprünglich in der Concorde 02 verbaut waren.

Concorde 202 stieg unter dem Kennzeichen G-BBDG am 13. Februar 1974 in die Flugerprobung ein. Der Jungfernflug ging von Filton nach Fairford. 633 Mal war die Maschine bis zu ihrer Verrentung am 24. Dezember 1981 in der Luft. Bei 514 der total 1282 Flugstunden hängte sie den Schall ab. Wer sie heute besuchen möchte, trifft sie im Brooklands Museum Weybridge, Surrey an.

Die Linienmaschinen der Air France

Foto: Air France
Sechs der acht für Air France gebauten Concordes sind erhalten geblieben.

Concorde 203
Ursprünglich als F-WTSC registriert, hob die Concorde 203 als erste für den Liniendienst bei Air France bestimmte Maschine am 31. Januar 1975 zum Erstflug ab. Ab dem 28. Mai 1975 war sie als F-BTSC unterwegs – und arbeitete nebenbei beim Film: So spielte sie 1979 die Hauptrolle im Kinostreifen „Airport `80 – die Concorde“. Nach 11898 unfallfreien Flugstunden und 3978 Landungen stürzte F-BTSC am 25. Juli 2000 kurz nach dem Start in Paris-Charles de Gaulle über dem Vorort Gonnesse ab. Dabei kamen 113 Menschen ums Leben. Die Überreste des Wracks liegen heute unter Verschluss in einem Hangar des Flughafens Le Bourget.

Concorde 205
Die F-BVFA war vor allem in den Anfangsjahren das präferierte Fotomodell der französischen Concorde-Flotte. Sie war es nämlich, die 1976 und 1977 die Air France-Strecken von Paris nach Rio, Washington und New York eröffnete. Am 27. Oktober 1975 erstmals in der Luft, ging sie am 19. Dezember desselben Jahres an Air France. Dort sammelte sie 17824 Flugstunden, landete 6780 Mal und absolvierte 5504 Überschall-Zyklen. 1998 umrundete sie die Welt in 41 Stunden und 27 Minuten. Ihr letzter Flug fand am 12. Juni 2003 von Paris nach Washington Dulles statt, wo sie heute im National Air and Space Museum steht.

Concorde 207
14771 Stunden, 5473 Landungen und 4791 Überschallzyklen sind im Flightlog der Concorde F-BFVB vermerkt. Die Maschine wurde am 8. April 1976 an Air France ausgeliefert, von Januar 1979 bis Juni 1980 kurzzeitig als N94FB von Braniff Airways eingesetzt und am 31. Mai 2003 nach einem finalen Rundflug feierlich in den Ruhestand verabschiedet. Am 24. Juni 2003 landete die F-BVFB zum allerletzten Mal – und zwar in Karlsruhe-Baden-Baden. Von dort aus kam sie anschließend ins Technik Museum Sinsheim, wo sie heute die Hauptattraktion ist – gemeinsam mit ihrer einstigen Kontrahentin, einer Tupolew 144.

Concorde 209
Auch die F-BVFC, am 3. August 1976 an Air France ausgeliefert, flog knapp anderthalb Jahre in den USA als N94FC bei Braniff Airways. Den Hauptteil ihrer 14332 Flugstunden absolvierte sie jedoch bei den Franzosen. Ihr letzter Flug führte die Concorde 209 am 27. Juni 2003 von Charles de Gaulle nach Toulouse, wo sie seit einiger Zeit im neuen Aeroscopia Museum zu Hause ist. Es war die letzte von insgesamt 4358 Landungen. 4200 Überschallflüge stehen auf ihrem Konto.

Eine Concorde der Air France steht heute auf dem Dach des Technik Museums Sinhseim.

Concorde 211
Die Karriere der Concorde F-BVFD bei Air France begann am 26. März 1977. Neben der F-BTSC ist sie allerdings die einzige, die heute nicht mehr existiert – zumindest nicht als vollständiges Flugzeug. Nach 5814 Stunden, 1929 Landungen und 1807 Überschallflügen wurde sie von Air France am 27. Mai 1982 aus dem Verkehr genommen. Nach Einstellung der Route Paris-Dakar-Rio musste die Airline Überkapazitäten abbauen. Die Wahl fiel auf Concorde 211, da diese fünf Jahre zuvor bereits bei einer überharten Landung in Dakar beschädigt worden war. Im Lauf der Zeit fiel sie der Korrosion anheim und wurde 1994 zerlegt. Während die Nase für 45730 Euro an einen reichen US-Amerikaner ging, liegt der Rumpfrest heute in Dugny. Auch F-BFVD war zeitweise für Braniff im Einsatz, als N94FD.

Concorde 213
Am 18. September 1978 zur Concorde-Flotte der Air France gestoßen, sammelte die F-BTSD (zuvor F-WJAM) für ihren Arbeitgeber 12974 Flugstunden. Darunter findet sich ebenfalls ein kurzes Braniff-Intermezzo, wo die Maschine von Januar bis März 1979 als N94SD unterwegs war. Ihren letzten Linieneinsatz hatte die Concorde 213 am 31. Mai 2003 auf dem Flug AF001 von New York nach Paris. Danach flog sie am 14. Juli 2003 noch ein letztes Mal von Charles de Gaulle nach Le Bourget, wo sie sich nach 5135 Landungen und 3672 Überschallzyklen nun im örtlichen Luft- und Raumfahrtmuseum die Aufmerksamkeit mit dem ersten Prototypen teilt.
Im April 1996 war die F-BTSD kurzzeitig im Pepsi-Werbekleid unterwegs. Außerdem hält sie den Guinness-Rekord für die schnellste Weltumrundung – 31 Stunden, 27 Minuten und 49 Sekunden (ostwärts).

Concorde 215
Die letzte für Air France bestimmte Concorde trat am 23. Oktober 1980 als F-BVFF (zuvor F-WJAN) in den Liniendienst ein. Ihren letzten Flug absolvierte sie unter der Flugnummer AF4586 (Charter) am 11. Juni 2000. Ab April 2002 ging die Maschine in den D-Check, der jedoch mit dem angekündigten Aus für die Concorde-Flüge 2003 kollidierte. Die zerlegte Maschine wurde daraufhin pro forma wieder zusammengebaut, war jedoch nicht mehr flugfähig. Heute steht sie auf dem Flughafen Charles de Gaulle.

Die Linienmaschinen der British Airways

Foto: British Airways
British Airways erhielt ihre erste Concorde Anfang 1976.

Concorde 204
Die erste für British Airways gebaute Concorde trug in der Kennung die Initialen der BA-Vorgängerin BOAC – und wurde deshalb von British Airways bevorzugt für Fotoaufnahmen herangezogen. Vom Erstflug bis zur Auslieferung der Maschine am 13. Februar 1976 dauerte es ein ganzes Jahr. Hersteller BAC nutzte die Concorde 204 zwischenzeitlich für die finale Flugerprobung. Ihren letzten Flug absolvierte die G-BOAC am 31. Oktober 2003 von London-Heathrow nach Manchester, wo sie heute auf dem Flughafengelände ausgestellt ist. Zwischen Januar 1979 und August 1980 war sie als N81AC für Braniff im Einsatz. Insgesamt flog sie 7730 Mal, durchbrach bei 6761 Flügen die Schallmauer und kommt auf eine Gesamtzahl von 22260 Flugstunden.

Concorde 206
Obwohl ein Dreivierteljahr später zum Erstflug gestartet, war die G-BOAA am 14. Januar 1976 die erste Concorde, die British Airways in Empfang nahm. Von Januar 1979 bis Juli 1980 für Braniff unterwegs, absolvierte die Maschine während ihrer gesamten Karriere fast 22769 Flugstunden und 6842 Überschallzyklen auf 8064 Flügen. Am 12. August 2000 flog sie als BA002 ihren letzten Linieneinsatz von New York nach London. Die nach dem Air France-Absturz an den Concordes vorgenommenen Verbesserungen erhielt sie nicht mehr. Zur Ruhe gesetzt hat sie sich auf dem East Fortune Airfield in Schottland.

Concorde 208
22967 Flugstunden stehen für die G-BOAB zu Buche, die am 30. September 1976 an BA ausgeliefert wurde. Dabei absolvierte sie 7810 Landungen und 6688 Überschallzyklen. Zwischen 1979 und 1980 ebenfalls leihweise in den USA bei Braniff, absolvierte sie ihren letzten Linienflug am 15. August 2000 von New York nach London. Da British Airways nach dem vorübergehenden Grounding der Concorde-Flotte für die Wiederaufnahme der Flüge nur noch mit fünf Maschinen plante und G-BOAB die sechste gewesen wäre, die modifiziert werden sollte, verzichtete man auf die anstehenden Umbauten und schickte das Flugzeug aufs Altenteil. Es träumt heute auf seiner Homebase Heathrow von besseren Zeiten.

Foto: British Airways
Die G-BOAC beim Start mit gezündeten Nachbrennern in London Heathrow.

Concorde 210
Die G-BOAD trat am 6. Dezember 1976 ihren Dienst bei British Airways an, absolvierte 1979 bis 1980 ebenfalls das fast obligatorische Auslandspraktikum bei Braniff und sammelte auf 8406 Flügen 23397 Flugstunden. Darüber hinaus avancierte die Concorde 210 zur einzigen in der BA-Flotte, die vorübergehend mit einer anderen Lackierung versehen wurde: 1979 lieh sich Singapore Airlines das Flugzeug kurzzeitig aus. Aus diesem Grund erhielt die G-BOAD auf der Backbordseite die volle Singapore-Livery, während die andere Rumpfhälfte original blieb. Ihren letzten Flug absolvierte sie am 10, November 2003 von London nach New York, wo sie im Intrepid Museum ihren Alterssitz gefunden hat.

Concorde 212
In Sachen Alterssitz dürfte es indes die G-BOAE am besten getroffen haben: Sie steht heute in einer Halle auf Barbados, als Protagonistin der dortigen „Concorde Experience“. Dort geht es ihr augenscheinlich gut – ihr Zustand soll fantastisch sein. Zu BA war sie am 20. Juli 1977 gestoßen. Von Januar 1979 bis Juli 1980 leihweise für Braniff unterwegs, sammelte sie bis zu ihrer Ausmusterung am 17. November 2003 23376 Flugstunden. Dafür benötigte sie 8383 Flüge. Auf 7003 davon erreichte sie Überschallgeschwindigkeit.

Foto: Barbados Concorde Experience
Die G-BOAE im Museum auf Barbados.

Concorde 214
Als vorletzte Concorde stieß die G-BOAG (zuvor G-BFKW) am 6. Februar 1980 zur britischen Speedbird-Flotte. Dort sticht sie als die Maschine mit der geringsten Flugzeit heraus: Nur 16239 Stunden war sie in der Luft und absolvierte 5633 Landungen sowie 5066 Überschallflüge. Der Grund dafür? G-BOAG war so etwas wie der Pechvogel unter den BA-Concordes. Nach einem abgebrochenen Flug nach New York am 26. April 1980 wurde das Flugzeug mit einem mit Wasser verschmutzten Hydrauliksystem gegroundet. Nach einem Jahr am Boden und Reparaturarbeiten, die BA über eine Million Pfund kosteten, ging sie im Februar 1981 wieder in Dienst. Als BA später einen Mangel an Ersatzteilen für ihre Concorde-Flotte feststellte, groundete man die Maschine erneut und nutzte sie bis 1984 als Teilespender. Dennoch fand sie schließlich den Weg zurück in den Flugdienst, aus dem sie sich am 5. November 2003 endgültig verabschiedete. Heute steht sie im Museum of Flight in Seattle.

Concorde 216
Die letzte BA-Concorde G-BOAF (zuvor G-BFKX) trat am 9. Juni 1980 in die Flotte ein. Sie war 18257 Stunden in der Luft, flog 6045 Mal und erreichte dabei 5639 Mal Überschall-Speed. Als jüngstes Mitglied der Concorde-Flotte hatte sie die Ehre, als erste BA-Maschine überhaupt die neue „Chatham Dockyard“-Livery zur Schau zu tragen. Sie war außerdem die erste britische Concorde, die die nach dem Air France-Absturz verordneten Modifikationen erhielt. Und, last but not least: sie absolvierte am 26. November 2003 den letzten Flug einer Concorde überhaupt. Er ging von Heathrow nach Filton, wo die Ära der britischen Concordes einst ihren Anfang genommen hatte. Im Aerospace Museum Bristol hat sie nun ihre gebührende Ruhestätte erhalten.

Foto: Aerospace Bristol
Die in Bristol ausgestellte G-BOAF ist die letzte je gebaute Concorde.
Top Aktuell Absturzstelle der Boeing 737 MAX 8 von Ethiopian Airlines am 10. März 2019. Finanzhilfe für die Angehörigen der MAX-Unglücke Boeing stellt Mittel für Entschädigungsfonds bereit
Beliebte Artikel Absturzstelle der Boeing 737 MAX 8 von Ethiopian Airlines am 10. März 2019. Finanzhilfe für die Angehörigen der MAX-Unglücke Boeing stellt Mittel für Entschädigungsfonds bereit Endmontage liefert nur noch MAX und Militärversionen Boeing baut die letzte 737 NG
Stellenangebote Jetzt bewerben ACM Charter sucht Mitarbeiter/in CAMO (m/w/d) Der Baden-Württembergische Luftfahrtverband stellt ein Referent für Aus- und Fortbildung, Flugsicherheit und Sport (m/w/d) gesucht OFD sucht Pilot Jetzt bewerben – Pilot gesucht! OFD sucht Pilot (m/w/d)
Anzeige
Top 10
Die zehn größten Flugzeuge der Welt

Schneller, höher, größer, weiter: Wir zeigen die zehn größten Flugzeuge aller Zeiten.